Die deutsche Wirtschaft ist im Frühjahr trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten ​Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,1 Prozent gerechnet. Das ist bereits das dritte Plus in Folge: Im Schlussquartal 2025 ‌reichte es zu einem Wachstum von 0,3 Prozent, in den ersten drei Monaten 2026 zu einem Plus von 0,4 Prozent.

Die Ende Februar begonnenen Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben die Ölpreise in die Höhe getrieben und Unternehmen wie Verbraucher viel Geld gekostet. „Die Konsumausgaben entwickelten sich den vorläufigen Erkenntnissen nach verhalten, die Investitionen gingen zurück“, betonten die Statistiker. Dafür nahmen die Exporte im Frühjahr zu.Die jüngsten Konjunkturdaten wiesen zuletzt alle ​nach oben. Industrieaufträge, Produktion, Exporte, Baugenehmigungen und Einzelhandelsumsatz zogen jeweils an. In der Industrie sind die Auftragsbücher mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn ⁠der Statistik 2015. ⁠Auch die Reichweite des Auftragsbestands liegt mit 8,9 Monaten auf Rekordniveau. „Im Schatten des Krieges im Nahen Osten zeichnet sich endlich eine Trendwende in der deutschen Industrie ab“, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Der Bundesbank zufolge könnten die deutschen Exporteure davon profitiert haben, dass ihre internationalen Wettbewerber – ‌vorwiegend in Asien – stärker von Engpässen bei Vorprodukten betroffen waren.