Die Welt zerbricht gerade bei BMW. Nicht nur emotional – die Krise der Branche hat inzwischen auch den lange so stolzen Münchner Autokonzern mit Wucht erfasst –, sondern vor allem geografisch. Denn in den USA und Europa laufen die Geschäfte der Münchner eigentlich ordentlich, die Absatzzahlen lagen dies- und jenseits des Atlantiks im ersten Halbjahr deutlich über den Werten des Vorjahres, wie der Konzern am Donnerstag meldete. Und das zweite Quartal war demnach sogar noch stärker als das erste. Zugleich aber bricht das Geschäft am anderen Ende der Welt in dramatischem Tempo weg: Um gut 20 Prozent sanken die Verkaufszahlen auf dem weltweit größten Automarkt China von Januar bis Juni, allein im zweiten Quartal lag das Minus bei etwas mehr als 30 Prozent.Dieses Auseinanderdriften hinterlässt tiefe Spuren. So sank der Vorsteuer-Gewinn von BMW im ersten Halbjahr auf gut vier Milliarden Euro, fast ein Drittel weniger als noch vor einem Jahr. „Die Herausforderungen in der gesamten Automobilindustrie nehmen rasant zu“, ließ sich Konzernchef Milan Nedeljković zitieren. Zusätzlich zum rasant schrumpfenden Markt in China leide BMW auch unter der Zollpolitik der USA sowie der Verunsicherung durch den Iran-Krieg. So sackte der operative Gewinn im zentralen Konzernbereich Automobile im zweiten Quartal sogar um mehr als 60 Prozent ab. Der Konzern verdient damit inzwischen an den Autos weniger als an seinen Finanzdienstleistungen.Angekündigter Stellenabbau bei BMW:Der lange Schatten des Vierzylinders – wie es der Belegschaft und der Stadt gehtDer Münchner Konzern steht für das bayerische Selbstverständnis als Wirtschaftsmacht. Der Stellenabbau wird den Stammsitz des Unternehmens am härtesten treffen. Doch es bleibt dort ruhig, offensichtlich hat der neue BMW-Chef den richtigen Ton getroffen.Und dass es bald besser wird, damit rechnet Nedeljković offensichtlich nicht, im Gegenteil. Bereits am Mittwoch hatte er den Beschäftigten deshalb ein Sparprogramm vorgestellt, das Management und Betriebsräte ausgehandelt hatten. Rund 8000 Jobs sollen demnach bis Ende kommenden Jahres bei BMW wegfallen, vor allem in Deutschland, vor allem abseits der Werkshallen – und damit wohl vor allem am Stammsitz in München. Dafür werde rund die Hälfte der zuletzt etwa 84 000 Mitarbeiter in Deutschland demnächst ein Abfindungsangebot erhalten. Der Konzern plant dafür allein für dieses Jahr zusätzliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe ein. Wie viel das Programm dann im kommenden Jahr kosten wird, lasse sich noch nicht sagen, hieß es am Mittwoch.Ihre Hoffnungen setzen sie bei BMW nun vor allem in die Modelle der „Neuen Klasse“. Am Dienstag erst hatte BMW gemeldet, dass vom neuen Elektro-SUV iX3 bereits 50 000 Stück vom Band gelaufen seien, die Vorbestellungen würden zudem bald die Marke von 100 000 erreichen. Anfang Juli hatte Nedeljković zudem im US-Werk in Spartanburg das größere Schwester-Modell X5 vorgestellt, das in gleich fünf Antriebsvarianten gebaut werden soll. Und in diesen Wochen soll im Münchner Stammwerk die Serienproduktion der Elektro-Limousine i3 anlaufen.Vor diesem Hintergrund bestätigte der Konzern am Donnerstag dennoch die Prognosen für den Rest des Jahres – diejenigen natürlich, die Nedeljković vor sechs Wochen in Form einer drastischen Gewinnwarnung herausgegeben hatte: Bei lediglich ein bis drei Prozent soll die operative Marge demnach liegen, auch beim Vorsteuer-Ergebnis werde ein „deutlicher Rückgang“ erwartet.