Im größten Gefängnis Irans herrscht Ausnahmezustand. Mindestens 1500 zum Tode verurteilte Häftlinge verweigern dort seit zwei Wochen die Nahrung. Wie Amnesty International und weitere Menschenrechtsorganisationen berichten, richtet sich der Massenprotest gegen die drastisch gestiegene Zahl von Exekutionen in der Islamischen Republik. Einige Gefangene hätten sich aus Protest sogar die Lippen zugenäht, hieß es weiter.

Der Hungerstreik im Gefängnis Ghezel Hesar nahe Teheran begann demnach am 13. Juli. Auslöser war die Verlegung von sechs wegen Drogendelikten zum Tode verurteilten Häftlingen in Einzelhaft – offenbar zur Vorbereitung ihrer Hinrichtung. Der Protest richtet sich auch grundsätzlich gegen die Anwendung der Todesstrafe für Drogenvergehen.

Hilferufe aus den Zellen

Von Menschenrechtsgruppen verbreitete Aufnahmen aus dem Inneren des Gefängnisses zeigen Häftlinge, die in einem Korridor zwischen den Zellen sitzen. Sie halten Schilder mit der Aufschrift „Keine Hinrichtungen mehr“ und rufen „Seid unsere Stimme“.

Der britische Guardian berichtete über ein Video, in dem ein Häftling ankündigte, sich die Lippen zuzunähen, weil sechs Tage nach Beginn des Hungerstreiks kein Verantwortlicher der Anstalt reagiert habe. Im weiteren Verlauf sei zu sehen, wie ein anderer Insasse ihm die Lippen mit Nadel und Faden zunäht.