AnalyseWie Anleger in verschiedenen Lebenslagen investieren könnenDas Auf und Ab der Börsen und die grosse Auswahl an Möglichkeiten hält viele davon ab, zu investieren. Anhand von fünf illustrativen Beispielen zeigt The Market, wie ein langfristiger Vermögensaufbau gelingt und wo Fallstricke drohen.Anleger brauchen zuweilen starke Nerven. Das stete Auf und Ab an den Finanzmärkten schreckt gar viele, die investieren wollen, vom Einstieg ab. Langfristig zeigen Studie aber: Börsen bieten die immer noch die beste Rendite. Was sollen sie also tun?Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Eine allgemeingültige Strategie gibt es nicht. Alter, Anlagehorizont, Lebenssituation, Risikotoleranz und Ziele sind nur einige der Faktoren, die das Investitionsverhalten beeinflussen. The Market zeigt an fünf konkreten Beispielen, wie neben der beruflichen und der freien Vorsorge zusätzlich langfristig Vermögen aufgebaut werden kann. Daraus lassen sich allgemeingültige Ableitungen machen.Budget erstellenJede Investitionsplanung fängt beim Budget an. Es sollte nur Geld angelegt werden, das nicht unmittelbar benötigt wird. Als Faustregel gilt, dass feste Ausgaben stets durch feste Einnahmen gedeckt werden. Sind die Fixkosten geklärt, lohnt sich ein Blick auf die variablen Ausgaben, etwa für Hobbys, Reisen und Restaurantbesuche.Dabei wird die Aufstellung über ein ganzes Jahr gemacht, damit Kosten, die normalerweise jährlich anfallen, wie Steuern und Gebühren, Versicherungsbeiträge und ein Service am Auto, nicht vergessengehen. Das Gleiche gilt für die Einnahmenseite. Wer keinen vollständigen Überblick über Einkünfte und Ausgaben hat, kann den Kontoauszug über die vergangenen zwölf Monate zurate ziehen und um ausserordentliche Budgetposten bereinigen.Solche anstehenden ausserordentlichen Ausgaben sollten separat erfasst werden: Muss das Auto in den nächsten fünf Jahren ersetzt werden? Plane ich eine grössere Reise oder eine Weiterbildung? Bahnt sich ein Jobwechsel oder eine Veränderung beim Einkommen – insbesondere ein Rückgang – an? In den folgenden Beispielen wird jeweils mit dem Nettolohn nach obligatorischen Sozialversicherungsbeiträgen gerechnet. In die Ausgaben einkalkuliert sind die Steuern, aber auch Beiträge an die dritte Säule. Das Sparen in einem 3a-Konto lohnt sich nicht nur wegen des Spareffekts über den langen Zeithorizont, sondern auch dank dem Steuerabzug, wie Sie hier lesen können. Dabei sind die Kosten für den Anlageerfolg entscheidend: Je nach Anbieter variieren sie gerade für Lösungen mit Aktienfondsanteil erheblich.InhaltsverzeichnisAnlageregelnBerufseinsteiger (25) beginnt mit InvestierenBerufstätige (32) sparen auf ein EigenheimErbender (45) will das Pensum reduzierenGutverdiener (55) bereitet sich auf vorzeitige Pension vorAnlageregelnBeim Anlegen sollten ein paar Regeln beachtet werden. Bei komplexeren Einkommens- und Vermögensverhältnissen lohnt es sich, das schriftlich und/oder grafisch festzuhalten.Nur Überschüssiges investieren und Cash-Polster halten: Mit wie viel Barmitteln fühle ich mich wohl? Einzelpersonen mit einem unbefristeten, regelmässigen Einkommen ohne Unterhaltspflichten sollten stets zwei bis drei Monatslöhne in Cash auf der Seite haben für unerwartete Ausgaben. Je komplexer die Situation im Haushalt, desto grösser ist in der Regel das notwendige