PfadnavigationHomeRegionalesHamburgGeothermieHamburgs erste Versorgung mit Erdwärme rückt näherStand: 12:13 UhrLesedauer: 3 MinutenSchweißarbeit am Fernwärmenetz der Hamburger EnergiewerkeQuelle: Bertold FabriciusNoch in diesem Jahr wollen die Hamburger Energiewerke in Wilhelmsburg aufbereitete Erdwärme für die Versorgung von Haushalten in das Netz einspeisen. Wichtige Zwischenschritte dafür wurden nun erreicht.Die Nutzung von Erdwärme gilt als besonders vielversprechend, weil diese Art der erneuerbaren Energie ganzjährig zuverlässig zur Verfügung steht. Hamburgs erstes Geothermie-Projekt soll im Stadtteil Wilhelmsburg noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Wichtige Zwischenschritte hat das städtische Unternehmen Hamburger Energiewerke nun erreicht. Der Bund fördert das Projekt im Rahmen seiner „Reallabore“ für die Energiewende mit 22,5 Millionen Euro.In Wilhelmsburg wollen die Hamburger Energiewerke 48 Grad warmes Wasser aus einer 1300 Meter tief gelegenen Gesteinsschicht an die Oberfläche fördern. Dort muss das Wasser für die Nutzung im Fernwärmesystem auf 75 bis 85 Grad weiter aufgeheizt werden. Dafür installieren die Hamburger Energiewerke zwei jeweils vierstufige Wärmepumpen, die beim Stromverbrauch besonders effizient sein sollen. Die Hauptkomponenten dafür seien nun montiert, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Noch in diesem Jahr soll die Einspeisung von Erdwärme in das Netz beginnen.„Wir bauen in Wilhelmsburg die erste Tiefengeothermie-Anlage Hamburgs“, sagte Thomas-Tim Sävecke, Geschäftsbereichsleiter Engineering der Hamburger Energiewerke. „Wir haben eine effiziente Wärmepumpenanlage geplant. Unsere Testreihe zur Thermalwasserförderung war bereits erfolgreich. Jetzt wird die Anlagentechnik installiert, angeschlossen und dann schrittweise in Betrieb genommen. Noch in diesem Jahr wollen wir erste Wärme in Wilhelmsburg liefern.“Aus den zwei lokalen Wärmenetzen versorgen die Hamburger Energiewerke in Wilhelmsburg bislang rund 3700 Haushalte mit Fernwärme. Die Geothermieanlage bietet laut Hamburger Energiewerken rein rechnerisch das Potenzial für die Versorgung weiterer 6000 Haushalte. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Energiebunker in Wilhelmsburg, der umgebaute Flakbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Er enthält unter anderem einen großen Wärmespeicher zur Zwischenspeicherung von Fernwärme, in den auch die Wärme aus der Geothermieanlage eingespeist werden wird. Auf dem Dach des Gebäudes stehen zudem Solarstrom- und Solarwärmeanlagen.„Die Wärmewende findet nicht irgendwann statt, sondern sie läuft in Hamburg bereits auf Hochtouren. Das sieht man besonders gut beim Geothermie-Projekt in Wilhelmsburg“, sagte Hamburgs Umwelt- und Energiesenatorin Katharina Fegebank (Grüne). „Hier zeigen unsere Hamburger Energiewerke, wie sauberes Heizen im Jahr 2026 funktioniert: Sie nutzen die Wärme aus der Erde, machen uns unabhängiger von teuren Gasimporten und versorgen Tausende Haushalte mit verlässlicher Fernwärme.“Die Hamburger Energiewerke arbeiten an zahlreichen Stellen daran, die Wärmeversorgung der Stadt auf eine „klimaneutrale“ Basis zu stellen. Das größte Projekt dafür ist der „Energiepark Hafen“ auf der Dradenau. Dort wird künftig unter anderem Abwärme aus Industrieunternehmen gesammelt, aufbereitet und zur Versorgung der westlichen Hamburger Stadtteile in einer neu gebauten Pipeline unter der Elbe hindurch in das Fernwärmenetz für die westlichen Hamburger Stadtteile geleitet.Eine Volksinitiative setzte im vergangenen Oktober durch, dass der Senat die Voraussetzungen schaffen muss, um Hamburg bereits 2040 „klimaneutral“ zu machen, fünf Jahre früher, als zuvor vom Senat geplant. Wie dies gelingen soll, ist an vielen Stellen noch völlig offen. Der rot-grüne Senat betont seither regelmäßig die erheblichen Anstrengungen für die Stadtgesellschaft, die dafür nötig sein werden.Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die deutsche und internationale Energiewirtschaft.