Jon Reeves war gehobener Manager bei Goldman Sachs und ging für sechs Monate in Elternzeit. Nachdem er an seinen Arbeitsplatz bei der britischen Bank zurückkehren wollte, wurde ihm gekündigt. Das war 2022. Nun urteilte ein Arbeitsgericht in London zugunsten von Reeves und sprach ihm eine Entschädigung von 1,45 Millionen Pfund (rund 1,7 Millionen Euro) zu. Diese stand ihm demnach wegen geschlechtsspezifischer Diskriminierung und ungerechtfertigter Kündigung zu.
Das Gericht stellte fest, dass der Banker infolge dieses Vorfalls im gesamten Londoner Finanzsektor unter Stigmatisierung litt. Potenzielle neue Arbeitgeber zögerten, ihn einzustellen, oder sagten Vorstellungsgespräche abrupt ab, nachdem Führungskräfte einen Medienbericht über seine Klage vor dem Arbeitsgericht in Umlauf gebracht hatten, so das Urteil.Goldman Sachs erklärte in einer Stellungnahme, man sei „Marktführer im Bereich des bezahlten Elternurlaubs und ermutige alle berufstätigen Eltern, unabhängig vom Geschlecht, den ihnen angebotenen bezahlten Urlaub von 26 Wochen in vollem Umfang in Anspruch zu nehmen“.
Die Anwältin von Reeves, Jo Keddie, begrüßte die Entscheidung, auch wegen ihrer symbolischen Wirkung. „Das Urteil unterstreicht die Tatsache, dass Stigmatisierungsschäden nicht nur theoretischer Natur sind“, erklärte Keddie.Vorgesetzter soll Reeves mehrmals angeschrien habenReeves war seit 2007 als stellvertretender globaler Leiter des Compliance-Kontrollraums bei Goldman Sachs in London tätig. Dann teilte ihm die Bank mit, dass er aufgrund „geschäftlicher Erfordernisse“ und seiner „relativen Leistung“ für eine Entlassung ausgewählt worden sei.








