Porsche 924 Carrera GT: vom «Hausfrauenporsche» zur Rennsport-RaketeAus dem belächelten 924 machte Porsche mit dem Carrera GT ein Kraftpaket – mit Audi-Genen, 210 PS Rekordleistung und einer Kleinserie, die heute zur teuer gehandelten Rarität geworden ist.30.07.2026, 10.00 Uhr6 LeseminutenVom Porsche 924 Carrera GT wurden nur 406 Exemplare gebaut. Der Testwagen aus dem Museum ist Fahrgestell Nummer zwei.PDEin seltener Anblick. Im Rahmen des Goodwood Festival of Speed im Süden Englands zeigt sich der Porsche 924 Carrera GT, frisch aus dem Transporter des Porsche-Museums Stuttgart gerollt. Die Gelegenheit, den Wagen näher unter die Lupe zu nehmen und auf eine kurze Rundfahrt auszuführen, wollen wir uns nicht entgehen lassen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als Porsche 1975 ein neues Sportwagenmodell unterhalb des Flaggschiffs 911 lancierte, glaubten die Kunden zunächst, es handle sich um den Nachfolger des 914, der auch als VW-Porsche bekannt geworden war. Doch am neuen Porsche 924 war alles anders, als man es vom Stuttgarter Hersteller kannte:Der Motor war über der Vorderachse platziert anstatt im Heck, es war ein 125 PS starkes Triebwerk mit vier Zylindern in Reihe – und Wasserkühlung, wie der Frontmotor ein Novum bei Porsche. Das manuelle 4-Gang-Getriebe befand sich vor der Hinterachse, um dem Wagen eine optimale Gewichtsverteilung zu bieten. Man spricht von der Transaxle-Bauweise, weil sich der Antrieb auf beide Achsen des Wagens verteilt.Auch sonst war der 924 ein Porsche, den man so beim Hersteller nicht erwartet hatte. Weil er aufgrund seiner rundlichen Form und der Klappscheinwerfer so untypisch wirkte, bekam er von der eingefleischten 911-Zielgruppe rasch den Spitznamen «Hausfrauenporsche». So ganz anders als bisherige Sportwagen des Herstellers war der 924 vor allem, weil er ursprünglich als Modell für die VW-Konzernschwester Audi geplant war. Ausgeliefert wurde er dann auch mit vielen VW- und Audi-Teilen, etwa einem Motor aus der Audi-Entwicklung mit den deutlich sichtbaren vier Ringen auf dem Block.Schnell war den Machern der 924-Baureihe klar: Der Wagen brauchte ein maskulineres Aussehen und mehr Sportlichkeit, um die Erwartungen an die Marke zu erfüllen. 1979 kam der Porsche 924 Turbo auf den Markt, mit nun 170 PS Leistung, einem Heckspoiler und auffälligen Lüftungsschlitzen zwischen den Scheinwerfern. Doch die Karosserie war noch immer rundlich und brav.Vorläufer des 944 und Basisfahrzeug für den RennsportLängst hatte Porsche entschieden, an der Transaxle-Bauweise festzuhalten, aber ein deutlich bulligeres Fahrzeug mit einem stärkeren Motor aus Eigenentwicklung zu bringen. Bis aber der 944 auf den Markt kommen konnte, war ein Übergangsmodell gefragt. Es sollte auf Basis des 924 entstehen und den Bestand an Teilen für den Wagen nutzen.Bereits 1979 präsentierte Porsche den Prototyp des 924 Carrera GT (intern 937 genannt). Das Ziel war klar: Die Transaxle-Baureihe sollte an Schärfe gewinnen und optisch bereits den 944 vorwegnehmen.Die gross dimensionierte Lippe am Ende der Heckscheibe wurde später auch beim Porsche 944 übernommen.PDDie technische Basis lieferte der bekannte 2-Liter-Vierzylinder aus dem 924 Turbo. Um jedoch echte Sportwagen-Performance zu generieren, versah Porsche das Aggregat mit geschmiedeten Kolben, härteren Nockenwellen und einem modifizierten Zylinderkopf mit höherer Verdichtung. Der Turbolader erzeugte nun bis zu 0,75 bar Ladedruck und wurde von einem zusätzlichen Ladeluftkühler unterstützt. Die Leistung stieg auf damals beachtliche 210 PS. Mit 106 PS pro Liter Hubraum brach der 924 Carrera GT damals den Rekord für strassenzugelassene Autos. Das Resultat war eine Spitze von 240 km/h, während der Sprint von 0 auf 100 nach nur 6,9 Sekunden erledigt war – und das bei einem Durchschnittsverbrauch von gut 9 Litern.Um die Kraft auf den Asphalt zu bringen, wurde das Getriebe verstärkt und optional mit einer Differenzialsperre veredelt. Auch beim Gewicht sparten die Ingenieure und übernahmen eine leichte Abgasanlage direkt aus dem Rennsport.Der Carrera GT rollte serienmässig auf geschmiedeten Fuchsfelgen im Format 15 Zoll, wobei gegen Aufpreis auch die markanten 16-Zoll-Räder erhältlich waren. Die Bremsanlage stammte direkt vom grossen Bruder, dem 911 Turbo 3.3.Der Innenraum wurde