Startseite

Unternehmen

Industrie

Chemiekonzern: BASF-Stammwerk schrumpft – Belegschaft auf tiefstem Stand seit 1954 Steigende Preise und eine höhere Nachfrage stärken das Geschäft von BASF. Dennoch setzt der Konzern in Ludwigshafen den Stellenabbau fort.

BASF baut am Stammsitz in Ludwigshafen so viele Stellen ab wie seit mehr als 70 Jahren nicht. Foto: Uwe Anspach/dpaDer Chemiekonzern BASF treibt seinen Umbau voran und hat die Belegschaft an seinem Stammsitz in Ludwigshafen auf den tiefsten Stand seit 1954 verkleinert. „Wir haben das Tempo noch einmal erhöht, um unsere globale Organisation schlanker und effizienter aufzustellen“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth am Mittwoch. Allein im ersten Halbjahr 2026 habe BASF mehr Stellen abgebaut als in den beiden Vorjahren zusammen. Seit Januar 2024 strich der Konzern weltweit rund 7000 Stellen. Der Rückgang in Ludwigshafen auf unter 30.000 Vollzeitstellen sei „ein wichtiger und notwendiger Schritt, um den Standort wieder wettbewerbsfähig zu machen“.Nicht berücksichtigt sind dabei Beschäftigte, die mit dem Verkauf von Unternehmensteilen den Konzern verließen, sowie der Personalaufbau am neuen Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang. Insgesamt sank die Zahl der Beschäftigten bis Ende Juni im Jahresvergleich um gut 14 Prozent auf rund 94.900 weltweit.Im Tagesgeschäft profitierte BASF im abgelaufenen Quartal von einer anziehenden Nachfrage und kräftigen Preiserhöhungen. Dazu trug auch der Krieg im Nahen Osten bei: Aus Sorge vor Lieferunterbrechungen füllten viele Kunden ihre Lager auf, was die Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen verbesserte. Zugleich sorgte das Hochfahren des neuen Milliarden-Verbundstandorts in Zhanjiang für ein kräftiges Mengenwachstum.Bereits Mitte Juli hatte BASF bei der Vorlage vorläufiger Zahlen darauf verwiesen, dass die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur stark von der Lage am Persischen Golf abhänge. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus würde die Wirtschaft belasten, während eine schnelle Einigung der Konjunktur Rückenwind verleihen könnte. Sorgen wegen des aktuellen Niedrigwassers im Rhein wies Kamieth zurück. Der Konzern sei heute deutlich besser auf solche Wetterextreme vorbereitet als noch im Dürrejahr 2018.Wegen der unerwartet guten Geschäftsentwicklung hatte BASF bereits die Ziele für 2026 angehoben. Der Konzern erwartet nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Zuvor wurden 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zudem kündigte das Unternehmen am Mittwoch ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro an. BASF-Aktien stiegen um 2,8 Prozent und gehörten zu den größten Dax-Gewinnern.Geplante Großinvestition Erst BASF, jetzt Covestro – China wird zum Notnagel der deutschen Chemieindustrie Trotz ruinösem Preiskampf und Überkapazitäten verkündet Covestro eine Großinvestition in China. Die Risiken sind groß, doch es mangelt an Alternativen. von Nele Antonia HöflerHarter Schnitt in LudwigshafenHintergrund des Sparkurses ist die tiefe Krise der europäischen Chemiebranche, die unter schwacher Nachfrage und hohen Energiepreisen leidet. BASF steht damit nicht allein: Auch Evonik, Wacker und Lanxess kündigten zuletzt den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen an. Kamieth hatte bereits zu Jahresbeginn vor anhaltendem Gegenwind gewarnt und das Ziel für jährliche Einsparungen auf 2,3 Milliarden Euro erhöht. Unter enormem Druck steht dabei vor allem der defizitäre Stammsitz in Ludwigshafen, der zuletzt das vierte Jahr in Folge rote Zahlen schrieb.Zwar schützt dort eine Standortvereinbarung die Beschäftigten bis Ende 2028 vor betriebsbedingten Kündigungen, dennoch legte BASF im Mai mit dem Umbauprogramm „CoreShift“ nach: Bis 2029 sollen die Fixkosten im Kerngeschäft um bis zu 20 Prozent sinken, was weitere Stellenstreichungen und die Verlagerung von Dienstleistungsstellen nach Indien nach sich zieht.Der Umbau zeigt dem Konzern zufolge erste Erfolge: Der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Produktionseinheiten in Ludwigshafen sei seit 2024 von 78 auf 88 Prozent gestiegen. Für die verbleibenden Sorgenkinder fand Kamieth in einer Telefonkonferenz mit Analysten jedoch deutliche Worte: „Wir beobachten diese zwölf Prozent ständig mit der einfachen Frage: Können wir sie wettbewerbsfähig machen, oder sind das Anlagen, die wir auf lange Sicht auf eine Restrukturierung oder Schließung vorbereiten müssen?“Mit dem 2024 angestoßenen Konzernumbau will Kamieth den Chemieriesen stärker auf die Kerngeschäfte fokussieren, die eng in den BASF-Produktionsverbund eingebunden sind. Randbereiche werden abgestoßen: So wurde bereits die Mehrheit am Lack-Geschäft für insgesamt 7,7 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Carlyle verkauft, die Agrarsparte soll bis Mitte kommenden Jahres fit für einen Börsengang gemacht werden. Die Einnahmen eröffnen neuen Spielraum für eine aktive Rolle bei der Branchenkonsolidierung: „Im aktuellen Marktumfeld haben Zukäufe gegenüber organischem Wachstum an Attraktivität gewonnen“, betonte Finanzvorstand Dirk Elvermann.Der Markt für Übernahmen nehme derzeit an Fahrt auf, ergänzte Kamieth. BASF sei hier ein „aktiver Beobachter“ und sehe die Konsolidierung als Chance. rtr Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick