Es herrscht ein anderer Umgangston. Die Spieler, die in der vergangenen Saison schon in Diensten der Eintracht standen, und das ist der überwiegende Teil des Teams, das sich aktuell in Grassau auf die kommende Fußballsaison vorbereitet, gewöhnen sich gerade an eine neue Form der Kommunikation. Albert Riera, der sich schnell als Fehlbesetzung auf der Trainerposition herausstellte, redete viel, aber bei Weitem nicht so, dass ihm und seinen Gedanken alle aus dem Kreis seiner Mitstreiter hätten folgen können. Doch auch darauf legte der eigensinnige Iberer keinen gesteigerten Wert. Adi Hütter, sein Vor-Vor-Vorgänger und Nachfolger, geht anders, strukturierter vor.Der Österreicher spricht eher bedacht als schlagzeilenträchtig, überfrachtet die Mannschaft nicht mit spleenigen Einfällen und lässt in den Tagen am Chiemsee auch die Nebenleute aus seinem Betreuerstab, darunter Alex Meier, das Kommando auf dem Übungsplatz übernehmen – und zieht sich selbst wie auf den Beobachterposten am Rand zurück. Er habe schon „gute Ansätze“ erkennen können, lautete sein Zwischenfazit, und die Truppe habe unter anderem beim Testspiel-Sieg gegen Trabzonspor (3:0) „versucht, vieles von dem zu zeigen, was wir uns vorgestellt haben“. Grundsätzlich werde er jedem eine „faire Chance“ geben, sagte Hütter, deswegen nehme er sich so viel Zeit, wie er für nötig erachte, um sich ein Bild zu machen.Frühestens nach diesem Wochenende, wenn die Eintracht zurück in Hessen ist und die Partie bei Waldhof Mannheim am Samstag (17 Uhr) absolviert sein wird, will sich der Österreicher mit Sportvorstand Markus Krösche zusammensetzen und im Detail den Ist-Zustand seines Kaders bewerten – und daraus ein Konzept ableiten, wie darauf im Rahmen der Möglichkeiten auf dem Transfermarkt zu reagieren ist.Kosugi blüht im Trainingslager aufGefühlt gehört auch Keita Kosugi zur noch überschaubaren Fraktion der Sommerzugänge. Er steht zwar bereits seit Winter unter Vertrag – musste sich aber, auf Anordnung Rieras, zuletzt wie das fünfte Rad am Wagen fühlen. Während der Tage in den Bayerischen Alpen macht der Japaner den Eindruck, dass ihm die schweißtreibenden Strapazen Spaß bereiten. Selbst als nach der Ball-Stunde noch Läufe auf der angrenzenden Tartanbahn auf dem Übungsprogramm standen, huschte ihm, als er Runde um Runde die Fitnesscoaches passierte, ein Lächeln übers Gesicht.Kampfstark: Kosugi im Zweikampf bei einem Testspielpicture allianceNachdem er in den vergangenen Monaten nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurechtkommen musste, gehörte er nun zu den Gesprächspartnern, die von den Klubmedien für die Fans, die nicht vor Ort sind und über den Lauf der Dinge informiert werden sollen, zum Interview gebeten wurden. Kosugi sagte bei dieser Gelegenheit, dass er dabei sei, die Nebenleute noch einmal „intensiver kennenzulernen“, und er nach den wenig freudvollen Frühlingswochen nun eine ganz andere „positive Energie“ wahrnehme.Riera wusste mit ihm nichts anzufangenDer mittlerweile 20-Jährige war im Januar von Djurgårdens IF zur Frankfurter Eintracht gewechselt. Vier Millionen Euro Ablöse entrichteten die Hessen für den 1,72 Meter großen Defensivspieler an die Schweden, für die er 62 Pflichtspiele in der Liga und der Conference League absolviert hatte. Doch als die Trennung von Dino Toppmöller vollzogen wurde und Riera übernahm, brachen für Kosugi schwere Zeiten an; siebenmal schaffte er es als Ersatzmann in den Spieltagskader, eingesetzt wurde er nie. Er fragte den Spanier mehrmals, wie es von Menschen berichtet wurde, die dicht an der Kabine dran sind, was er denn tun und im Training anbieten müsse, um eher berücksichtigt zu werden. Die Antwort soll gelautet haben: Er brauche gar nichts zu tun, weil er nicht ins Konzept passe.Um Spielpraxis zu sammeln, bat Kosugi darum, in der U 21 in der Hessenliga auflaufen zu dürfen. So kam er Mitte April zu seinem ersten Pflichtspiel in Deutschland; bei der 1:2-Niederlage gegen den Hünfelder SV bereitete er den Treffer zum Endstand durch Nico Ochojski vor.Kosugis Stärken: Er ist schnell, kampfstark, aggressivDoch der Fußball ist ein schnelllebiges Business, inzwischen ist vieles anders – nicht nur auf der Frankfurter Trainerbank. Durch den Abgang von Nathaniel Brown zum FC Bayern muss die Stelle des Linksverteidigers neu vergeben werden. Und Hütter ist – fürs Erste – zuversichtlich, in Kosugi einen Kandidaten gefunden zu haben, mit dem er auf die Vakanz reagieren könnte.Anders als WM-Teilnehmer Brown, der wegen seiner guten Ballbehandlung gerne ins Mittelfeld vorrückte, ist Kosugi eher ein klassischer Linienspieler, der mit Tempo vor und zurück sprintet. Gegen Trabzonspor sah das phasenweise vielversprechend aus, mitunter allerdings auch einen Tick übermotiviert. Der Schiedsrichter zeigte bei insgesamt vier Szenen, in denen Kosugi beim Fight um die Kugel die Grenze des Erlaubten überschritt, Milde. Im Pflichtspielalltag dürfte die Kämpfernatur, wenn sie denn dann weiterhin so rabiat zu Werke geht, schneller sanktioniert werden.Hütter lobte ihn allerdings ausdrücklich für seine aggressive Herangehensweise. „Wenn man ein bisschen kleiner ist, dann muss man sich trotzdem präsentieren. Man muss sich wehren können. Wie er das macht, ist schon sehr beeindruckend“, urteilte der 56-Jährige. Ihm gefiel zudem, wie Kosugi „aktiv nach vorne verteidigt“ und „mit dem Ball gute Sachen“ machen könne. „Er hat eine brutale Dynamik“, sagte Hütter, mit dem nicht nur ein anderer Ausdrucksstil bei der Eintracht zurückgekehrt, sondern auch wieder eine konzeptionelle Idee erkennbar ist. Und manchmal braucht es dafür nicht zwangsläufig neue Spieler. Sondern vor allem einen neuen Blick auf die vorhandenen.