Sicherheitspolster.Anlagehorizont kennen: Wann brauche ich wie viel Geld? Wenn nicht alles aufs Mal benötigt wird, verschiedene «Töpfe» mit unterschiedlicher Anlagedauer definieren. In den folgenden Beispielen gilt stets: Kurzfristig sind Perioden bis zu vier Jahre, mittelfristig vier bis acht Jahre, langfristig mehr als acht Jahre.Anlageziel und -strategie definieren: Was bezwecke ich mit der Investition? Welche Rendite strebe ich an? Will ich einen regelmässigen Cashflow generieren oder das Vermögen aufbauen? Je nach Ziel eignen sich andere und unterschiedlich viele Anlageinstrumente. Ist die Strategie definiert, sollte daran festgehalten werden, wenn sich die Umstände nicht ändern.Risikofähigkeit und -bereitschaft eruieren: Welche Schwankungen kann ich angesichts meiner finanziellen Situation und meines Anlagehorizonts tragen? Beginnen die Nerven nach grösseren Verlusten zu flattern? Die eigene Risikotoleranz ehrlich abzuschätzen, dient dazu, die Aktienquote festzulegen.Kosten unter Kontrolle halten: Wie viel kostet eine Wertschrift? Kommen zu den ausgewiesenen Gebühren noch weitere hinzu? Der Kostenfaktor wird oft unterschätzt. Schon die Wahl der Bank oder des Brokers mit niedrigen Depotgebühren ist entscheidend. Vor allem über eine lange Anlagedauer können erhebliche Performanceunterschiede entstehen. Es lohnt sich, die (Opportunitäts-)Kosten im Vorfeld zu vergleichen und bei gleichem Zweck die kostengünstigste Variante zu wählen.Die folgenden Beispiele sollen eine Leitplanke für individuelle Investitionsentscheidungen geben. Dem liegen einige fundamentale Überlegungen zugrunde.Auf die Person und die Situation zugeschnitten: Veränderungen in der Ausgangslage haben Folgen für die Anlageempfehlung. Alle Vorschläge sind Momentaufnahmen.Abwägen zwischen Diversifikation und Kosten: Die Investition über mehrere Perioden und Produkte zu verteilen, glättet zwar das Einstiegsrisiko und diversifiziert das Portfolio, mit jeder Handelsaktivität steigen aber die Gebühren. The Market sucht deshalb einen Mittelweg. Ebenfalls aus Kostengründen werden hier nur passive Produkte vorgestellt.Auswahl von Exchange Traded Funds, ETF: Neben solchen mit niedrigen Kosten (Total Expense Ratio, TER) bevorzugt The Market in der Regel ETF, die physisch repliziert sind, keine Wertschriftenleihe betreiben und deren Fondsvolumen nicht zu klein und so der Handel nicht illiquid ist.Verzicht auf Obligationen: Oft werden zur Stabilisierung des Portfolios auf die mittlere Frist Anleihen beigemischt. Aus Sicht von The Market macht das im gegenwärtigen Umfeld mit einer Schweizer Perspektive wenig Sinn. Stattdessen wird die Cash-Quote erhöht.Inflation: Die erwartete Teuerung muss beim Erstellen des Budgets unbedingt einbezogen werden. In den folgenden Beispielen sind Angaben zu Ausgaben und Einnahmen inflationsbereinigt, respektive sie steigen zur Vereinfachung über die Zeit gleich stark. Vermögenswerte in Cash verlieren dagegen an Kaufkraft (2% pro Jahr).Berufseinsteiger (25) beginnt mit InvestierenArben hat soeben die Fachhochschule abgeschlossen und seine erste Stelle nach dem Bachelorstudium angetreten. Als Lebensmitteltechnologe verdient er im Jahr 70'000 Fr. netto. Die Ausgaben bestreitet er hauptsächlich allein, nur die Wohnung teilt er weiterhin mit zwei Freunden. So bleiben ihm monatlich mindestens 500 Fr., die er auf