Das Audi-Werk in Neckarsulm Neckarsulm Foto: imago images/Steve BauerschmidtAudi-Finanzchef Jürgen Rittersberger gab sich bei der heutigen Vorstellung der Halbjahreszahlen erstaunlich optimistisch. Die eingeleiteten Sparmaßnahmen zeigten Wirkung, reichten aber noch nicht aus, sagte er. Beim anstehenden Sparkurs werde es kein Gegeneinander der Werke Ingolstadt und Neckarsulm geben, versprach er: „Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern. Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“Das Werk in Neckarsulm hat über das Jahr 2030 hinaus bislang keine Perspektive. In der Fabrik können jährlich 225.000 Fahrzeuge gebaut werden. Das sind rund 75.000 weniger als noch vor wenigen Jahren. An diesem Standort laufen derzeit nur Verbrennerfahrzeuge vom Band. Laut Rittersberger ist schon beschlossen, die Nachtschicht in dem Werk zu streichen: „Wir sind kontinuierlich dabei, die Kapazitäten auf die Marktlage anzupassen.“Das klingt nach: Wir haben die Lage unter Kontrolle. Nachtschicht weg, dies weg, das weg – und schon ist alles im Lot. Doch wer das sagt, muss ehrlicherweise auch sagen, wo die Grenzen solcher Anpassungen liegen. Wie das „Handelsblatt“ heute berichtet, könnte die Produktion von 225.000 Autos schrittweise auf 150.000 Einheiten reduziert werden. Damit würde die Kapazität des Standorts im Vergleich zu 2019 halbiert. Vor sieben Jahren hatte Audi die jährliche Kapazität der Fabrik von 300.000 auf 225.000 Einheiten abgesenkt.Volkswagen Der Kampf zwischen den VW-Marken hat begonnen Der VW-Vorstand hat ein massives Sparprogramm vorgelegt, um die Existenz des Autobauers zu sichern. Nun bricht unter den Marken und im Konzern ein Machtkampf aus. von Philip Kaleta, Martin Seiwert, Annina Reimann und weiterenSo geht KaputtsparenMan spart durch solche Absenkungen mittel- bis langfristig bei den Löhnen, bei der Energie, bei anderen Betriebskosten – aber etwa kaum bei den Flächen, den eingesetzten Maschinen, den Kosten für die Verwaltung des Standorts. Je weniger Autos in der Fabrik gebaut werden, umso mehr lasten dann diese Kosten auf jedem einzelnen Fahrzeug – die Produktion in Neckarsulm würde wohl endgültig unprofitabel.Autofabriken, die in einer Krise sind, bauen nur 150.000 Autos im Jahr und gelten oft als existenzgefährdet (angeblich die Lage im Tesla-Werk Grünheide im vergangenen Jahr). In Fabriken, die gut laufen und profitable Autos hervorbringen, werden jedes Jahr 300.000 Autos oder mehr produziert (Tesla-Ziel für Grünheide im laufenden Jahr).150.000 Autos pro Jahr wären deshalb für Neckarsulm wohl keine Lösung, sondern ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Schließung. Man ließe das Werk langsam auslaufen – weil eine schnelle Abwicklung aufgrund der anfallenden Abfindungen noch teurer werden würde.