Der Kampf gegen die Waldbrände im Südwesten Europas scheint kein Ende zu nehmen. Eine neue Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 40 Grad droht nun in den nächsten Tagen die Löscharbeiten der Feuerwehrleute in Frankreich, Spanien und Portugal weiter zu erschweren. Ein unerlässliches Hilfsmittel zur Bekämpfung der verheerenden Brände und zur Unterstützung der Bodenmannschaften sind dabei Löschhubschrauber, vor allem aber Löschflugzeuge. Überall in Europa, besonders aber an den Brandschwerpunkten, sind derzeit vor allem die markanten, gelb lackierten Löschflugboote vom Typ Canadair 415 im Einsatz.Während Piloten von bodengebundenen Löschflugzeugen nach jedem Wasserabwurf an einem Flugplatz landen und dort Pause machen können, bis sie ihren Wassertank wieder aufgefüllt bekommen, ist eine Canadair-Crew bis zur Landung zum Auftanken für ihre Turbinen im Dauereinsatz. Für ihre Piloten sind Löscheinsätze immer herausfordernd. Turbulenzen schütteln Flugzeug und Crew über dem Feuer durch, die Sicht ist durch Rauch und Qualm meist extrem schlecht. Dazu kommt die hohe Anspannung, die den Flugzeugführern im Cockpit zu schaffen macht – denn ein Autopilot nützt hier nichts, die Löscheinsätze werden immer manuell geflogen. Zudem wird gleich nach dem Abwurf von etwa 6000 Litern Wasser über dem Feuer wieder auf dem nächstmöglichen See oder im Meer aufgesetzt und Löschwasser aufgenommen. Dadurch kann eine Canadair-Crew maximal bis zu 600.000 Liter pro Tag über dem Feuer abwerfen.Bei der Flüssigkeitsaufnahme auf einem Fluss, wie etwa auf der Seine bei den Bränden in Fontainebleau nahe Paris, auf einem See oder im Meer gleitet das Flugzeug ähnlich wie ein Tragflächenboot auf der Wasseroberfläche. Durch eine Luke unten am Rumpf wird das Wasser in nur zwölf Sekunden in die Löschtanks gepresst. 410 Meter Strecke auf dem Meer oder einem See reichen bereits, um die Löschtanks zu füllen. Diese Phase der Wasseraufnahme bei etwa 130 Kilometern pro Stunde ist allerdings ähnlich gefährlich wie der Wasserabwurf über dem Brandherd, weil die Crew auf Wellengang, wechselnden Wind, Boote und treibende Gegenstände im Wasser aufpassen muss.Das Amphibienflugboot kann dafür auch kleine Seen nutzen. Vor dem ersten Einsatz von Löschflugbooten 2022 beim Waldbrand im Harz war viel darüber diskutiert worden, ob es in Deutschland überhaupt möglich sei, aus Seen oder Flüssen wie Rhein, Donau, Mosel und Elbe Löschwasser mit dem Flugboot aufzunehmen, ohne Badende oder Wassersportler zu gefährden. Die routinierten Cockpitcrews der italienischen Canadair mussten da nicht lange überlegen: Sie nahmen dutzendfach in dem nur 2,3 Kilometer langen Concordiasee ihr Wasser für die Löscheinsätze auf und flogen problemlos ihre Einsätze.Im Einsatz: Der Airbus A400M wirft Löschmittel über dem Waldbrand nahe Lacanau im Südwesten Frankreichs ab.dpaAllerdings ist die Zahl der verfügbaren Löschflugboote vom Typ Canadair limitiert. Frankreich hat zwölf Flugzeuge dieses Typs, davon sind aber wohl nur sieben derzeit einsatzbereit. Weitere Exemplare sind nur schwierig oder momentan überhaupt nicht neu zu bekommen. Dabei hatte der französische Präsident Emmanuel Macron schon vor Jahren angesichts der Waldbrand-Schreckensmeldungen aus ganz Europa mehr Löschflugzeuge für die Europäische Union gefordert. 