die Seite legen kann.In den kommenden Jahren will der 25-Jährige Berufserfahrung sammeln und hofft, damit auch etwas mehr zu verdienen. Sofern sein Arbeitgeber es zulässt, will er in drei bis vier Jahren einen Monat unbezahlten Urlaub nehmen, um durch Osteuropa zu reisen. Dafür rechnet er neben dem Lohnausfall von 6000 Fr. mit Ausgaben um 4000 Fr. Ausserordentliche Anschaffungen plant er keine.Da Arben bereits vor und während des Studiums Geld auf die Seite legen konnte und von seinem Grossvater einen Betrag zum 18. Geburtstag bekommen hat, reichen ihm seine Barreserven von 15'000 bis 18'000 Fr. als Sicherheitspolster für ungeplante Ereignisse auf dem Konto.Der Berufseinsteiger strebt langfristig eine hohe Rendite an, und angesichts der wenigen Verpflichtungen sind sowohl seine Risikofähigkeit als auch seine Bereitschaft, Schwankungen in Kauf zu nehmen, hoch.Zeithorizont und Ziele:Kurzfristig: 10'000 Fr. sparen.Langfristig: restliches Geld anlegen.Die Reise ist Arben wichtig. Damit das Geld reicht, legt er jeden Monat die Hälfte der 500 Fr. auf ein Sparkonto. Bei diesem kurzfristigen Zeithorizont lohnt es sich nicht, das Geld zu investieren und dadurch Preisschwankungen in Kauf zu nehmen. Zu gross ist das Risiko, dass er die Mittel just in einem schlechten Moment benötigt.Die andere Hälfte, sprich 250 Fr. pro Monat, kann er langfristig anlegen. Neben dem langen Zeithorizont sprechen seine hohe Risikotoleranz und die Renditeerwartung für eine Investition in Aktien. Bei relativ kleinen Beträgen empfiehlt es sich, quartalsweise und nur in wenige passive und dadurch günstige Instrumente wie ETF zu investieren, um die Handelskosten zu minimieren. Gleichzeitig senkt das periodische Investieren das Risiko, zum falschen Zeitpunkt zuzukaufen.Zudem ist Arben nicht auf einen Cashflow aus der Dividende angewiesen. Damit er die Ausschüttung nicht selbst reinvestieren muss, sollte er wenn möglich einen thesaurierenden ETF wählen, wo dies automatisch geschieht. Für Schweizer Aktien aus dem Swiss Performance Index (SPI) gibt es seit März 2025 einen entsprechenden ETF von UBS.Um breit zu investieren, empfiehlt sich ein globales Produkt. Dabei gibt es die Möglichkeit, auf den MSCI All Country World oder den MSCI World zu setzen. Beide umfassen mittlere und grosskapitalisierte Werte, Letzterer jedoch nur Aktien aus entwickelten Ländern. Mit dem iShares Core SPI ETF wird dem sogenannten Home Bias Rechnung getragen: Schweizer Anleger investieren mit Vorliebe in den Heimmarkt, der im Weltaktienindex nur wenig Gewicht hat.Berufstätige (32) sparen auf ein EigenheimBelinda und Barbara arbeiten beide bereits einige Jahre als Sekundarschullehrerin respektive als Teamleiterin in einem Medizinaltechnikunternehmen. Gemeinsam verdienen sie im Jahr 210'000 Fr. netto – ohne allfällige variable Vergütung. Diesen Sommer haben sie geheiratet und dabei auf eine Gütertrennung verzichtet. Ihr Geld zahlen die beiden Frauen auf ein gemeinsames Konto ein; dank ihrem sparsamen Lebensstil sparen sie so jedes Jahr 48'000 Fr.Vor dem vierzigsten Geburtstag wollen die 32-Jährigen eine eigene Wohnung oder noch lieber ein Haus auf dem Land kaufen. Sie rechnen damit, dann 350'000 Fr. Eigenkapital beisteuern zu müssen. Die Wohnkosten sänken dafür. Um den längeren Arbeitsweg zu bewältigen, wären sie aber auf ein Auto angewiesen. Dafür