Ein neuer Fall von «Rentenklau»? Die Finanzmarktaufsicht nimmt die Versicherung Zurich unter die LupeDie Sammelstiftung Vita der Zurich muss sich einem Prüfverfahren stellen. Womöglich hat sie zulasten der Versicherten überhöhte Kosten abgerechnet. Der Fall könnte die gesamte berufliche Vorsorge tangieren.27.07.2026, 14.52 Uhr3 LeseminutenHauptgebäude der Versicherung Zurich Schweiz: Die Finanzmarktaufsicht prüft, ob die verrechneten Kosten in der beruflichen Vorsorge marktgerecht waren.Ennio Leanza / KeystoneDie Sammelstiftungen verwalten riesige Summen an Geld und stehen dennoch kaum je im Fokus der Öffentlichkeit. Geschätzte 600 Milliarden Franken an Alterskapital sind diesen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge unterstellt. Mehr als jeder zweite Erwerbstätige ist einer Sammelstiftung angeschlossen. Ihr Geschäft ist in den letzten Jahren stark gewachsen, weil immer mehr Firmen ihre eigene Pensionskasse aufgegeben und sich stattdessen einer gemeinsamen Vorsorgeeinrichtung angeschlossen haben.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun allerdings ist Feuer im Dach der Sammelstiftungen. Der Grund ist ein Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht (Finma) gegen die Versicherung Zurich. Es handelt sich dabei um das schärfste Instrument, um Anbieter auf dem Finanzplatz zu sanktionieren. Die Zeitung «Sonntagsblick» hatte als erstes über die laufende Untersuchung berichtet. Weder die Finma noch die Zurich nehmen dazu Stellung.Durchgesickert ist indes, dass es dabei um die Sammelstiftung Vita geht. Diese gehört mit 150 000 versicherten Berufstätigen und 22 000 angeschlossenen Betrieben zu den grössten Vorsorgestiftungen. Das verwaltete Alterskapital beläuft sich auf 22 Milliarden Franken. Wie in solchen Fällen üblich hat die Finma für das Verfahren einen externen Untersuchungsbeauftragten eingesetzt, dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um die Beratungsfirma Deloitte.Die Kosten als PolitikumPikant ist das Enforcement-Verfahren vor allem vor dem Hintergrund der sogenannten Rentenklau-Debatte. Die Gewerkschaften hatten die berufliche Vorsorge verschiedentlich dafür kritisiert, manche Anbieter wie Versicherungen oder Pensionskassenberater würden für ihre Leistungen überhöhte Gebühren kassieren, welche zulasten der Versicherten gingen. Namentlich die frühere Rentenanstalt (heute Swiss Life) geriet unter Beschuss, als sich führende Manager über eine umstrittene private Anlagegesellschaft bereichert hatten.Allerdings haben die Sammelstiftungen die Transparenz verbessert und ihre Professionalität erhöht, um mögliche Interessenkonflikte zu verhindern. Sie sind überdies den kantonalen BVG- und Stiftungsaufsichten unterstellt, welche deren Tätigkeit kontrollieren.Die Finma kommt erst dann zum Zug, wenn eine Sammelstiftung externe Dienstleistungen beansprucht. Dies ist primär bei der Anlage der Vorsorgegelder sowie bei der Abdeckung der Risiken Tod und Invalidität der Fall. Zu vermuten ist deshalb, dass es bei dem Enforcement-Verfahren um diese Schnittstelle geht. Womöglich wurden die Kosten für das Management dieser Risiken nicht marktgerecht abgegolten. Ein Verdikt der Finma könnte daher auch für die übrigen Sammelstiftungen weitreichende Konsequenzen haben – allenfalls müssten auch weitere Anbieter ihre Verrechnungspraxis revidieren.Laut dem jüngsten Pensionskassenvergleich des Versicherungsbrokers rangiert die Vita Sammelstiftung mit ihrer Performance im Mittelfeld. Über die letzten zehn Jahre erzielte sie eine durchschnittliche jährliche Rendite von 3,6 Prozent. Bei den ausgewiesenen Kosten liegt Vita am oberen Rand.Zurich hat bereits reagiertDer Versicherung Zurich war ein Vorreiter in der beruflichen Vorsorge. Im Jahr 2003 hatte sie die Vita als erste teilautonome Stiftung der Schweiz gegründet. Im Gegensatz zu den damals vorherrschenden Vollversicherungen schuf sie die garantierten Zinsen ab und überwälzte einen Teil der Risiken auf die Versicherten. Dafür aber konnte sie stärker in Aktien investieren und erzielte auf lange Frist dank der guten Börsenentwicklung deutlich höhere Erträge. So haben Vollversicherungen mit einer umfassenden Kapitalgarantie im letzten Jahrzehnt lediglich eine jährliche Rendite von gut 1 Prozent erzielt.Diesen Frühling nun hat die Zurich bekanntgegeben, dass sie mit der Vita einen Schritt weitergeht und diese von einer teilautonomen in eine autonome Stiftung umwandelt. Ab 2028 soll die Vita die Risiken Tod und Invalidität, die sie bis jetzt an die Zurich ausgelagert hatte, selbst tragen. Das Mandat für den Vertrieb und die Verwaltung der Sammelstiftung soll dagegen bei der Versicherung bleiben.Es wäre plausibel, dass dieser Schritt durch das Enforcement-Verfahren der Finma ausgelöst wurde. Praktisch zeitgleich verliess zudem der langjährige CEO von Zurich Schweiz, Juan Beer, überraschend das Unternehmen. Involvierte berichten ebenso von weiteren Abgängen in der betroffenen Firmeneinheit.Handelt es sich bei dem Enforcement-Verfahren primär um ein spezifisches Problem der Zurich? Oder müssen auch andere Sammelstiftungen und Versicherer über die Bücher und allenfalls ihre Kostenberechnungen anpassen? Die Ergebnisse der Finma werden in der Branche mit Spannung erwartet.Passend zum Artikel