Zuerst die guten Nachrichten: Laut Entgeltstatistik 2025 der Bundesagentur für Arbeit verdienen Frauen und Männer im Osten nahezu gleich. Frauen kamen dort zuletzt auf ein Medianentgelt von 3.855 Euro brutto im Monat, Männer auf 3.711 Euro. Frauen verdienten sogar etwas mehr. Auch bei der Annäherung der Löhne zwischen Ost und West ging es voran. 3.761 Euro beträgt der ostdeutsche Medianlohn, 4.315 Euro der westdeutsche. Die Differenz von 554 Euro im Monat ist real. Doch sie war größer: 2021 lag der Rückstand bei mehr als 17 Prozent, nun waren es 12,8 Prozent. Die Kurve zeigt in die richtige Richtung.
Doch der Befund taugt nur begrenzt zum Feiern. Zwar ist der Gender Pay Gap im Osten verschwunden, doch der Ost-West-Pay-Gap ist nach wie vor vorhanden. Ersterer wurde durch den Staat beseitigt, Letzterer könnte sich mittelfristig verschärfen. Und das hat Gründe. Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Berufen, die tarifiert, öffentlich finanziert und krisenfest sind: Schule, Verwaltung, Gesundheit, Sozialwesen. Männer stecken häufiger in Industrie, Bau, Logistik oder Leiharbeit. Dort ist die Lage rauer, die Löhne sind niedriger – und die Arbeitsplätze verschwinden.
Allein im verarbeitenden Gewerbe sank die Zahl der Beschäftigten in Ostdeutschland seit 2021 um mehr als 62.000, ähnlich sieht es bei Dienstleistungen (minus 35.000 Stellen) und im Handel (minus 30.000 Stellen) aus. Gleichzeitig sind die Löhne dort stark gestiegen, vor allem aufgrund der Mindestlohnerhöhungen der vergangenen Jahre.