rechnen sie mit einer einmaligen Zahlung von 25'000 Fr. und einem Anstieg der jährlichen Ausgaben.Gemeinsam haben die beiden Frauen bereits 150'000 Fr. gespart. Obwohl sie relativ gut bezahlte Jobs haben, ist ihre Risikotoleranz unterdurchschnittlich. Sie fühlen sich mit einem Cash-Polster von durchschnittlich etwas mehr als drei Monatslöhnen, rund 60'000 Fr., wohl.Zeithorizont und Ziele:Mittelfristig: zusätzliche 225'000 Fr. sparen, um das Ziel von 375'000 Fr. zu erreichen.Langfristig: restliches Geld anlegen.Eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus ist der absolute Traum des Paares. Um sicherzustellen, dass das Geld dafür reicht, legen sie jeden Monat gut zwei Drittel des frei verfügbaren Einkommens zum bereits gesparten Vermögen. Zwar wäre der Zeithorizont genug lange, um auch diesen Betrag anzulegen, die beiden fühlen sich mit dem Cash aber wohler.Den Rest der monatlichen Ersparnis – knapp 1300 Fr. – investieren sie regelmässig. Da der Zeithorizont länger und die Risikotoleranz höher ist, empfiehlt sich eine Investition in Aktien respektive günstige Aktien-ETF. Der höhere Betrag als bei Arben macht es sinnvoll, etwas stärker zu diversifizieren. Der ETF auf den Weltaktienindex (ohne Schwellenländer) wird durch ein Engagement in aufstrebenden Volkswirtschaften ergänzt. Sowohl der FTSE Emerging Markets als auch der MSCI Emerging Markets haben ein hohes Gewicht in China. Wer das vermeiden will, kann in den iShares MSCI EM ex-China ETF investieren.Dank quartalsweisem Investieren bleiben die Kosten im Rahmen, gleichzeitig werden die Schwankungen geglättet. Auch Belinda und Barbara sind nicht auf Ausschüttungen angewiesen, weswegen sich thesaurierende ETF empfehlen.Erbender (45) will das Pensum reduzierenCem ist ausgebildeter Architekt. Seit der Trennung von seiner Partnerin vor fünf Jahren arbeitet er wieder 100% in einem Generalbauunternehmen. Sein Gehalt ist projektabhängig, beträgt im Schnitt aber rund 120'000 Fr. netto. Davon braucht er jährlich 110'000 Fr. um nicht nur sein Leben, sondern auch die Hälfte des Lebensunterhalts seiner 15-jährigen Tochter Carla zu finanzieren. Sie absolviert bald eine vierjährige Lehre zur Hochbauzeichnerin.Anfang Jahr ist der Vater von Cem überraschend gestorben, seine Mutter lebt schon länger nicht mehr. Zusammen mit seinem Bruder erbt er das elterliche Haus bei Aarau, in dem der Vater bisher noch das Wohnrecht hatte. Dessen restliche Ersparnisse gehen an den Aargauischen Tierschutzverein. Aus dem Verkauf winken netto bis zu 500'000 Fr. pro Sohn. Der 45-Jährige will den Geldsegen nutzen und sein Pensum während vier Jahren auf 80% reduzieren, um wieder mehr Zeit für seine Tochter zu haben. Dadurch würde sich sein Lohn auf rund 96'000 Fr. verringern. Zudem erwägt er, in den nächsten zwei bis drei Jahren eine betriebswirtschaftliche Weiterbildung zu machen. Sie kostet 25'000 Fr.Cem konnte bisher nur wenig Geld auf die Seite legen. Von seiner Mutter hat er 50'000 Fr. geerbt, die ihm zusammen mit derzeit rund 20'000 Fr. als finanzielle Sicherheit dienen. Weil sein Lohn schwankt und er die Verantwortung für seine Tochter trägt, fühlt er sich mit weniger flüssigen Mittel unwohl. Seine Risikotoleranz war bisher niedrig.Zeithorizont und ZieleKurzfristig: 25'000 Fr. aus dem Erbe auf die Seite legen für die Weiterbildung und ein Einnahmendefizit