Zirkuläre Deals verunsichern die Investoren: Während die KI-Konzerne immer grössere Geschäfte ankündigen, brechen ihre Aktienkurse einDie Schulden der KI-Branche wachsen in hohem Tempo. Für Unmut sorgt vor allem eines: Anbieter wie Nvidia gewähren ihren Käufern Kredite, damit sich diese die immensen Investitionen leisten können.28.07.2026, 16.08 Uhr3 LeseminutenDie Konkurrenz um die KI-Chips intensiviert sich: Auch chinesische Anbieter mischen zunehmend auf dem Markt mit.Future Publishing via GettyDie Nervosität unter den Anlegern hat spürbar zugenommen: Deuten die jüngsten Einbrüche der Chip-Aktien auf ein mögliches Platzen der KI-Blase? Am Montag ist die Aktie des führenden Chip-Entwicklers Nvidia um 5 Prozent gefallen. An den asiatischen Börsen setzte sich die Verlustserie fort: Der japanische Nikkei-Index gab 4 Prozent nach, während die südkoreanische Börse sogar um mehr als 8 Prozent abstürzte. An beiden Börsen sind viele Chip-Anbieter kotiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Seit dem Höchststand im Mai hat Nvidia nun knapp 20 Prozent an Börsenwert eingebüsst. Damit hat sich die Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar in Luft aufgelöst. Auch die Position als wertvollster Konzern der Welt hat Nvidia wieder an Apple verloren.Paradox an den Kursverlusten erscheint, dass die Chip-Branche derzeit mit grossen Deals aufwartet. So hat Nvidia bekanntgegeben, mit dem südkoreanischen Halbleiterhersteller SK Hynix eine historische Partnerschaft einzugehen. Diese soll gigantische Investitionen von 500 Milliarden Dollar umfassen, unter anderem für KI-Speicherchips.Trotzdem reagierten die Anleger ungnädig: Die Aktie von SK Hynix stürzte um 15 Prozent ab. Damit hat sich der Kurs seit dem Höchstwert im Juni praktisch halbiert. Eine analoge Reaktion erlebte Samsung Electronics: Obwohl der südkoreanische Rivale einen Deal von 200 Milliarden Dollar mit dem amerikanischen Chip-Spezialisten Broadcom ankündigte, verlor die Samsung-Aktie ebenfalls über 13 Prozent an Wert.Erinnerung an die Dotcom-BlaseDoch weshalb sind die Chip-Hersteller trotz den vermeintlich positiven Nachrichten aus der Gunst der Investoren gefallen? Der langjährige Börsenkommentator Jim Cramer vom Sender CNBC brachte die Befürchtungen der Märkte auf den Punkt: «Im Jahr 2000 haben wir etwas gelernt: Man sollte jenen Unternehmen, welche die eigenen Waren abkaufen, keine Kredite gewähren.» Während der Dotcom-Blase waren es vor allem die Telekomausrüster, die ihren Kunden auf diese Weise halfen, die gewaltigen Investitionen in Glasfaserkabel oder Handyantennen zu finanzieren.Solche zirkulären Deals erleben in der KI-Branche derzeit ein Comeback. Das Volumen dieser Kooperationen hat in jüngster Zeit stark zugenommen. Namentlich Nvidia hat in zahlreiche Unternehmen investiert, mit denen die Firma auch Geschäfte betreibt. Das gilt für die Käufer von KI-Chips, also Chatbot-Anbieter wie Open AI oder Anthropic. Gleichzeitig unterstützt Nvidia ebenso jene Firmen, welche ihren Kunden die nötigen Rechenleistungen für die KI zur Verfügung stellen.Für Stirnrunzeln hat insbesondere ein Bericht im «Wall Street Journal» vom Wochenende gesorgt, wonach Nvidia mit Open AI über eine Finanzspritze von 250 Milliarden Dollar verhandelt, um ein neues Rechenzentrum zu erstellen. Zwar sei Nvidia eine starke Firma mit viel Geld, sagte Cramer: «Wenn der Markt aber beschliessen sollte, dass man keine weiteren Rechenzentren mehr finanzieren will, und die Unternehmen selbst nicht über die nötigen Mittel verfügen, dann sind wir zurück im Jahr 2000.»Nur wenige Player mischen mitIn die gleiche Kerbe schlägt der Investor Michael Burry, der durch seine erfolgreiche Wette ab 2007 gegen den amerikanischen Immobilienmarkt bekannt wurde. Auf der Plattform Substack schrieb er, das Geschäft mit KI-Chips konzentriere sich auf eine geringe Anzahl von Kunden, was zu einer starken Abhängigkeit führe. So entfalle die Hälfte der Verkäufe von Nvidia auf die sogenannten Hyperscaler wie Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta. Wenn diese Käufer aus Angst, etwas zu verpassen, zu grosse Mengen bestellten, so wirke sich die Verzerrung auf die gesamte Lieferkette aus.Verschärft werden die Risiken dadurch, dass den hohen Investitionen in die KI bis jetzt nur geringe Erträge gegenüberstehen. Die Rating-Agentur Moody’s beziffert die direkten Schulden der grossen KI-Investoren auf inzwischen 460 Milliarden Dollar. Hinzu kommen Leasingverpflichtungen von 1,2 Billionen Dollar, davon 820 Milliarden allein für unfertige Rechenzentren. Auch Moody’s warnt vor den Gefahren dieser zirkulären Geschäfte, weil die getätigten Investitionen zwischen den involvierten Partnerfirmen zu überschüssigen Kapazitäten beitragen könnten.Die Euphorie in der Tech-Branche hat sich in kurzer Zeit deutlich abgekühlt. Auch der Börsengang des KI- und Raumfahrtkonzerns SpaceX hat die Anleger bis jetzt enttäuscht. Im Vergleich zum Höchstwert vom Juni ist die Marktkapitalisierung von 2,4 auf 1,5 Billionen Dollar geschrumpft. Die beste Börsenentwicklung von den Tech-Giganten, den Magnificent Seven, verzeichnet in diesem Jahr der Smartphone-Hersteller Apple. Pikanterweise ist das genau jener Konzern, der sich im Gegensatz zur Konkurrenz aus dem KI-Wettrüsten weitgehend herausgehalten hat.Passend zum Artikel