Mercedes-Werk Sindelfingen: Geht die Sonne für den Konzern auf – oder unter? Foto: IMAGO/EibnerDa gibt es zunächst mal nichts schönzureden: Die Halbjahreszahlen von Mercedes-Benz sind schlicht erschreckend. Aus der erhofften Stabilisierung des Absatzes im zweiten Quartal wurde nichts, er ist weiter rückläufig. In China brach er um 30 Prozent ein, das konnten Steigerungen in den USA und Europa nicht wettmachen.Es ist das Kerngeschäft mit Pkw, das massiv krankt. Der Gewinn im Autobereich ging um satte 26 Prozent zurück. Das wird zwar abgemildert durch bessere Zahlen bei den Lieferwagen und in der Finanzsparte. Aber das ist kein echter Trost; Mercedes-Benz muss mit seinen Autos überzeugen – und das gelang den Stuttgartern zuletzt immer schlechter.Dass es trotz einer über Jahrzehnte positiv aufgeladenen und immer noch starken Premiummarke überhaupt so weit kam, ist unverständlich und unverzeihlich. Wenigstens erklärbar wird es durch strategische Irrungen der Konzernspitze in den vergangenen Jahren. Stichworte: Luxusstrategie, Elektrostrategie. Eigentlich bräuchte es deshalb auf Vorstandsebene längst einen radikalen Neuanfang. Hier kommt der Aufsichtsrat ins Spiel, der an der gefährlichen Lage mindestens eine Mitverantwortung trägt.Autobauer in der Krise Nur Toyota war stärker – warum VW besser dasteht als gedacht Gewinneinbrüche bei VW, BMW und Audi, noch mehr Jobs bei Porsche weg – in der deutschen Autoindustrie brennt es. Aber: Mit kühlem Kopf betrachtet gibt es mehr Licht als Schatten. von Martin SeiwertWarum Mercedes in China unter Druck stehtAber es ist, wie es ist, und es wird sich wohl personell erst einmal nichts tun, weil der Aufsichtsrat es so will. Dennoch könnte sich etwas ändern – im positiven Sinn. Und es ist wohl auch dieser Glaube, der den Aufsichtsrat an der aktuellen Vorstandskonstellation festhalten lässt: Es kommen viele neue Produkte, die die Lage für Mercedes deutlich verbessern könnten, sogar in China.Der 2025 gestartete Mercedes CLA ist ein wichtiges Auto für Europa und die USA, nicht aber für China. Wer dort einen Mercedes kauft, möchte meist mit einem großen Wagen auftrumpfen. Deshalb sind es in China die neuen größeren Modelle, die in diesem und dem nächsten Jahr an den Start gehen, die das Geschäft wieder ankurbeln könnten.Welche neuen Modelle auf die Wende einzahlenSo kommt etwa die überarbeitete S-Klasse Ende des Jahres. Ab Sommer ist der neue Luxus-Van VLE erhältlich. In China ist diese Kategorie sehr beliebt. Ende 2026 soll das vollelektrische SUV GLA starten, ab Herbst wird der Sportwagen AMG GT (4-Türer) ausgeliefert. 2027 kommen dann die elektrische E-Klasse und eine kleinere G-Klasse als Verbrenner und E-Auto.Wenn es dank dieser Modelloffensive dann auch in China wieder besser läuft und sich die Erholung in den USA und Europa fortsetzen sollte, wäre absatzseitig schon einiges geschafft.Bliebe die Frage, ob sich auch die Gewinne erholen werden. Hier lassen die aktuellen Zahlen aufhorchen: Der Gewinn stieg im zweiten Quartal um 13,5 Prozent, das operative Ergebnis um 21,5 Prozent. Und das bei einem schrumpfenden Umsatz. Weniger Geschäft, trotzdem mehr Gewinn – Mercedes-CEO Ola Källenius zeigt zumindest, dass er beim Sparen vorankommt.Man könnte es auch so sagen: Källenius hat angefangen, das Chaos aufzuräumen, das er in den vergangenen Jahren angerichtet hat. Wenn es gut läuft, darf er mit dem Aufräumen noch eine Weile weitermachen.