Die Geburt gilt als gutes Zeichen für das Funktionieren der neu zusammengesetzten Gruppe. Doch Todesfälle im Zoo Basel zeigen, wie fragil die Situation ist.29.07.2026, 14.40 Uhr3 LeseminutenAm 27. Juli bringt das Gorillaweibchen Mayumi im Zoo Zürich sein erstes Jungtier zur Welt.Tim Benz / Zoo ZürichEs ist kurz vor 10 Uhr am Montag, als das Gorillaweibchen Mayumi im Zoo Zürich sein erstes Jungtier zur Welt bringt. Die Geburt verläuft ohne Komplikationen. Das kleine Gorillaweibchen trinkt schon kurz danach an der Brust seiner Mutter. Vater des Nachwuchses ist Bwana, der neue Silberrücken der Gruppe.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.«Natürlich freuen wir uns über die erfolgreiche Geburt. Gleichzeitig bleiben wir vorsichtig optimistisch», sagt der Zoodirektor Severin Dressen. Die ersten Lebenswochen seien immer die heikelsten. Das Jungtier mache einen gesunden Eindruck, die Mutter kümmere sich vorbildlich, und auch die übrigen Gorillas hätten den Neuzugang akzeptiert. «Wir werden die Situation in den nächsten Tagen weiterhin genau beobachten.»Der Grund für die Zurückhaltung liegt rund neunzig Kilometer entfernt. Im Zoo Basel kam es vergangene Woche bei den Gorillas gleich zu zwei tödlichen Zwischenfällen.Silberrücken verletzt Jungtier tödlichDer Silberrücken der Gruppe in Basel verletzte Mitte Juli seine erst vier Tage alte Tochter versehentlich tödlich. In den ersten Lebenstagen hatte die Mutter das Jungtier eng an ihrem Körper getragen. Dann nahm der Silberrücken das Baby an sich und liess die Mutter nicht mehr zu ihm. Es kam zum Konflikt zwischen den beiden Elterntieren. Während einer Rangelei biss der Silberrücken das Jungtier in den Brustkorb und verletzte es tödlich.Am selben Tag mussten Tierärzte ein weiteres Gorillamännchen einschläfern. Es hatte sich bei einem Streit mit dem Silberrücken schwere Bissverletzungen zugezogen.Im Zoo Basel ist es Mitte Juli bei den Gorillas zu zwei Todesfällen gekommen.Zoo BaselBeide Todesfälle stehen im Zusammenhang mit der Sozialstruktur von Gorillas. Silberrücken akzeptieren erwachsene Männchen in ihrer Gruppe oft nicht. In freier Wildbahn dulden sie in der Regel nur ihre eigenen männlichen Nachkommen.Deshalb kastrieren Zoos andere Männchen häufig, wenn eine Gruppe neu zusammengesetzt wird. So sollen sie trotz einem neuen Anführer in der Gruppe bleiben können.Auch in Basel geschah das, nachdem der langjährige Silberrücken vergangenes Jahr gestorben war. Der Zoo setzte im Herbst einen neuen Anführer aus einem anderen Zoo in die Gruppe. Das zweite Männchen wurde kastriert, in der Hoffnung, der neue Silberrücken werde es so akzeptieren. Doch die beiden Gorillas verstanden sich seit Monaten nicht gut. Der Konflikt endete tödlich.Auch das Töten von Jungtieren ist bei Gorillas kein unbekanntes Verhalten. Meist töten Silberrücken jedoch den Nachwuchs anderer Männchen – nicht den eigenen.Neue Gorillagruppe in ZürichAuch in Zürich musste sich die Gorillagruppe nach dem Tod ihres langjährigen Anführers neu finden. Vergangenes Jahr wurde der 47-jährige N’Gola eingeschläfert. Er litt an Herzproblemen, erhielt Schmerzmittel und war für die europäische Reservepopulation genetisch kaum noch relevant, nachdem er bereits 34 Nachkommen gezeugt hatte. Gleichzeitig verlor er zunehmend die Autorität über seine Gruppe. Laut dem Zoo kam es deshalb immer wieder zu Konflikten, die das Wohl der Tiere beeinträchtigten.Der Zoo Zürich stellte die Gruppe daraufhin vollständig neu zusammen – mit zwei Weibchen aus deutschen Zoos und dem Männchen Bwana aus Warschau. Die in den vergangenen Monaten beobachteten Paarungen und die Geburt des Jungtiers seien «ein positives Zeichen für das Zusammenwachsen und Funktionieren der Gorillagruppe», teilte der Zoo mit. Nach anfänglichen Unsicherheiten habe Bwana seine Rolle als Silberrücken inzwischen gefunden.Bwana heisst der neue Silberrücken im Zoo Zürich. Er ist am Montag erstmals Vater geworden.Fabio Süess / Zoo ZürichDie Ausgangslage in Basel und jene in Zürich waren ähnlich: Beide Zoos mussten ihre Gorillagruppen nach dem Tod des langjährigen Anführers neu ordnen. Die Ereignisse zeigen, wie komplex die soziale Dynamik bei Gorillas ist – und wie schwierig vorherzusagen ist, wie sich eine neu zusammengesetzte Gruppe langfristig entwickelt.Passend zum Artikel
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