Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) muss sich einschränken. In der kommenden Fahrplanperiode 2027 sollen insgesamt 14 Millionen Euro eingespart werden. Dabei sollen die Fahrgäste so wenig wie möglich davon merken. Dieses als „Anpassungsprogramm“ titulierte Sparprogramm hat der Münchner Stadtrat am Mittwoch beschlossen. Der neue Fahrplan tritt am Sonntag, 13. Dezember 2026, in Kraft.Das Problem der MVG sind die gestiegenen Kosten für Personal und Energie, wobei gleichzeitig Fördermittel des Freistaats in Höhe von 2,5 Millionen Euro wegfallen. Von der Stadt München gibt es zwar deutlich mehr: Sie bezuschusst den Betrieb der MVG mit jährlich 130 Millionen Euro, dazu kommen weitere 130 Millionen von den Stadtwerken München an ihre Tochtergesellschaft MVG. Aber dieses Geld reicht trotzdem noch nicht.Die Hälfte der Einsparungen, also etwa sieben Millionen Euro, soll eine Neuordnung des Busnetzes bringen. Kürzungen in Takten und Linienwegen beziehungsweise neue Strecken gibt es vor allem bei bisher wenig ausgelasteten Linien. Hier hat sich die MVG zusammen mit dem Mobilitätsreferat 27 mögliche Varianten angeschaut. Das nun beschlossene Programm soll trotz aller Kürzungen nach Berechnungen der MVG sogar 1000 Fahrgäste täglich mehr bringen.Die wichtigsten Änderungen beim Bus: Die Linie 52 verkehrt künftig zwischen Marienplatz/Tal und Tierpark, dabei nimmt sie eine neue Route über die Ludwigsbrücke und Zeppelinstraße, beziehungsweise Lilienstraße in Gegenrichtung. Damit ist auch die nördliche Au besser an den ÖPNV angebunden.Der Bus 132, der bisher im Tal begann, fährt künftig nur noch zwischen Isartor und Forstenrieder Park und nur noch zu Hauptverkehrszeiten alle zehn Minuten. Die Verstärkerbusse bis Implerstraße entfallen.Verkehrswende:Das sind Münchens größte BaustellenWeniger Autos, mehr Platz für Radler und Fußgänger, neue U-Bahnen und Tramlinien: Mobilitätsreferent Georg Dunkel soll auch in den kommenden Jahren verantworten, dass sich nicht zu viel aufstaut.Die 2018 eingeführte Ringbus-Linie 58/68 wird abgeschafft. Der 58er geht in der Linie 100 auf und fährt von der Silberhornstraße über den Hauptbahnhof rund um die City zum Ostbahnhof. Der 68er wird mit der Linie 184 zusammengelegt und ist künftig als Linie 101 zwischen Bruno-Walter-Ring und Hauptbahnhof zur Silberhornstraße unterwegs – und umgekehrt. Den Abschnitt Herkomerplatz – Ostbahnhof – Silberhornstraße bedienen die Linien 54 und 64.Der Expressbus X30 wird ebenfalls abgeschafft. Er geht in der neuen Linie 64 auf und fährt zwischen Lorettoplatz und Arabellapark, wobei alle Haltestellen bedient werden. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens sei der X30 kein wirklicher Expressbus gewesen, heißt es bei der MVG.Die Linien 54 und 153 fahren künftig kürzere Routen, der Bus 187 fährt zwischen Arabellapark und Richard-Strauss-Straße. Kürzere Touren und besser aufeinander abgestimmte Takte sollen mehr Pünktlichkeit bringen.Die Buslinien 174 und 179 im Norden der Stadt, die nur vier beziehungsweise sieben Haltestellen bedienen, werden eingestellt. Ihre jeweiligen Endhaltestellen Dientzenhoferstraße und Olschewskibogen werden aber durch die Linien 171 beziehungsweise 172 bedient.Auf die geplanten Taktkürzungen bei der Linie 139 verzichtet die MVG, auch der Gasteig HP8 in Sendling, der vorher unter anderem durch den X30 bedient wurde, bleibt bis zum Abend durch die Linie 64 erreichbar. Hier wollen sich die MVG und die Gasteig GmbH auf ein den Bedürfnissen der Konzertbesucher passendes Angebot insbesondere im Verkehrszeitraum bis 23 Uhr verständigen.Bei der U-Bahn bleibt die Verstärkerlinie U7 dauerhaft gekürzt. Von Montag bis Freitag bedient sie den Abschnitt Sendlinger Tor – Neuperlach Zentrum nicht, sondern fährt weiterhin auf dem verkürzten Linienweg zwischen Olympia-Einkaufszentrum und Sendlinger Tor. In den Schulferien entfällt die Linie.Bei der Tram wird wegen gestiegener Nachfrage durch das neue Strafjustizzentrum am Leonrodplatz die Linie 20 auf einen Fünf-Minuten-Takt zur Stoßzeit verstärkt. Die Linie 23 fährt bereits von August an nur noch alle zehn statt fünf Minuten, zusammen mit der verlängerten 12er-Tram besteht zwischen Parzivalstraße und Schwabing Nord dennoch ein Fünf-Minuten-Takt. Eine Linienänderung gibt es bei der 19er- und der 21er Tram. Die Linie 19 fährt im Osten künftig die St.-Veit-Straße an, die 21er endet in Berg am Laim. Die Linie 25 fährt montags bis freitags, von 9 bis 13 Uhr zwischen Abschnitt Max-Weber-Platz und Großhesseloher Brücke nur noch alle zehn statt fünf Minuten.Stadträtin Gudrun Lux (Grüne) verteidigte das neue Angebot: Mit dem vorgeschlagenen Programm erreiche man ein „effizienteres Busnetz, das zuverlässiger wird, wirtschaftlicher arbeitet und zugleich insgesamt attraktiver für die Fahrgäste wird“. Für Veronika Mirlach (CSU) ist das Anpassungsprogramm dagegen ein „Kürzungsprogramm auf dem Rücken der Fahrgäste“. Die „Wende“ im Wort „Verkehrswende“ sei eine „Rolle rückwärts“, sagte Mirlach. Sie kritisierte unter anderem, dass immer noch kein Expressbus in das neue Siedlungsgebiet Freiham im Westen der Stadt fahre.Dirk Höppner (München Liste) kritisierte das Programm als Verschlechterung, vor allem für die Menschen am Stadtrand. Als Beispiel nannte er die Einstellung der Buslinien 174 und 179. Katharina Horn (Linke) kündigte an, künftig für keine weiteren Kürzungen mehr zu stimmen. Man solle, so Horn „weniger Euro für Tunnel und Vorhaltebauwerke“ ausgeben, stattdessen „mehr Euro für Bus und Bahn“. Felix Lang (SPD) erklärte, es müsse bei einer „vorübergehenden“ Konsolidierung bleiben, Patricia Riekel (FDP) meinte, das Wort Anpassungsprogramm sei eine „elegante Umschreibung für Sparprogramm“, das aber notwendig sei.