2024 bestellte die EU insgesamt zwölf Löschflugboote des neuen Typs DHC-515 Canadair beim Hersteller DeHavilland Aircraft Canada/Viking Air, dazu kommen fünf weitere Flugzeuge für Griechenland auf eigene Kosten.Das große Problem: Das neue Flugzeug gibt es momentan nur auf dem Papier. Es ist nicht in kurzer Zeit lieferbar. Schon vor zehn Jahren stoppte die Produktion des Vorgängermodells 415. Bislang fliegt nur ein Prototyp, und auch der ist kein wirklich neues Flugzeug, sondern ein umgerüstetes vom bisherigen Typ 415. Die geplante 515-Version wird wohl nicht vor 2028 zugelassen und ausgeliefert, auch wenn erste Segmente des Flugzeugs schon im Bau sind. Wie viele Flugzeuge dann überhaupt pro Jahr hergestellt werden, weiß derzeit niemand. Denn neben allein 22 Festbestellungen durch europäische Kunden haben noch viele weitere Länder oder Unternehmen weltweit die Canadair 515 bestellt – in der Hoffnung, nicht fünf bis acht Jahre bis zur Auslieferung warten zu müssen.Es gibt nur einen Anbieter großer LöschflugbooteDie große Schwierigkeit ist, dass es in der westlichen Welt nur einen einzigen Anbieter großer Löschflugboote gibt – die Canadair 415, bis 2016 gebaut vom kanadischen Unternehmen Bombardier, das seine Löschflugzeugsparte dann verkauft hat. Denn nur dieses Flugboot wurde schon in den Sechzigerjahren mit dem einzigen Zweck der Brandbekämpfung aus der Luft konstruiert. Es gibt zwar einige zum Löschflugzeug umgebaute Flugzeugtypen, sie sind aber immer von einem Flugplatz abhängig, müssen also von einer festen Piste abheben, um an den Brandort zu gelangen. Das sind in Frankreich etwa umgerüstete zweimotorige Dash-8-Q400-Turbopropflugzeuge mit einem Löschtank im Rumpf. Aber auch einmotorige Löschflugzeuge wie die Air Tractor AT-802 werden derzeit bei Bordeaux eingesetzt. In Deutschland ist auch eine ältere einmotorige polnische PZL M-18 Dromader mit 2000 Liter Löschwasser vorhanden. Dieses Flugzeug ist seit den Waldbränden im Harz dort in der Region in den Sommermonaten fest stationiert.Die Problematik wurde lange vernachlässigt, jetzt wird angesichts des dringenden Bedarfs versucht, Alternativen zu finden. So hat etwa Airbus für seinen Militärtransporter A400M mit vier Turboprop-Triebwerken eigens einen Roll-on-roll-off-Tank mit 20.000 Litern entwickelt, der aus dem Transporter ein temporäres Löschflugzeug macht. Da die Installation portabel ist, kann die Löscheinheit bei Nichtgebrauch ausgebaut werden. Airbus hat zwar bereits im Sommer 2024 und 2025 Versuche absolviert, aber das ganze System muss für die Verwendung im A400M eigentlich noch endgültig zertifiziert werden. Das französische Militär hat Ende Juli aber kurzerhand einen Löschsatz von Airbus ausgeliehen und fliegt nun erste Einsätze umgerüsteter A400M gegen die Waldbrände bei Bordeaux.Dass auch die A400M-Piloten des Militärs für diese Einsätze speziell und ausgiebig geschult werden müssen, macht die Sache aber nicht einfacher. Denn es ist etwas völlig anderes, im A400M Fallschirmspringer aus 2000 Meter Höhe abspringen zu lassen oder schweres Material von Flughafen zu Flughafen zu transportieren als gerade mal 50 Meter über einem brennenden Wald bei Turbulenzen 20.000 Liter Wasser in wenigen Sekunden abzuwerfen. Solche Einsätze bergen immer ein Risiko. Jedes Jahr kommt es deshalb weltweit zu tödlichen und auch weniger schlimm verlaufenden Unfällen mit Löschflugzeugen.