Wer in München nach Feierabend einen Parkplatz sucht, braucht oft Geduld, nicht nur in zentrumsnahen Gegenden. Dabei stehen nachts vor Supermärkten jede Menge Parkplätze ungenutzt leer. Wer trotzdem dort länger parkt, riskiert teils saftige Geldstrafen.Der Discounter Aldi Süd und das Münchner Technologieunternehmen Wemolo machen in München nun Supermarktparkplätze nach Ladenschluss digital buchbar. An sechs Aldi-Filialen können Anwohner jetzt insgesamt 81 bestehende Stellplätze abends, nachts und sonntags nutzen. Die Standorte liegen in Berg am Laim, Trudering, Neuperlach, Feldmoching-Hasenbergl, Hadern und Freimann. Umsonst ist das Parken allerdings nicht: Eine Nacht kostet fünf Euro Parkgebühr, ein Wochenticket 25 und ein Monatsticket 50 Euro.Das funktioniert so: Tagsüber stehen die Aldi-Parkplätze der Kundschaft zur Verfügung, nach Ladenschluss werden sie digital freigegeben. Die Buchung erfolgt über eine Web-App unter go.wemolo.com/lots oder über QR-Codes an den Filialen. Eine eigene App müssen die Kunden nicht installieren.Die Nutzer müssen bei der Buchung ihr Kennzeichen hinterlegen. Auf dem Parkplatz erfassen dann Kameras das Kennzeichen und das System gleicht automatisch ab, ob das Fahrzeug im gebuchten Zeitraum parkberechtigt ist. Sofern kein Verstoß vorliegt, werden die Daten binnen 24 Stunden gelöscht, versichert das Unternehmen.Bevor die Buchung abläuft, erinnert das System per E-Mail und in der Web-App daran. Nutzbar sind die Stellplätze von Montag bis Samstag, jeweils von 18.30 bis 8.30 Uhr sowie sonntags ganztägig.Zunächst handle es sich um ein Pilotprojekt, wie ein Sprecher von Wemolo erklärt. Man beobachte, wie das Angebot angenommen wird, dann könnten noch weitere Standorte folgen.Dass Parkplätze von Supermärkten nachts genutzt werden dürfen, ist nicht neu. In München arbeitet Wemolo unter anderem mit Netto und Edeka zusammen, insgesamt ist die Firma in München für zwölf weitere digital bewirtschaftete Parkflächen zuständig. Zusammen mit den neuen Stellplätzen von Aldi sind es insgesamt 415 buchbare Parkplätze. In anderen Städten wie Hamburg und Düsseldorf hat zum Beispiel auch Lidl seine Parkplätze fürs Feierabendparken testweise freigegeben. Ob so etwas auch in München geplant ist, dazu äußert sich Lidl nicht.Händler und andere Besitzer von Parkflächen arbeiten in München und anderen Städten auch mit anderen Dienstleistern zusammen, etwa mit dem Kölner Unternehmen Ampido oder der Stuttgarter Firma Apcoa, die in München Stellplätze in Parkhäusern anbietet.Wemolo ist ein Münchner Unternehmen und bietet nicht nur Feierabendparken auf Supermarktparkplätzen, sondern generell digitale, schrankenfreie Parksysteme an, die mit KI-gestützter Kennzeichenerkennung arbeiten. Unter anderem hat Wemolo drei große Parkhäuser in Garching gezielt für Fußballfans und Konzertbesucher in der Fröttmaninger Arena mit der digitalen Technik ausgestattet und geöffnet. Auch in einem Parkhaus im Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach hat das Unternehmen Parkflächen digitalisiert, seither können dort Anwohner über Nacht Stellplätze buchen.Bisher war das Parken vor der Aldi-Filiale nur während der Geschäftszeiten erlaubt. Robert HaasWie viel Potenzial für weitere ungenutzte private Parkplätze in München noch besteht, will Wemolo noch genauer analysieren. Nach Einschätzung des Unternehmens soll es im Münchner Stadtgebiet mehr als 500 private Parkflächen geben, die grundsätzlich für eine Mehrfachnutzung infrage kämen. Diese Größenordnung beschränke sich aber nicht auf Handelsparkplätze, sondern umfasse auch private Flächen an Büro-, Hotel- oder Gesundheitsimmobilien, teilt das Unternehmen mit.Ganz so einfach ist es übrigens nicht, private Parkplätze nachts zu öffnen. Denn wer einen Parkplatz anbietet, der hat auch die Verkehrssicherungspflicht und die damit verbundene Haftung. Das verursacht Kosten. Wenn etwa im Winter der Schnee nicht ordentlich geräumt wird und sich deshalb jemand verletzt, kann es für die Betreiber teuer werden. Bei den sechs Aldi-Standorten sorgt Wemolo für die Sicherheit und beauftragt bei Bedarf entsprechende Dienstleister, beispielsweise für den Winterdienst. Bei den anderen Standorten gibt es nach Auskunft von Wemolo jeweils individuelle Vereinbarungen für die Verkehrssicherung.