für vier Jahre zu je 14'000 Fr. decken. Insgesamt 81'000 Fr. respektive um Inflation bereinigt fast 83'000 Fr benötigt.Langfristig: 400'000 Fr. über mehrere Quartale anlegen.Da die Eltern mehr als 25 Jahre im Haus gelebt haben, fallen im Kanton Aargau lediglich 5% Grundstückgewinnsteuer an. Nach Abzug aller wertvermehrenden Investitionen vom erzielten Verkaufspreis zahlen Cem und sein Bruder wenige tausend Franken Steuern. Nach den Rücklagen für kurzfristige Ziele bleiben ihm 400'000 Fr. aus dem Erbe, die er anlegen kann.Zwar erhält Cem das Geld auf einen Schlag, investieren sollte er aber schrittweise und diversifiziert. Damit glättet er das Risiko eines schlechten Markttimings. Den Gesamtbetrag kann er über mindestens ein Jahr – zum Beispiel quartalsweise oder monatlich – in kostengünstige Produkte mit einer hohen Aktienquote anlegen. Sein Zeithorizont wie auch seine neue Risikotoleranz lassen dies zu. Mit ETF auf Europa und Japan bricht Cem das hohe US-Exposure im Weltaktienindex. Auch hier bieten sich thesaurierende ETF an.Wenn die Weiterbildung und die Lehre der Tochter abgeschlossen sind, wird sich die Einkommens- und Ausgabensituation nochmals deutlich verändern. Spätestens dann lohnt es sich, erneut über die Bücher zu gehen.Gutverdiener (55) bereitet sich auf vorzeitige Pension vorDaniel hat bei einem Gebäudetechnikunternehmen Karriere gemacht. Als Teamleiter verdient er heute 140'000 Fr. netto. Vor fünf Jahren hat er das Haus seiner Eltern übernommen und den Umbau aus dem Verkauf einer weiteren Wohnung finanziert. Seither lebt er kostengünstig im Stockwerkeigentum. Dafür frönt er gerne teuren Hobbys. So belaufen sich seine jährlichen Ausgaben auf 100'000 Fr.Mit Mitte fünfzig erwägt Daniel nun, sich in acht Jahren vorzeitig (teil-)pensionieren zu lassen. Um sein Vorsorgegeld in der Pensionskasse aufzubessern, will er noch möglichst viel Geld steuerbefreit in die zweite Säule einzahlen. Das ist bei einem allfälligen Kapitalbezug bis maximal drei Jahre vor der (vorzeitigen) Pensionierung möglich. Momentan hat er eine Lücke von 150'000 Fr. Zudem plant er, die AHV-Beiträge bis 65 weiterzuzahlen. Angesichts seines hohen Vermögens und Einkommens kostet ihn das 3604 Fr. im Jahr.Neben seiner Wohnung besitzt Daniel rund 200'000 Fr., die er auf Anraten des Bankberaters in einen ausgewogenen Multistrategiefonds mit hohen Gebühren investiert hat. Jährlich fällt eine Management Fee von 1,5% an, hinzu kommen Depotführungs- und Handelskosten. Auf dem Konto liegen zudem durchschnittlich gut 100'000 Fr. Sowohl seine Risikofähigkeit als auch -bereitschaft sind überdurchschnittlich.Kurzfristig: Lücke in der Pensionskasse schliessen. Insgesamt 150'000 Fr. benötigt.Mittelfristig: Überbrückung bis zum ordentlichen Pensionsalter und Weiterzahlung AHV-Beiträge aus einem Teil des Vermögens. Insgesamt 220'000 Fr. benötigt.Langfristig: restliches Geld als private Vorsorge anlegen.Als Erstes sollte Daniel den teuren Multistrategiefonds verkaufen: Die hohen laufenden Kosten solcher Wertschriften rechnen sich in der Regel nicht. Angesichts seiner finanziellen Situation (inklusive Wohneigentum) reicht dem Alleinstehenden wohl ein Cash-Polster von ca. 50'000 Fr. Das freie Vermögen beläuft sich jetzt auf 250'000 Fr. 150'000 Fr. davon sollen die Pensionskasse aufbessern. Es bleiben fünf Jahre Zeit, zusätzliche