Vor einem Jahr starb Laura Dahlmeier am Laila Peak. María Martín hatte sie kurz davor getroffen und vor der Steinschlaggefahr gewarnt«Das hätte auch ich sein können», dachte Martín, als sie von Dahlmeiers Tod hörte. Doch im Gegensatz zu ihr hatte sie sich gegen den Aufstieg entschieden.Stephanie Geiger28.07.2026, 12.46 Uhr7 LeseminutenDie Spanierin María Martín hatte kurz vor Laura Dahlmeiers Tod noch Kontakt zu ihr, sie hat sie vor dem Steinschlag gewarnt.PrivatVor einem Jahr verunglückte die ehemalige deutsche Biathletin Laura Dahlmeier beim Bergsteigen in Pakistan tödlich. Sie wurde am 6069 Meter hohen Laila Peak von einem Stein getroffen. Ihr Leichnam wurde nicht geborgen, es war ihr ausdrücklicher Wunsch, dass niemand sein Leben für eine Bergung riskiert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. 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Von ihm hatten wir Fotos und Informationen über den Laila Peak bekommen. Von ihm wussten wir auch, dass es schwierig ist, den Berg bei sicheren Verhältnissen vorzufinden. Und die Einheimischen erzählten uns, dass man nicht genau sagen könne, wann es dort sicher sei. Das variiere von Jahr zu Jahr. Weil wir nun schon einmal in Pakistan waren, wollten wir einfach mal schauen, was möglich ist.Welche Erfahrungen haben Sie an diesem Berg gemacht?Als wir Mitte Juli in Skardu ankamen, wurde uns gleich gesagt, dass das Jahr im bisherigen Verlauf sehr trocken gewesen sei und der Berg selbst deutlich technischer sei als normalerweise. Doch ich war entschlossen, den Laila Peak zu sehen und zu schauen, wie weit wir kommen.Zur PersonPrivatDer Laila Peak ist der Berg ihrer TräumeMaría Martín, 39, lebt in Barcelona. Sie stand bereits auf den Gipfeln von Matterhorn, Elbrus und Alpamayo (Peru). Im Juli 2025 war sie in Pakistan, um den Laila Peak zu besteigen. Sie tat es nicht, weil es zu gefährlich war. Dort traf sie auch auf Laura Dahlmeier, die wenige Tage später an ebendiesem Berg durch einen Steinschlag starb. Im Frühjahr 2026 reiste Martín noch einmal an den Laila Peak. Diesmal lag zu viel Schnee, diesmal vereitelte die Lawinengefahr den Aufstieg.Was erwartet Bergsteiger am Laila Peak?Das Basislager wird am Fuss des Berges errichtet. Dort liegt kein Schnee. Von dort steigt man ohne grössere Schwierigkeiten auf zum Lager 1, wo man eine Nacht bleibt. Am nächsten Tag geht es weiter zum Lager 2. Dorthin klettert man schon im Fels, aber es gibt Fixseile. Vom Lager 2 steigt man dann Richtung Gipfel auf. Man quert diagonal durch die Flanke nach oben. Diese Route führt auch über Eis und Schnee.«Eine Frauenseilschaft am Laila Peak wäre einzigartig gewesen, historisch», sagt María Martín.Punnawit Suwuttananun / Moment RF / GettyWie gross war Ihre Expedition?Wir waren ein kleines Team. Mein Kletterpartner Andrés Escribano, ein Koch, ein Guide, der mit uns im Basislager angekommen ist, und dazu noch die Träger für unsere Ausrüstung.Doch Ihre Expedition stand unter keinem guten Stern.Wir wussten, dass das Wetter schlecht sein würde. Aber wir hatten ja genug Zeit, um auf ein Wetterfenster zu warten. An den ersten Tagen im Basislager hat es durchgehend geregnet. Das Schlimmste war aber, dass es auch in der Höhe ausgesprochen warm war. An den zwölf Tagen, die wir im Basislager waren, hat es auf dem Gipfel des Laila Peak nicht geschneit. Wir reden hier von Regen in 6000 Metern Höhe! Das ist ziemlich gefährlich. Und was noch hinzukommt: Tag und Nacht hörten wir Stein- und Eisschlag.Wie verbringt man die Tage, wenn man nicht zum Berg der Träume aufsteigen kann?Wir haben unsere Ausrüstung vorbereitet, viel getrunken, um nicht höhenkrank zu werden, und wir haben uns ausgeruht. Als die Sonne herauskam und das Wetter besser wurde, sind wir Richtung Laila Peak gewandert, um die Wand, die wir klettern wollten, von unten zu inspizieren. Die Sicht war nicht gut, aber immerhin konnten wir Fotos von den oberen vierhundert Höhenmetern des Berges machen, also vom technischen Teil des Aufstiegs. Wir wollten aber mehr sehen, und deshalb sind wir mit dem Guide, der uns begleitet hat, entlang des Gondogorogletschers zum Khuspang-Camp in 4700 Metern Höhe gewandert. Während dieser Wanderung machten wir einige Fotos vom Laila Peak, um die sicherste Route zu finden. Es gab tatsächlich nur wenig Schnee und Eis. Beim Abstieg wurden wir Zeugen, wie ein Bergsteiger von einem Stein am Kopf getroffen wurde und gerettet werden musste. Zurück am Laila Peak, machten wir ein paar Videos. Und dann ging die «Party» los.Was meinen Sie mit «Party»?Stein- und Eislawinen überall und zweimal grosser Steinschlag am Laila Peak. Einer donnerte direkt an der Aufstiegsroute vorbei. Mein Herz blieb für einen Moment stehen. In diesem Moment haben Andrés und ich