Schweres Erdbeben in Südjapan – mehrere Tote nach Explosion in Einkaufszentrum bestätigtNach einem Erdstoss der Stärke 7,1 sind Zehntausende Haushalte in Japan ohne Strom. Besondere Sorge gilt den Chip- und Elektronikwerken von TSMC und Sony in der Region.Martin Kölling, Tokio28.07.2026, 15.29 Uhr3 LeseminutenAktualisiertReutersOptimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Ein Erdbeben der Stärke 7,1 hat am Dienstagnachmittag die südjapanische Insel Kyushu erschüttert. Wie die Japanische Meteorologische Behörde (JMA) mitteilte, lag das Epizentrum in der Präfektur Kumamoto, die schon vor zehn Jahren von zwei schweren Beben erschüttert worden war. Die Behörden gaben zunächst eine Tsunami-Warnung für die Präfektur Kumamoto und angrenzende Regionen heraus, die allerdings inzwischen aufgehoben wurde.Das Ausmass der Schäden ist noch unbekannt. Aber dank der erdbebensicheren Bauweise vieler Häuser und der Infrastruktur dürfte es im Gegensatz zu dem jüngsten doppelten Starkbeben in Venezuela nur wenige Opfer geben. Der japanische Fernsehsender NHK berichtete von mindestens 50 Verletzten. Es soll mindestens einen Toten geben. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am späten Abend (Ortszeit) berichtete, starb das Opfer beim Zusammenbruch eines Hauses.Einkaufszentrum stark beschädigtVideos im Internet zeigen allerdings auch beschädigte und zusammengebrochene Gebäude. Oft handelt es sich um ältere Gebäude, die vor den verschärften Erdbebenstandards gebaut worden sind. Auch Strassen und Autobahnen sind teilweise schwer beschädigt. Eine Autobahnbrücke brach halb ein, Teile einer Zugbrücke stürzten in einen Fluss. Der Schnellzugverkehr wurde auf der südlichen Insel Kyushu vorerst eingestellt, um die Gleise zu untersuchen.Das Einkaufszentrum Aeon Mall in Kumamoto ist stark beschädigt.ImagoDarüber hinaus wurde ein Einkaufszentrum nach dem Erdbeben durch eine Explosion schwer beschädigt. Mehrere Menschen seien darin eingeschlossen, teilte die Feuerwehr mit. Die Polizei befürchtet gemäss dem Fernsehsender TBS, dass eine «hohe Zahl» von Menschen bei dem Vorfall ums Leben gekommen ist. Die genaue Ursache der Explosion sei jedoch unklar.Die japanische Atomaufsichtsbehörde teilte mit, es seien keine Unregelmässigkeiten bei den Kernkraftwerken in der Region gemeldet worden. Für die Elektrizitätsversorgung trifft das allerdings nicht zu. Nach Aussagen des Kabinettsamts sind derzeit rund 48 000 Haushalte ohne Strom.Auswirkungen auf die globale Lieferkette von Chips möglichDurch seine Lage könnte das Beben auch Auswirkungen auf die globale Chiplieferkette haben. In der Stadt Kikuyo in Kumamoto betreiben wichtige Technologiekonzerne wie Sony und der taiwanische Konzern TSMC, der weltgrösste Chip-Auftragsfertiger, grosse Werke. TSMC gab bekannt, dass die Mitarbeiter seines Werks in Kumamoto nach dem Erdbeben evakuiert worden seien.Ein Mann schaut sich die Berichterstattung zum Erdbeben an.Issei Kato / ReutersEin Sony-Sprecher teilte mit, man prüfe die Lage in den Fabriken. Aber die Bodenbewegungen waren dort weit weniger zerstörerisch als in anderen Regionen der Präfektur. Zudem sind die Chipwerke extrem erdbebensicher gebaut. Daher dürfte ein Totalschaden eher unwahrscheinlich sein.Experten warnen vor NachbebenExperten der JMA warnten vor Nachbeben in den kommenden sieben Tagen, die weitere Schäden verursachen könnten. Die Experten wiesen ausdrücklich auf das Erdbeben vor zehn Jahren hin.Damals wurde die Region von einem Doppelbeben getroffen. Das erste war etwas schwächer als das Erdbeben vom Dienstag, das zweite 28 Stunden später stärker. Durch diesen Doppelschlag wurden rund 200 000 Häuser beschädigt oder zerstört, 277 Personen starben direkt oder an den Folgen. Zehntausende weitere mussten zeitweise in Notunterkünften untergebracht werden.Ein beschädigtes Restaurant in Kumamoto.Jiji Press / EPAJapan ist eines der erdbebengefährdetsten Länder der Welt. Es liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Fast täglich bebt die Erde irgendwo in der Inselnation spürbar.Die meisten Opfer in der Nachkriegszeit forderte die Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Nordostjapan von 2011, die auch die Atomkatastrophe in Fukushima auslöste. Nach einem Beben der Stärke 9 bis 9,1 auf der Richter-Skala starben schätzungsweise rund 20 000 Menschen – die meisten in den Fluten des Tsunami.Die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi bei einer Medienansprache.Kyodo via Reuters