Einkäufe vorzunehmen. Sie sind von der Einkommenssteuer absetzbar, und um die Progression zu brechen, bietet sich etwa eine jährliche Zahlung von 30'000 Fr. an.So bleiben Daniel 100'000 Fr., die er investieren kann. Ebenso rund 100'000 Fr. aus dem Einnahmenüberschuss der kommenden Jahre von insgesamt achtmal 40'000 Fr. Denn aus diesen insgesamt 320’000 Fr. sollte er 220’000 Fr. zur Überbrückung der Jahre zwischen 63 und 65 auf die Seite legen.Angesichts des langen Zeithorizonts von mehr als acht Jahren, bis er die Mittel frühestens braucht, und seiner hohen Risikotoleranz kann Daniel in den ersten zweieinhalb Jahren die insgesamt 200'000 Fr. aus Einkommen und Vermögen monatlich in thesaurierende ETF investieren und erst dann mit dem Sparen beginnen. Das verbessert den Zinseszinseffekt, und auch hier gilt die Annahme, dass das Einkommen mindestens mit der Teuerung zunimmt. Dabei könnte er zunächst ähnlich wie Cem lediglich in Aktien investieren und bei seiner Pensionierung die Aktienquote anpassen.Es gibt aber noch eine längerfristige Option. Auch wenn sich Daniel mit seinem hohen heutigen Einkommen in einer äusserst komfortablen Situation befindet: Es lohnt sich, bereits weiter vorauszublicken und die Weichen schon ein paar Jahre vor der Pensionierung richtig zu stellen. Das spart sowohl Kosten als auch Steuern, und es gibt Entscheide wie den Pensionskasseneinkauf, die im Nachhinein nicht mehr angepasst werden können. Vor allem aber bringt es das Portfolio bereits in Einklang mit der längerfristigen Zielsetzung.Mit der Frühpensionierung in acht Jahren hat Daniel die Möglichkeit, das Pensionskassenkapital teilweise zu beziehen und/oder sich eine Rente auszahlen zu lassen. Wählt er den Kapitalbezug, geht sein Einkommen und damit seine Risikotoleranz spürbar zurück. Er wird teilweise von seinem Angesparten leben müssen und ist deshalb auf eine relativ stabile Vermögensentwicklung angewiesen.Um dieses Ziel zu erreichen, kann er entweder neben der hohen Aktienquote mehr liquide Mittel halten. Oder aber er investiert nicht nur monatlich in Aktien-ETF, sondern mischt zum Beispiel solche auf Edelmetalle bei. Eine ausgewogene Strategie verfolgt beispielsweise die The Market Asset Allocation. Anleger können sich bei der Zusammenstellung des eigenen Portfolios daran orientieren.Wichtig: Allfällige angesparte 3a-Vorsorgevermögen müssen erst mit dem ordentlichen Pensionsalter ausgezahlt werden. Dadurch kann man die Auszahlung des Kapitals aus zweiter und dritter Säule steuergünstig staffeln. Was angehende Pensionäre sonst beachten müssen, zeigt das nächste Beispiel.Angehende Rentnerin (64) plant einen KapitalbezugElena wird bald pensioniert. Als Kommunikationschefin eines mittelgrossen Industrieunternehmens verdient sie heute noch 130'000 Fr. netto im Jahr – ohne variable Vergütung. Den Haushalt teilt sie mit ihrem Partner, die gemeinsamen Kinder sind schon vor einer Weile ausgezogen. Da sie mehr verdient als er, übernimmt sie vertraglich geregelt mit 90'000 Fr. einen grösseren Teil der gemeinsamen Ausgaben.Die 64-Jährige will noch ein Jahr weiterarbeiten und dann das Pensionskassenvermögen in Höhe von 1,4 Mio. Fr. als Kapital beziehen. Darauf zahlt sie in ihrer Gemeinde Wil im Kanton St. Gallen eine einmalige Steuer von 110'000 Fr. Die Sätze variieren je nach Wohnort stark. Unverheiratet und