Wenn es daheim nicht läuft, lohnt es sich manchmal, Abstand zu gewinnen. So wie Audi-Chef Gernot Döllner am vergangenen Wochenende: Da war der Manager in Ungarn und sah zu, wie Nico Hülkenberg seine ersten Weltmeisterschaftspunkte für Audi in der Formel 1 einfuhr. Das Werks-Team schob sich damit auf Rang acht in der Konstrukteurswertung, ein schöner Erfolg in der ersten Saison. So was erlebt Döllner sonst gerade eher selten.Am Montag schon holte den Audi-Chef dann die triste Realität daheim wieder ein. Mit einem Umsatz von insgesamt nur noch 58 bis 63 Milliarden Euro rechnen Döllner und seine Leute in diesem Jahr, teilte Audi am Montag mit – im April hatte die Prognose noch fünf Milliarden Euro höher gelegen. Auch die Marge dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen. Und selbst davon sind sie in Ingolstadt bisher noch ein gutes Stück entfernt: Im ersten Halbjahr legte die operative Rendite zwar zu, erreichte aber nur 3,8 Prozent. Der Betriebsgewinn stieg deshalb entgegen dem sonstigen Trend leicht auf gut 1,1 Milliarden Euro.Das hatte neben ersten Erfolgen beim Sparen vor allem mit weniger negativen Effekten als im Vorjahr zu tun, geringeren Rückstellungen etwa und gesunkenen Kosten für Restrukturierung. Das Minus beim Gewinn fiel damit im Vergleich niedriger aus, als der Einbruch um rund ein Drittel, den die Konzernmutter Volkswagen für das zweite Quartal gemeldet hatte. „Audi ist ein zentraler Baustein des Konzerns – und Teil der Lösung“, sagte Döllner nun. Die Ergebnisse zeigten, dass die strikte Kostendisziplin wirke. „Aber sie reichen nicht aus“, mahnte Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger.China ist das größte Problem – und längst nicht das einzigeDenn vor allem vom einst so lukrativen China-Geschäft bleibt immer weniger übrig: Um fast ein Fünftel sanken die Verkäufe dort binnen eines Jahres auf nun noch gut 230 000 Autos. Die Volksrepublik, die man in Ingolstadt früher gern den „zweiten Heimatmarkt“ nannte, ist damit inzwischen das größte Problem – und längst nicht das einzige. In den USA verzeichnete Audi bei insgesamt geringeren Verkäufen anteilig ein ähnlich hohes Minus. Einzig in Europa steigen die Verkäufe und rund fünf Prozent, viel zu wenig, um den Absturz aufzuhalten. Insgesamt brachen die Verkäufe damit im ersten Halbjahr um mehr als sieben Prozent ein, auf nun noch knapp 730 000 Fahrzeuge. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es im selben Zeitraum noch fast eine Million Autos. Und der Umsatz fiel mit einem Minus von mehr als zehn Prozent noch einmal deutlich stärker.Volkswagen in der Krise:„VW erlebt gerade seinen Nokia-Moment“Europas größter Autohersteller steckt in einer existenziellen Krise: Er verkauft immer weniger Fahrzeuge, der Gewinn bricht weiter ein. Sogar VW-Chef Blume spricht von einem „nie da gewesenen Risikoszenario“. Und Beobachter werden noch deutlicher.Eine weitere Baustelle bleibt die Elektromobilität. Zwar rechnen Beobachter damit, dass in diesem Jahr sowohl die Zahl der verkauften E-Autos als auch deren Marktanteil wachsen wird. Bei Audi und den viel kleineren und noch weniger elektrischen Schwestermarken Bentley und Lamborghini allerdings kommt davon bisher nichts an: So bleib der Anteil der verkauften Stromer zwar mit knapp 13 Prozent in etwa stabil – was allerdings auch heißt, dass die Verkäufe in absoluten Zahlen sanken. Das dürfte auch daran liegen, dass das Angebot an modernen Elektro-Audis nach wie vor kleiner ist als bei der Konkurrenz. Während beispielsweise bei Mercedes mit der C-Klasse und bei BMW mit dem i3 gerade die Serienfertigung der neuesten Mittelklasse-Stromer anläuft, wird es einen neuen A4 nach derzeitiger Planung wohl erst übernächstes Jahr geben. Im krisengeschüttelten VW-Konzern eine lange, unsichere Zeit.„Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren“Immerhin könnte sich einem Bericht zufolge eine Lösung für die Zukunft des Audi-Werks im schwäbischen Neckarsulm abzeichnen: So könnte die Produktionskapazität von derzeit 225 000 auf rund 150 000 Autos pro Jahr sinken, im Gegenzug könnte der Standort erhalten bleiben, auch wenn dort die Produktion der bisherigen Verbrenner-Modelle ausläuft, meldete das Handelsblatt. Eine Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren“, sagte Rittersberger aber.Zuvor hatte eine Spar-Liste des VW-Vorstands um Konzernchef Oliver Blume für Aufregung gesorgt. Demnach könnte neben den Volkswagen-Werken in Zwickau, Emden und Hannover eben auch Neckarsulm in den 2030er-Jahren zur Disposition stehen, weil sie nichts mehr zu tun bekämen.Ein Beispiel, wie weitere Einschnitte auch ohne Werksschließungen funktionieren könnten, hatte zuletzt Porsche geliefert: Bei der ebenfalls krisengebeutelten Sportwagen-Tochter des VW-Konzerns sollen demnach noch einmal 5000 Stellen wegfallen, zusätzlich zu den 3900 Jobs, deren Abbau bereits in einem ersten Sparpaket Anfang 2025 vereinbart worden war. So will das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Milliarden-Betrag einsparen. Im Gegenzug soll die Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte, die bisher 2030 ausläuft, bis ins Jahr 2035 verlängert werden. Auch tarifliche Einschnitte soll es nicht geben.
Audi kappt die Prognose – und macht dem Werk Neckarsulm Hoffnung
Wenn es daheim nicht läuft, lohnt es sich manchmal, Abstand zu gewinnen. So wie Audi-Chef Gernot Döllner am vergangenen Wochenende: Da war der Manager in Ungarn und sah zu, wie Nico Hülkenberg seine ersten Weltmeisterschaftspunkte für Audi in der Formel 1 einfuhr. Das Werks-Team schob sich damit auf Rang acht in der Konstrukteurswertung, ein schöner Erfolg in der ersten Saison. So was erlebt Döllner sonst gerade eher selten.Am Montag schon holte den Audi-Chef dann die triste Realität daheim wieder ein. Mit einem Umsatz von insgesamt nur noch 58 bis 63 Milliarden Euro rechnen Döllner und seine Leute in diesem Jahr, teilte Audi am Montag mit – im April hatte die Prognose noch fünf Milliarden Euro höher gelegen. Auch die Marge dürfte mit fünf bis sieben Prozent um einen Prozentpunkt niedriger ausfallen als bislang angenommen. Und selbst davon sind sie in Ingolstadt bisher noch ein gutes Stück entfernt: Im ersten Halbjahr legte die operative Rendite zwar zu, erreichte aber nur 3,8 Prozent. Der Betriebsgewinn stieg deshalb entgegen dem sonstigen Trend leicht auf gut 1,1 Milliarden Euro.Das hatte neben ersten Erfolgen beim Sparen vor allem mit weniger negativen Effekten als im Vorjahr zu tun, geringeren Rückstellungen etwa und gesunkenen Kosten für Restrukturierung. Das Minus beim Gewinn fiel damit im Vergleich niedriger aus, als der Einbruch um rund ein Drittel, den die Konzernmutter Volkswagen für das zweite Quartal gemeldet hatte. „Audi ist ein zentraler Baustein des Konzerns – und Teil der Lösung“, sagte Döllner nun. Die Ergebnisse zeigten, dass die strikte Kostendisziplin wirke. „Aber sie reichen nicht aus“, mahnte Audi-Finanzchef Jürgen Rittersberger.China ist das größte Problem – und längst nicht das