PfadnavigationHomePanoramaWaldbrände in EuropaFeuer erreicht den Großraum Bordeaux – Innenminister will „alles tun“, um die Stadt zu schützenStand: 22:09 UhrLesedauer: 6 MinutenDie Brände in Frankreich und Spanien nehmen dramatische Ausmaße an. Warum die Feuer momentan kaum zu kontrollieren sind, erklärt Jan Südmersen, Experte für Vegetationsbrände, im Interview mit WELT TV.Die Lage in Südwesteuropa spitzt sich dramatisch zu. Mehrere Hunderttausend Menschen wurden in Frankreich und Spanien evakuiert. Auch in Italien wüten Brände. Der Zivilschutz in Kalabrien geht von Brandstiftung mit „unmenschlichen Methoden“ aus. Ein Überblick.Mehrere Hunderttausend Menschen sind in Frankreich und Spanien vor Waldbränden in Sicherheit gebracht worden. Im Südwesten Frankreichs haben die anhaltenden Brände eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte des Landes ausgelöst. Im Département Gironde wurden nach Behördenangaben weit mehr als 220.000 Menschen evakuiert. Auch in Spanien mussten nach Regierungsangaben inzwischen knapp 60.000 Menschen ihre Häuser verlassen.So ist die Lage in FrankreichWo die Feuer wüten: Der Waldbrand im Großraum Bordeaux im Südwesten Frankreichs spitzt sich zu. Das Feuer ist nach Angaben von Bürgermeister Thomas Cazenave inzwischen rund 15 Kilometer von der Metropole entfernt. Er sagte nach Angaben der Regionalzeitung „L'Indépendant“, die Einwohnerinnen und Einwohner von Bordeaux bereiteten sich derzeit nicht auf eine Evakuierung vor. Zugleich betonte er, die Stadt sei darauf vorbereitet, auf jede mögliche Entwicklung zu reagieren. Nach Angaben der Behörden wurden seit Mittwoch in der Gironde, dem Verwaltungsbezirk rund um Bordeaux, rund 220.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Der größte Waldbrand der Region hat inzwischen rund 42.000 Hektar Wald und Buschland zerstört.Der Brand bleibt schwer kontrollierbar. In der Nacht sei das Feuer in der Gironde wieder „äußerst heftig und unberechenbar“ geworden, erklärte Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez auf der Plattform X. Die Flammen hätten eigene Winde erzeugt und sich in Richtung des Großraums Bordeaux bewegt. Zeitweise entwickelte sich ein sogenannter Pyrocumulonimbus - eine gewaltige Rauchwolke, die das Feuer weiter anfachen und seine Ausbreitung schwer vorhersehbar machen kann.Wegen der anhaltenden Gefahr ordnete die Präfektur in der Nacht die vorsorgliche Evakuierung von 55.000 weiteren Menschen in mehreren Gemeinden westlich und südwestlich von Bordeaux an. Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag wurden rund 240 Wohnhäuser zerstört.Lesen Sie auchDie Regierung warnte vor Reisen in die Region. Innenminister Nuñez betonte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß erlebt, und versprach, „alles zu tun“, um die Stadt Bordeaux zu schützen. Der beißende Rauchgeruch ist inzwischen bis in die Stadt vorgedrungen. Da der Wind gedreht hat, breiten sich die Flammen nun nach Osten in Richtung des Ballungsraums von Bordeaux aus. Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände. Laut Nuñez waren mehrere Brände nicht unter Kontrolle.Armee hilft beim Kampf gegen die Flammen: Frankreich verstärkt angesichts der dramatischen Lage die Unterstützung der Feuerwehr. Innenminister Nuñez warnte vor einem langwierigen Einsatz. „Das Feuer wird lange zu bekämpfen sein“, sagte er in einem Interview mit „La Tribune Dimanche“. Rund 2500 Feuerwehrleute, unterstützt von etwa 1500 Soldaten, kämpfen gegen die Flammen. Zusätzlich kommen Löschflugzeuge und Hubschrauber zum Einsatz. Landwirte unterstützen die Einsatzkräfte mit Wasseranhängern und Verpflegung.Auch Deutschland bietet Hilfe an: Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) schrieb einen entsprechenden Brief an den Präfekten der benachbarten Region Grand Est, Amaury de Saint-Quentin. Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Darin erklärt Hagel, Baden-Württemberg könne etwa die Entsendung zweier Polizeihubschrauber in die akut betroffenen Gebiete anbieten, die mit Außenlastbehältern von jeweils 900 Litern Volumen zur Waldbrandbekämpfung ausgerüstet seien. Sollte in der Region Grand Est selbst ein Unterstützungsbedarf entstehen, stehe das Land Baden-Württemberg mit allen verfügbaren Ressourcen zur Verfügung.Die Auslöser der Brände: Das Feuer rund um das Bassin d'Arcachon könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte.So ist die Lage in SpanienDas Ausmaß der Brände: Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die Region Ávila den Notstand aus. Für die Provinz Toledo südwestlich der Hauptstadt Madrid gab es neue Evakuierungsaufrufe. „Die Lage ist komplex“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor Journalisten. „Heute sind wir etwas pessimistischer als gestern“, fügte er hinzu. Die Wetterbedingungen hätten „überhaupt nicht geholfen“. Die kommende Nacht werde „nicht einfach“ werden, sagte Grande-Marlaska.Neuer Brand bei Valencia: Wegen eines neuen Waldbrandes in der Nähe der ostspanischen Großstadt Valencia sind nach Behördenangaben 15.000 Menschen von einem Evakuierungsaufruf betroffen. „Das Feuer übersteigt unsere Löschkapazitäten; es hat einen Umfang von etwa 21 Kilometern“, erklärte Regionalpräsident Juanfran Pérez Llorca am Samstagabend.Wie das spanische Innenministerium am Samstag auf der Plattform X mitteilte, mussten inzwischen 59.488 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere 28.262 Menschen waren demnach von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der Lage nicht verlassen. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ der Region Madrid und von einer „Katastrophe“.Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bislang etwa 32.000 Hektar Land.Der mutmaßliche Auslöser des Feuers: Im Zusammenhang mit dem Feuer in Ávila nahm die spanische Gendarmerie nach eigenen Angaben einen Mann fest. Wie die Guardia Civil weiter erklärte, soll er eine landwirtschaftliche Maschine in einem Gebiet eingesetzt haben, in dem dies wegen der Brandgefahr streng verboten war. Die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt.So ist die Lage in ItalienWo es brennt: Auch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht.Der mutmaßliche Auslöser der Brände: In der süditalienischen Region Kalabrien sollen Brandstifter nach Angaben des regionalen Zivilschutzes Katzen als mobile Brandsätze missbraucht haben. Den Tieren seien mit brennbarer Flüssigkeit getränkte Stofffetzen an die Schwänze gebunden und angezündet worden, bevor sie auf Felder getrieben worden seien, berichtet die Zeitung „La Repubblica“. Zivilschutzchef Domenico Costarella sprach von „unmenschlichen“ Methoden und Brandvorrichtungen als Werk eines „gestörten und kriminellen Geistes“. Ob es sich um Einzelfälle handelt, ist dem Bericht zufolge unklar.In Kalabrien wurden innerhalb von 24 Stunden 164 Brände registriert, 26 weitere waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöscht. Neben Brandsätzen mit verzögerter Zündung und Molotowcocktails entdeckten Einsatzkräfte demnach auch die Überreste der misshandelten Tiere. Die italienische Tierschutz- und Umweltvereinigung Aidaa kündigte Anzeigen bei sämtlichen Staatsanwaltschaften der Region sowie eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise an, die zur rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen.Hinweis: Der Artikel wird laufend aktualisiert.AFP/Reuters/AP/luwi/shem/ll/lay