dank Erziehungsgutschriften hat Elena Anrecht auf eine volle AHV-Rente. Wenn sie diese erst mit 65 Jahren bezieht, steigt sie um 5,2% auf 30'171 Fr. im Jahr. Weil das Einkommen insgesamt stark sinkt, wird die Pensionärin darauf weniger, auf Vermögen und allfällige Ausschüttungen aber mehr Steuern zahlen. Insgesamt bleibt die Belastung in etwa gleich. Die Ausgaben teilen sie und ihr Partner sich künftig hälftig (je 70'000 Fr. im Jahr).Bereits bezogen hat sie die Hälfte ihres in der dritten Säule angesparten Vermögens von 200’000 Fr., die Auszahlung des zweiten Vorsorgekontos steht kurz bevor. Diese Staffelung des Kapitalbezugs ist wichtig, damit die Steuerprogression gebrochen wird; bis zu einem Guthaben von 100'000 Fr. ist sie in vielen Kantonen gering. In Wil zahlt Elena darauf Steuern in Höhe von gesamthaft 12'000 Fr. 3a-Vorsorgegelder können bis zu fünf Jahre vor Erreichen des Pensionsalters ausgezahlt werden. Der Kapitalbezug wird unabhängig vom übrigen Einkommen mit einem niedrigeren Steuersatz besteuert.Die entstehende Einkommenslücke von 40'000 Fr. im Jahr wird fortan und für den Rest der Lebenszeit aus dem Verzehr des bis dahin privat gesparten Vermögens (heute 300’000 Fr.) und dem ausgezahlten Vorsorgekapital (zweite und dritte Säule) in Höhe von knapp 1,5 Mio. Fr. nach Steuern sowie dem Ertrag darauf finanziert. Da Elena nur noch ein kleines festes Einkommen hat, sinkt ihre Risikotoleranz beträchtlich.Zeithorizont und ZieleKurzfristig: Einnahmendefizit von 40'000 Fr. jährlich decken. Insgesamt 160'000 Fr. respektive 165'000 Fr. benötigt.Mittelfristig: Einnahmendefizit von 40'000 Fr. jährlich decken. Insgesamt 160'000 Fr. respektive 178'500 Fr. benötigt (Inflation!).Langfristig: restliches Geld anlegen.Aus dem akkumulierten Vermögen von insgesamt 1,63 Mio. Fr. legt Elena 165'000 Fr. auf die Seite. Mit diesen Mitteln wird sie in den kommenden vier Jahren ihren Lebensunterhalt (inklusive Teuerung) mehrheitlich bestreiten. Es ist deshalb wichtig, dass das Liquiditätspolster regelmässig – zum Beispiel monatlich – aus dem übrigen Vermögen aufgestockt wird. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten.Variante 1: Topfsystem. Elena investiert Geld für die mittlere Frist über mehrere Quartale in ein robustes, kostengünstiges Portfolio wie die The Market Asset Allocation. Sie braucht in vier bis acht Jahren aus diesem Topf 178'500 Fr. Da sie periodisch Geld in die liquiden Mittel überführen muss, startet sie bereits mit diesem Betrag. Das restliche Vermögen hat einen Anlagehorizont von mehr als acht Jahren und wird ebenfalls sukzessive und nicht auf einen Schlag in thesaurierende, kostengünstige Aktien-ETF angelegt.Variante 2: Dividendenstrategie. Um das Einnahmendefizit von 40'000 Fr. im Jahr zu decken, muss das Vermögen von Elena eine Rendite nach Gebühren von 2,45% plus Inflation (über 25 Jahre durchschnittlich 3,3% auf 1,63 Mio. Fr.) abwerfen. Die Steuern sind bereits in den jährlichen Ausgaben eingerechnet. Mit einer Dividendenstrategie ist dies grundsätzlich möglich.Auch hierzu bietet The Market mit dem Dividend Opportunities Portfolio eine Vorlage. Ebenso empfiehlt sich ein kostengünstiger, ausschüttender Dividenden-ETF.Dieser Artikel ist erstmals am 8. September 2022 erschienen. Aufgrund des grossen Leserinteresses haben wir ihn aktualisiert und erneut publiziert.