einzigeDenn vor allem vom einst so lukrativen China-Geschäft bleibt immer weniger übrig: Um fast ein Fünftel sanken die Verkäufe dort binnen eines Jahres auf nun noch gut 230 000 Autos. Die Volksrepublik, die man in Ingolstadt früher gern den „zweiten Heimatmarkt“ nannte, ist damit inzwischen das größte Problem – und längst nicht das einzige. In den USA verzeichnete Audi bei insgesamt geringeren Verkäufen anteilig ein ähnlich hohes Minus. Einzig in Europa steigen die Verkäufe und rund fünf Prozent, viel zu wenig, um den Absturz aufzuhalten. Insgesamt brachen die Verkäufe damit im ersten Halbjahr um mehr als sieben Prozent ein, auf nun noch knapp 730 000 Fahrzeuge. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es im selben Zeitraum noch fast eine Million Autos. Und der Umsatz fiel mit einem Minus von mehr als zehn Prozent noch einmal deutlich stärker.Volkswagen in der Krise:„VW erlebt gerade seinen Nokia-Moment“Europas größter Autohersteller steckt in einer existenziellen Krise: Er verkauft immer weniger Fahrzeuge, der Gewinn bricht weiter ein. Sogar VW-Chef Blume spricht von einem „nie da gewesenen Risikoszenario“. Und Beobachter werden noch deutlicher.Eine weitere Baustelle bleibt die Elektromobilität. Zwar rechnen Beobachter damit, dass in diesem Jahr sowohl die Zahl der verkauften E-Autos als auch deren Marktanteil wachsen wird. Bei Audi und den viel kleineren und noch weniger elektrischen Schwestermarken Bentley und Lamborghini allerdings kommt davon bisher nichts an: So bleib der Anteil der verkauften Stromer zwar mit knapp 13 Prozent in etwa stabil – was allerdings auch heißt, dass die Verkäufe in absoluten Zahlen sanken. Das dürfte auch daran liegen, dass das Angebot an modernen Elektro-Audis nach wie vor kleiner ist als bei der Konkurrenz. Während beispielsweise bei Mercedes mit der C-Klasse und bei BMW mit dem i3 gerade die Serienfertigung der neuesten Mittelklasse-Stromer anläuft, wird es einen neuen A4 nach derzeitiger Planung wohl erst übernächstes Jahr geben. Im krisengeschüttelten VW-Konzern eine lange, unsichere Zeit.„Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren“Immerhin könnte sich einem Bericht zufolge eine Lösung für die Zukunft des Audi-Werks im schwäbischen Neckarsulm abzeichnen: So könnte die Produktionskapazität von derzeit 225 000 auf rund 150 000 Autos pro Jahr sinken, im Gegenzug könnte der Standort erhalten bleiben, auch wenn dort die Produktion der bisherigen Verbrenner-Modelle ausläuft, meldete das Handelsblatt. Eine Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren“, sagte Rittersberger aber.Zuvor hatte eine Spar-Liste des VW-Vorstands um Konzernchef Oliver Blume für Aufregung gesorgt. Demnach könnte neben den Volkswagen-Werken in Zwickau, Emden und Hannover eben auch Neckarsulm in den 2030er-Jahren zur Disposition stehen, weil sie nichts mehr zu tun bekämen.Ein Beispiel, wie weitere Einschnitte auch ohne Werksschließungen funktionieren könnten, hatte zuletzt Porsche geliefert: Bei der ebenfalls krisengebeutelten Sportwagen-Tochter des VW-Konzerns sollen demnach noch einmal 5000 Stellen wegfallen, zusätzlich zu den 3900 Jobs, deren Abbau bereits in einem ersten Sparpaket Anfang 2025 vereinbart worden war. So will das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Milliarden-Betrag einsparen. Im Gegenzug soll die Beschäftigungssicherung für die deutschen Standorte, die bisher 2030 ausläuft, bis ins Jahr 2035 verlängert werden. Auch tarifliche Einschnitte soll es nicht geben.














