PfadnavigationHomeRegionalesRheinland-Pfalz & SaarlandPolitologe: Merz sollte auf CDU-Fraktion zugehenStand: 03:36 UhrLesedauer: 3 MinutenUwe Jun sieht kommunikative Defizite beim Kanzler. (Archivbild)Quelle: Harald Tittel/dpaMerz' Rausschmiss von Verkehrsminister Schnieder wird nach Einschätzung eines Experten auch im Ausland gesehen. Was der Umgang mit dem Rheinland-Pfälzer für die größere Regierungspartei bedeutet.Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sollte nach Ansicht von Politikwissenschaftler Uwe Jun auf die rheinland-pfälzische CDU-Fraktion zugehen. «Das Verhältnis ist eindeutig belastet», sagte der Politologe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Mainz.Nach dem Rausschmiss von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hatte die Landtagsfraktion einen Brief an Merz geschrieben und ein geplantes Treffen unter anderem mit der Begründung abgesagt, dass ein persönlicher Austausch ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung voraussetze.Merz will CDU-Landtagsfraktion im September sehenMerz sagte daraufhin: «Ich gehe mal davon aus, dass sich die Wogen bis zum September wieder etwas geglättet haben und dass ich selbstverständlich dann auch die Landtagsfraktion aus Rheinland-Pfalz sehe.» Diese Äußerung habe das Verhältnis sicherlich nicht entspannt, sagte Jun.Merz hatte Schnieder bereits am Donnerstag vergangener Woche darüber informiert, dass er ihn entlassen will. Wegen der kurzfristigen Absage des für die Nachfolge vorgesehenen Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler wurde das aber drei Tage lang nicht kommuniziert. Am Sonntag bat Schnieder dann selbst um Entlassung, um den «unwürdigen Zustand» zu beenden. Ministerpräsident Gordon Schnieder ist der Bruder von Patrick Schnieder.«Das Verhältnis zwischen Merz und Ministerpräsident Gordon Schnieder ist derzeit sicherlich nicht das Beste», sagte Jun. «Es ist kaum denkbar, dass der Brief der Fraktion an Merz herausgegangen ist ohne Absprache mit Gordon Schnieder», sagte Jun. «Er ist ja auch Teil der Fraktion.» Bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten war er Fraktionschef.Jun sieht kommunikative Defizite bei Merz mit negativer Wirkung«Der Umgang mit Patrick Schnieder hat erneut kommunikative Defizite des Kanzlers offenbart», sagte Jun. «Wir wissen immer noch nicht, was der Bundeskanzler Patrick Schnieder genau vorwirft.»«Der Kanzler hat das Ansehen der Bundesregierung mit der Art seiner Kabinettsumbildung nicht gemehrt», sagte der Wissenschaftler von der Universität Trier. Und: «Er nutzt damit der Opposition, in der zwei Parteien am politischen Rand stehen», sagte er mit Blick auf AfD und Linkspartei.Was der Koalitionspartner SPD sagt«Die jüngsten Vorgänge innerhalb der CDU sind bemerkenswert», sagte der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer. Aber: «Die Auseinandersetzung mit dem Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz ist zunächst eine innerparteiliche Angelegenheit der Union.»«Unsere Koalition in Rheinland-Pfalz ist jung, aber verlässlich. Wir arbeiten in Rheinland-Pfalz weiter offen, eng und sachorientiert zusammen», betonte Schweitzer. Von einer Belastung für die Regierungsarbeit sei nicht auszugehen.Schweitzer sagte aber auch: «Wir brauchen einen guten und verlässlichen Draht nach Berlin. Nur so können wir die Anliegen des Landes frühzeitig einbringen und gemeinsam Lösungen entwickeln.»Die SPD im Bund äußerte sich zunächst nicht. «Die Erfahrung der Koalition des ersten Jahres ist: Wenn sie sich streiten, geht es für beide Seiten schlecht aus», sagte Jun über die schwarz-rote Bundesregierung. Die SPD halte sich daher eher bedeckt.CDU unter StressSchlechte Umfragewerte für den Kanzler und die Arbeit seiner Bundesregierung sowie die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im September: «Der Stress in der CDU ist ziemlich hoch», stellte Jun fest. «Friedrich Merz hat ihn mit seiner Aktion in den letzten Tagen nicht vermindert.»dpa-infocom GmbH