weitgehend vom 924 Turbo übernommen.PDFür genügend Ansaugluft sorgte eine grosse Lufthutze auf der Motorhaube.PDOptisch trat der Wagen deutlich bulliger auf. Kotflügel aus Polyurethan ermöglichten eine verbreiterte Spur, wobei die Frontpartie bereits das Gesicht des späteren 944 trug. Um das Gewicht bei 1180 kg zu halten, wurden auch Seitenschweller und die prägnante Lufthutze aus diesem Kunststoff gefertigt.Im Interieur blieb alles wie beim 924 Turbo. Ergänzt wurde es nur durch ein Lederlenkrad und Sportsitze im rot-schwarzen Nadelstreifen-Design. Wer es komfortabler mochte, konnte in der Aufpreisliste von der Klimaanlage bis zu elektrischen Fensterhebern fast alles bestellen.Nach 6 Vorserienmodellen entstanden 1981 lediglich 400 Einheiten des Carrera GT, die Hälfte davon war für den deutschen Markt bestimmt. Da der Motor die strengen US-Emissionshürden nicht nahm, blieb amerikanischen Fans das Modell offiziell verwehrt. Inklusive der Vorserienmodelle verliessen insgesamt nur 406 Fahrzeuge das Werk.Doch der Carrera GT war mehr als ein Strassenauto. Er bildete dank seiner Auflage von mindestens 400 Stück auch gemäss Motorsport-Reglement die Basis für eine erfolgreiche Rennsportkarriere. Als GTS, GTP oder GTR mischte der 924 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit und bewies seine Ausdauer unter anderem beim legendären 24-Stunden-Rennen in Le Mans.Eine südenglische Probefahrt mit dem MuseumsstückWie gut Porsche mit dem 924 Carrera GT die Basis für den Motorsport legt, wollen wir auf südenglischen Landstrassen erfahren. Dafür stellt uns das Porsche-Museum eines der sechs Versuchsfahrzeuge im Neuwagenzustand zur Verfügung – das zweite je gebaute Fahrzeug der Baureihe.Schon beim Platznehmen sind die Unterschiede zum Basis-924 erkennbar. Die Sportsitze sind eine Spur griffiger, die Seitenführung der Polsterung ist etwas sportlicher. Aber schon beim Drehen des Zündschlüssels erwacht ein ganz anderes Triebwerk als von früher gewohnt. Der Porsche-Motor klingt sonorer und wirkt robuster als das alte Audi-Aggregat.Auch das Getriebe ist ganz anders als beim 924. Um den ersten Gang einzulegen, zieht man nach hinten links, nach vorne geht es bereits in den zweiten Gang. So wurden Sportwagengetriebe in den 1970er und 1980er Jahren gebaut, um schnellere Schaltvorgänge zu ermöglichen.Der Turbomotor leistete beachtliche 210 PS.PDDie vorderen Kühleröffnungen stammten aus dem Porsche 924 Turbo, die Klappscheinwerfer blieben auch im späteren 944 unverändert.PDDass dieser Versuchswagen bereits 45 Jahre gelebt hat, zeigt sich beim Wechsel aus dem ersten in den zweiten Gang. Eine falsche Bewegung, und das Getriebe kratzt am Rückwärtsgang. Mit etwas Übung gelingen flotte Gangwechsel bis hinauf in den fünften.Der Motor dreht bei der Beschleunigung willig hoch und erreicht rasch den Bereich des maximalen Drehmoments bei rund 3500 Touren. Das für Turbomotoren damals besonders typische Leistungsloch unterhalb von 1500 Umdrehungen pro Minute ist in diesem rüstigen Museumsfahrzeug kaum spürbar. Aufgrund eines kleinen Problems mit den frisch eingebauten Einspritzdüsen sind heute allerdings nicht mehr als 4500 Umdrehungen möglich. Doch für flinke Kurvenfahrten genügt das – dank der hohen Elastizität des Porsche-Vierzylinders.Für die Marke typisch ist die auffallend präzise agierende Lenkung. Das Fahrwerk war vor 45 Jahren bereits so ausgewogen, dass selbst das Befahren enger Kurven ein Genuss ist. Die Karosserie zeigt in den Biegungen so gut wie keine Seitenneigung, der Carrera GT liegt wie ein Brett auf der Strasse. Als Krönung der sportlichen Abstimmung zeigt sich die feine Bremsanlage aus dem 911 Turbo, die sich sehr angenehm und exakt dosieren lässt.Von den 406 gebauten Exemplaren dürften aufgrund der hohen Zuverlässigkeit und der geringen Komplexität der Technik noch mehr als die Hälfte auf heutigen Strassen fahren. Einen zu ergattern, könnte aber schwierig werden, in Deutschland sollen nur noch etwa fünfzig Stück zugelassen sein. Preise zwischen 90 000 und 130 000 Euro werden heute für einen solchen Youngtimer aufgerufen, Exklusivität inbegriffen.Wer einen der Porsche 924 Carrera GT ergattern will, dürfte länger suchen müssen: In Deutschland gibt es noch etwa fünfzig Exemplare.PDDie Testfahrt wurde durch Porsche unterstützt.Passend zum Artikel