PfadnavigationHomePanoramaSüdwesteuropa270.000 Menschen in Frankreich und Spanien evakuiert – Waldbrände nehmen dramatische Ausmaße anStand: 14:30 UhrLesedauer: 5 MinutenVerheerende Waldbrände in Spanien, Frankreich und Italien zwingen Hunderttausende zur Flucht. Besonders bedroht ist Bordeaux, ganze Orte sind evakuiert. „Alles ist verriegelt“, berichtet Reporter Thorsten Kremers.Die Lage in Südwesteuropa spitzt sich dramatisch zu. 270.000 Menschen wurden evakuiert. In Frankreich wüten Feuer, wie es sie noch nie gegeben hat. Auch in einer Region Spaniens ist vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ die Rede.Die Waldbrände in Frankreich und Spanien haben immer größere Gebiete erfasst und 270.000 Menschen zur Flucht gezwungen. In Südwestfrankreich mussten sich laut Innenminister Nuñez 167.000 Menschen im Département Gironde in Sicherheit bringen, außerdem etwa 30.000 im benachbarten Département Landes. Für Spanien gab das zuständige Innenministerium die entsprechende Gesamtzahl am Samstagmittag mit mehr als 70.000 an. Damit waren in beiden Ländern insgesamt gut 100.000 Menschen mehr von Evakuierungen betroffen als noch am Freitag.Aus den Vororten von Bordeaux wurden am Samstag tausende Menschen evakuiert. Die ⁠Gebiete Le Haillan, Eysines und Merignac würden geräumt, teilte die Leiterin der Lokalverwaltung von Nouvelle-Aquitaine und Gironde, Sophie Brocas, auf der Kurznachrichtenplattform X mit.Innenminister Nuñez betonte, das Land habe noch nie zuvor Brände in diesem Ausmaß erlebt, und versprach, „alles zu tun“, um die Stadt Bordeaux zu schützen. Der beißende Rauchgeruch ist inzwischen bis in die Stadt vorgedrungen.Nach Angaben der Präfektur Gironde hat der Brand inzwischen rund 19.000 Hektar Fläche erfasst – eine Fläche größer als Paris. Etwa 100 Gebäude wurden demnach zerstört. Militärische Transportflugzeuge zur Löschung eingesetztMittlerweile wird zur Bekämpfung der Brände ein militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M eingesetzt. Es sei in der Lage, 20 Tonnen Löschmittel abzuwerfen. Dies entspricht etwa der Kapazität von zwei Löschflugzeugen vom Typ Dash.Lesen Sie auchPräsident Emmanuel Macron forderte die Streitkräfte nach Angaben seines Umfelds auf, sich zu mobilisieren und den Zivilschutz „mit maximaler Verstärkung“ zu unterstützen. Regierungschef Sébastien Lecornu berief für den späten Abend einen interministeriellen Krisenstab ein. Er erklärte, insgesamt 1000 Militärangehörige würden eingesetzt, um gegen die Flammen zu kämpfen. Diese haben in dem Gebiet bereits eine Fläche von 22.000 Hektar verwüstet.Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohner und Urlauber verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon. Mehr als 800 Menschen erreichten nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Seeweg Arcachon. Etwa 40 der 1000 Feuerwehrleute, die gegen den Brand bei Cap-Ferret kämpften, wurden nach Angaben der Behörden verletzt.Ermittlungen gegen Raucher Das Feuer könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war.Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte.Nach dem Tod zweier Berufsfeuerwehrleute bei einem Einsatz in Mérignac nahe Bordeaux hatte die Staatsanwaltschaft ein schärferes Vorgehen gegen den Umgang mit Feuer in Waldgebieten angekündigt. Verstöße können in den Départements Gironde, Landes und Lot-et-Garonne mit bis zu einem Jahr Haft und 15.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.Etwa hundert Kilometer südlich von Bordeaux breitete sich ein Feuer von Biscarrosse in Richtung Parentis-en-Born aus. Dort lief nach Angaben des Präfekten des Départements Landes die Evakuierung von 8000 Einwohnern. Seit Donnerstagabend waren in der Umgebung bereits 23.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Fünf Feuerwehrleute erlitten demnach leichte Verletzungen oder Beschwerden.Insgesamt kämpften die Einsatzkräfte in Frankreich laut Innenminister Nuñez gegen 32 aktive Waldbrände unterschiedlicher Stärke. Seit Jahresbeginn seien bereits mehr als 50.000 Hektar Fläche verbrannt – fast dreimal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.Feuer im Raum Madrid „nicht zu löschen“ – 70.000 Menschen evakuiertIn Spanien verschärfte sich die Lage rund um die Hauptstadt Madrid. Das dortige Großfeuer sei „auf seinem Höhepunkt“ und derzeit „nicht zu löschen“, sagte der Leiter des Katastrophenschutzes der Regionalregierung, Carlos Novillo. Aufkommender Wind dürfte den Kampf erschweren. Mit Böen von bis zu 60 Kilometern pro Stunde ⁠werde der Einsatz für die Feuerwehr am Samstag schwieriger, warnte das spanische Innenministerium. Etwa 70.000 Menschen mussten inzwischen in Sicherheit gebracht werden.Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom „schlimmsten Brand in der Geschichte“ der Region Madrid und von einer „Katastrophe“.Zwei der drei Brände westlich der spanischen Hauptstadt waren nach Behördenangaben bereits zu einem Großfeuer verschmolzen. Dieses zog auf die Gemeinde Navas del Rey zu, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, und stand örtlichen Vertretern zufolge kurz davor, sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León zu verbinden.Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Samstag gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska das Einsatzzentrum in Cenicientos bei Madrid besuchen und dort an einer Krisensitzung teilnehmen. Sánchez hatte von einer „dramatischen Situation“ in mehreren spanischen Provinzen und in Nachbarländern gesprochen.In Zusammenhang mit dem Feuer in Ávila nahm die spanische Gendarmerie nach eigenen Angaben einen Mann fest. Wie die Guardia Civil weiter erklärte, soll er eine landwirtschaftliche Maschine in einem Gebiet eingesetzt haben, in dem dies wegen der Brandgefahr streng verboten war. Die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt.Die Waldbrände in Spanien zwangen außerdem die US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Evakuierung einer ihrer drei weltweiten Bodenstationen für die Tiefraumkommunikation. Die Flammen seien über das Gelände in Robledo, rund 65 Kilometer westlich von Madrid hinweggezogen, mögliche Schäden würden bewertet, sobald dies gefahrlos möglich sei, teilte die US-Behörde mit.Im nordöstlich von Madrid gelegenen Guadalajara entwickelte sich die Lage dagegen günstiger. Das Feuer hatte nach Angaben der Einsatzkräfte rund 32.000 Hektar erfasst, verlor aber an Intensität. Bewohner von 14 Gemeinden durften zurückkehren, die militärische Notfalleinheit zog sich zurück. Gelöscht war der Brand zunächst nicht.Auch in Italien Dutzende Feuer gemeldetDie EU entsandte nach Angaben der Europäischen Kommission vier Löschflugzeuge nach Spanien und drei nach Frankreich. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland sei bereit, Frankreich im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen.Auch in Italien kämpften Einsatzkräfte weiter gegen zahlreiche Brände. Besonders betroffen waren Sizilien und Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden am Freitag Dutzende Feuer gemeldet.Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.AFP/Reuters/AP/luwi/shem