Die Inflationsrate im Euroraum belief sich im Juli auf 2,9 Prozent. Das hat das europäische Statistikamt Eurostat in Luxemburg am Freitag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im Juni hatte die Rate 2,8 Prozent betragen, nach 3,2 Prozent im Mai und 3,0 Prozent im April.Weiterhin sind es insbesondere die hohen Energiepreise, von denen die Inflation getrieben wird. Sie sind nicht die einzigen Preise, die steigen; aber sie dominieren das Inflationsgeschehen. Anders als noch vor einiger Zeit steigen die Lebensmittelpreise im Durchschnitt nicht so stark, auch wenn sich einzelne Nahrungsmittel wie Eier oder Fisch deutlich verteuern. „Nach wie vor inflationieren auch die Dienstleistungen stark“, hebt Friedrich Heinemann hervor, Ökonom am Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.Je nach Euroland ist die Entwicklung dabei unterschiedlich. In Deutschland hatte die Inflation im Juni einen regelrechten Sprung gemacht. Nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI), der für Vergleiche mit anderen Euroländern verwendet wird, stieg sie auf 2,8 Prozent, nach 2,4 Prozent im Juni. In den Monaten Mai und Juni hatte der Tankrabatt die Inflationsrate in Deutschland künstlich gedrückt. „Der ‌Rückgang der Inflation ‌im Juni ist im Juli komplett wieder aufgezehrt worden“, kommentierte Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust.Frankreich erreicht 2,4 ProzentAuch in Frankreich stieg die Inflationsrate überraschend deutlich. Nach 2,0 Prozent im Juni belief sie sich im Juli auf 2,4 Prozent. Analysten hatten im Durchschnitt mit einer Stagnation gerechnet. Der mit Abstand stärkste Preistreiber im Juli waren auch in Frankreich die Kosten für Energie. Hier meldet das Statistikamt im Jahresvergleich einen Anstieg um 12,4 Prozent. Nach staatlichen Eingriffen in den Energiesektor war die Inflation in Frankreich für einige Zeit sehr niedrig gewesen.In Spanien hat sich die Inflation von einem hohen Niveau aus beschleunigt. Sie stieg von 3,6 Prozent im Juni auf 3,8 Prozent im Juli. Volkswirte hatten im Durchschnitt lediglich mit 3,7 Prozent gerechnet. In Spanien war auch schon in früheren Wellen mit einem hohem Ölpreis zu beobachten gewesen, dass dieser sich stärker als hierzulande auf die Inflationsrate insgesamt auswirkt.Zinserhöhung sehr wahrscheinlichDie Europäische Zentralbank (EZB) macht im Moment Sommerpause, im August gibt es keine Zinssitzung. Die nächste Zinsentscheidung steht am 10. September an, dann trifft sich der EZB-Rat ausnahmsweise in Berlin. Einmal im Jahr kommen die Notenbanker in einer anderen Stadt als Frankfurt zusammen: Normalerweise passiert auf diesen Auswärtssitzungen geldpolitisch nicht so viel. Diesmal wird an den Finanzmärkten allerdings eine Zinserhöhung erwartet. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte schon vor der vorigen Zinssitzung im Juli in Reden durchblicken lassen, dass sie eine Zinserhöhung eigentlich für notwendig hält.Für die weitere Inflationsentwicklung hängt einiges vom Ölpreis ab. Am Freitag bewegte er sich um 85 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) für die Nordseesorte Brent. Im Juli, für den die jetzt veröffentlichten Inflationszahlen gelten, hatte er wegen des Irankriegs zeitweise mehr als 100 Dollar betragen. Zwischenzeitlich war er mit den Friedensbemühungen im Iran auch schon mal auf gut 70 Dollar gesunken.Der Heizölpreis ist weiter hoch, ging aber am Freitag ein bisschen zurück auf 132 Euro je 100 Liter bei der Abnahme von 3000 Litern. Das meldete das Internetportal Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden. Der Dieselpreis hat nach Zahlen des Portals Clever Tanken zuletzt eher weiter zugelegt, auf durchschnittlich 2,197 Euro je Liter. Der Preis für Super E10 ist auch wieder etwas gestiegen, auf 2,13 Euro je Liter.Nachhaltig sinken könnte die Inflation nach Einschätzung von Ökonomen erst, wenn der kriegsbedingte Energiepreisanstieg nach der Jahreswende aus dem Vorjahresvergleich herausfällt. Es ist aber natürlich ungewiss, ob es dann nicht auch wieder preistreibende Faktoren geben wird. Die EZB jedenfalls hat mittlerweile ihre Inflationsprognose fürs kommende Jahr nach oben revidiert, von 2,0 auf 2,3 Prozent.