uns angeschaut. Wir wussten: Es ist kein gutes Jahr, um auf den Laila Peak zu steigen. Gerade in den obersten vierhundert Höhenmetern war das viel zu riskant. Mit einem traurigen Gefühl gingen wir zurück ins Basislager. Bevor wir die Expedition endgültig beendeten, sind wir aber noch zum Lager 1 aufgestiegen, um uns einen Eindruck für zukünftige Expeditionen zu verschaffen. Beim Aufstieg gab es noch einmal einen Steinschlag vor uns. Das war das Ende unseres Versuchs am Laila Peak.Wann trafen Sie auf Laura Dahlmeier und Marina Krauss?Im Basislager, vor unserer Wanderung zum Gondogorogletscher. Ich erinnere mich, dass es wie so oft ein kalter und verregneter Tag war. Wir sahen die Gruppe auf unser Lager zukommen. Es ist üblich, dass man stehen bleibt, um eine Rast zu machen und um sich zu unterhalten, im Lager bietet man dann auch Fremden etwas zu essen und zu trinken an. Ich sagte noch zu Andrés: «Das müssen gute Bergsteigerinnen sein, weil sie von Adidas gesponsert werden.» Laura und Marina kamen auf uns zu. Laura fragte auch gleich, ob wir auf dem Gipfel gewesen seien, wie die Verhältnisse am Laila Peak seien und ob es in diesem Jahr überhaupt schon jemand auf den Gipfel geschafft habe.Qasim Shah / ReutersFrank Hoermann / Sven Simon / ImagoMarina Krauss (links) und Laura Dahlmeier stiegen gemeinsam auf den Laila Peak. Nur Krauss überlebte.Was erzählten Sie ihnen?Dass ein Freund von uns aus Hushe es im Mai versuchte, er den Gipfel aber nicht erreichte. Ich zeigte ihnen meine Fotoaufnahmen, und in meinem schlechten Englisch sagte ich: «Es ist gefährlich. Viel Steinschlag. Der Aufstieg ist nicht möglich.» Ich erinnere mich daran, wie ich tausendmal wiederholte, dass der Berg sehr gefährlich sei, dass es in diesem Jahr nicht möglich sei, hinaufzusteigen, dass es da Steinschlag und Regen in grosser Höhe gebe.Wussten Sie, dass die beiden vorher schon an anderen Bergen waren?Sie erzählten, dass sie auf dem Great Trango waren. Laura hat mich dann noch gebeten, ihr mein Foto vom oberen Teil des Laila Peak zu schicken, was ich auch gemacht habe. Ich bat Laura im Gegenzug um eine Wetterauskunft, weil wir kein Satellitentelefon bei uns hatten. Da sahen wir, dass es auch an den nächsten Tagen regnen würde. Später sassen sie dann noch in unserem Küchenzelt, dort assen sie eine Kleinigkeit, und der Koch und unser Guide sagten ihnen noch einmal dasselbe: dass es viel Eis- und Steinschlag gebe in diesem Jahr und die Verhältnisse sehr schlecht seien. Was ich aber betonen will: Das war noch vor unserem Aufstieg am Gondogorogletscher. Die Videos vom Steinschlag am Laila Peak habe ich erst später gemacht.Laura Dahlmeier und Marina Krauss müssen den Stein- und den Eisschlag also auch erlebt haben, von denen Sie berichten. Welchen Eindruck hatten Sie von dem Zusammentreffen?Ich hatte zeitweise das Gefühl, dass die beiden uns den Laila Peak nicht zutrauten. Menschen lassen sich leicht von Äusserlichkeiten beeinflussen und unterschätzen einen dann. Als sie weg waren, sagte Andrés nur zu mir: «Irgendwie komisch, dass sie dich so viel über den Laila Peak gefragt haben.» Und ich antwortete: «Vielleicht wollten sie einfach nur wissen, wie die Verhältnisse in diesem Jahr an den Bergen in der Gegend sind.» Andrés sagte nichts in die Richtung, dass wir es vielleicht auch versuchen sollten.Wie haben Sie von dem Unfall von Laura Dahlmeier erfahren?Der pakistanische Koch unserer Expedition informierte mich. Ich war sprachlos. Ich habe mich so genau an den Moment erinnert, als ich ihnen das Foto gezeigt und tausendmal wiederholt hatte, dass es sehr gefährlich sei, dass es in diesem Jahr noch nicht möglich sei, auf den Laila Peak zu steigen, und dass es bis in grosse Höhe geregnet habe. Ich dachte: Das hätte auch ich sein können.Die Gedenkstätte für Laura Dahlmeier in Garmisch-Partenkirchen, wo ein Park nach ihr benannt wurde.Ulrich Wagner / ImagoKönnen Sie sich erklären, warum die beiden sich anders entschieden haben als Sie und Andrés Escribano?Ich kann natürlich nur spekulieren. Vielleicht ging es ihnen auch um mehr als nur das Klettern. Eine Frauenseilschaft am Laila Peak wäre einzigartig gewesen, historisch. Soweit ich weiss, gab es da noch keine reine Frauenbesteigung. Und als ich später Lauras alpinistische Erfolge anschaute, sah ich, dass sie zum Beispiel an der Ama Dablam einen Speed-Rekord aufgestellt hat. Ich verurteile niemanden. Bergsteiger träumen davon, auf Berge zu steigen, und ich bin sicher, dass auch ihr Hauptaugenmerk darauf lag.Passend zum Artikel
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«Das hätte auch ich sein können», dachte Martín, als sie von Dahlmeiers Tod hörte. Doch im Gegensatz zu ihr hatte sie sich gegen den Aufstieg entschieden.










