Wenigstens die Abgeordneten der Union im Bundestag haben sich nicht von der Lust an der Selbstdemontage anstecken lassen, der manche CDU-Mitglieder in den hinteren Reihen und in den Landesverbänden frönen, als gäbe es kein Morgen. Frei wurde mit einem sehr guten Ergebnis zum Fraktionsvorsitzenden gewählt, was auch der Kanzler wollte, an dem manche „Parteifreunde“ kein gutes Haar mehr lassen.Merz’ Management der Kabinettsumbildung war gewiss kein Meisterstück. Die Selbstherrlichkeit, Stillosigkeit und Illoyalität, die ihm seine parteiinternen Kritiker vorwerfen, sieht man freilich eher bei ihnen selbst. Jucken im Furor der Kanzlerschelte keinen die Folgen? Der ehemalige Kanzlerwahlverein beschädigt Merz und das Ansehen der ganzen Partei mit einer Bedenkenlosigkeit, die man bisher nur vom Umgang der SPD mit ihren Kanzlern gekannt hatte.Die AfD bedankt sich für die Unterstützung durch die CDUDer Ausbruch oft unbeherrschter Empörung hat nicht nur damit zu tun, dass heutzutage auch Provinzpolitiker und Staatssekretäre „mitgenommen“ und „wertgeschätzt“ werden wollen, als seien sie der Bundeskanzler. Hier bricht sich auch mit Macht die Angst vor dem weiteren Niedergang der CDU Bahn, der freilich mit dem Eindreschen auf den Kanzler nicht aufgehalten, sondern befördert wird. Wenigstens altgediente Parteisoldaten sollten wissen, dass nichts die Wähler so zuverlässig vertreibt wie parteiinterner Zwist. Die AfD hält sich vor Lachen den Bauch und dankt für die Unterstützung durch die CDU.Wenn der Kanzler keine Fehler mehr macht und ausnahmsweise einmal Glück hat, beruhigen sich in den Ferien vielleicht die Gemüter. Doch dann kommen die Wahlen im Osten und weit schwierigere Entscheidungen auf Merz und die CDU zu als die aktuellen Aufreger. Schneidet die Partei schlecht ab, wird die Diskussion über den Mann an der Spitze wieder losbrechen. Wie bei der Entlassung von Ministern gilt beim noch viel riskanteren Auswechseln eines Kanzlers: Man sollte einen verlässlichen Ersatz haben. Und ganz sicher sein, dass der nächste Erlöser besser ist als der verstoßene.
Wahl von Frei: Ein Moment der Vernunft in der CDU
Thorsten Frei ist wie von Merz vorgeschlagen zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden. Auf die Union und den Kanzler kommen aber noch weit schwierigere Entscheidungen zu.














