Farbwechsel in der Formel 1: Beim letzten Rennen vor der Sommerpause feiert Weltmeister Lando Norris ein Comeback, zum ersten Mal seit November 2025 gewinnt der Brite wieder einen Grand Prix. „Unglaublich“, stammelt er ins Helmmikrofon. Das gilt gleichermaßen für den Rest der Podiumsbesetzung beim Großen Preis von Ungarn.Max Verstappen wird Zweiter mit einem Red-Bull-Rennwagen, den er mehrfach als „unfahrbar“ bezeichnet hat. Und WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli schafft es vom siebten Startplatz noch auf den dritten Platz – mit freundlicher Unterstützung der Ferrari-Piloten Charles Leclerc und Lewis Hamilton, die ihre technische Überlegenheit selbst zunichtegemacht haben. In der Gesamtwertung führt Mercedes-Pilot Antonelli jetzt komfortabel mit 50 Zählern auf Hamilton und 59 Punkten auf Teamkollege George Russell.Die schöne Theorie bleibt auf dem brüchigen Asphalt klebenIm elften Rennen der Saison steht zum ersten Mal kein Mercedes in der ersten Startreihe, jedenfalls kein Werkswagen. Wohl aber ein Mercedes-Motor, und dieser Antrieb im McLaren sorgt für die erste Pole Position, seit Lando Norris die Nummer eins auf seinem Auto trägt.Die Qualifikation auf dem Hungaroring wurde einmal mehr durch harsche Entscheidungen der Rennkommissare beeinflusst. So verlor Lewis Hamilton seinen zweiten Startplatz, da er zuvor Oscar Piastri behindert hatte, es ist die dritte Bestrafung des Rekordchampions hintereinander. Auch WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli wurde bestraft, dessen Fahrt rutschte von vier auf sieben zurück, er hatte das Gaspedal in einem Gefahrenbereich nicht genug gelupft.Die neue Ordnung bringt Charles Leclerc im zweiten Ferrari in die erste Startreihe, dahinter Piastri und Max Verstappen. Ferrari, Favorit für das bislang heißeste Rennen des Jahres, geht mit seiner Reifentaktik aufs Ganze: Sowohl Leclerc wie Hamilton bekommen die roten Reifen aufgezogen, die weichste, aber auch anfälligste Gummimischung. Die Idee dahinter: am Start nach vorn zu schießen und dann über eine clevere Boxenstopptaktik das Rennen zu entscheiden.Doch die schöne Theorie bleibt auf dem brüchigen Asphalt der Rennstrecke kleben, die vor 40 Jahren erstmals in den Formel-1-Kalender aufgenommen worden war. Leclerc erlebt einmal mehr einen desaströsen Start, fällt auf den fünften Platz zurück. Auch Weltmeister Norris kann sich nur eine Kurve lang darüber freuen, die Fahrzeugnase frei im Wind zu haben, dann lässt er sich etwas zu weit in den Bogen treiben – und Teamkollege Piastri ist vorbei.Mercedes verwirft die RisikotaktikVerstappen und Hamiton rangeln dahinter, berühren sich leicht, dann folgen Leclerc und Antonelli. George Russell im anderen Silberpfeil bleibt das technische Pech treu, am Start kuppelte die Elektronik automatisch aus, er fällt auf Rang 17 zurück und wird bloß Siebter.Lewis Hamilton eröffnet nach 14 Runden den ersten Boxenstoppreigen, schiebt sich auch an Verstappen vorbei. Aber nur so lange, bis auch der Niederländer auf frischen Reifen ist, dann schiebt sich dieser mit einem der spektakulärsten Überholmanöver der Saison wieder vorbei, selbst sein Renningenieur Gianpiero Lambiase kommentiert begeistert: „Das war etwas ganz Besonderes!“ Dafür, dass Verstappen permanent über seinen Dienstwagen herzieht – mal die Balance, mal die Schaltung –, funktioniert der dann doch ganz gut.Der Einzige, der nicht gleich neue Gummis holt, ist Kimi Antonelli – riskiert Mercedes ein Ein-Stopp-Rennen? Kollege Russell hat sich inzwischen wieder in die Punkte geschoben, Nico Hülkenberg im Audi ist unter den Augen des Ingolstädter Vorstandschefs Gernot Döllner zunächst aus den ersten zehn gefallen – aber schafft es am Ende tatsächlich, seine ersten beiden WM-Punkte der Saison einzufahren.Mercedes verwirft die Risikotaktik. Als Antonelli nach 22 Runden an die Box kommt, rutscht er wieder auf den sechsten Rang zurück und kann das interne Duell der beiden Ferrari-Piloten vor sich beobachten. Leclerc fordert den Ferrari-Kommandostand auf, dass ihn Hamilton vorbeilassen soll, der halte ihn zu sehr auf. Auch die McLaren duellieren sich im Sekundenabstand.„So ein Tempo habe ich noch nie gehabt“Die Strategen an allen Kommandoständen betreiben reichlich Denksport. Die scheinbar Benachteiligten in den Teams, Leclerc und Norris, machen ihrem Unmut Luft. Norris behauptet, er könne sofort zehn Sekunden Vorsprung herausfahren, wenn er vorbeidürfe. Zur Rennhalbzeit wird Piastri reingeholt, jetzt kann der Brite Wort halten und setzt sich tatsächlich ab. Später behauptet er: „So ein Tempo habe ich noch nie in einem Rennwagen gehabt.“Es sind Sekundenbruchteile, die alle noch so guten Überlegungen in diesem Reifenpoker im Nu torpedieren können. So wird Oscar Piastri beim Überrunden von Carlos Sainz junior fast abgeräumt, weshalb Kollege Norris ihn nach seinem Boxenstopp überholen und distanzieren kann. Er schnappt sich dann auch mit Leichtigkeit den Interims-Spitzenreiter Antonelli. Piastri weiß sofort, dass ihn die Unaufmerksamkeit des Spaniers den möglichen Sieg gekostet hat.Im letzten Rennviertel müssen die Fahrer die Reifen bei Asphalttemperaturen jenseits der 50 Grad Celsius unter Kontrolle halten, die Ingenieure wiederum die gestressten Piloten bei Laune. Als Antonelli 16 Runden vor Schluss endlich frische Gummis holen soll, protestiert dieser, will durchfahren. Keine Chance, bescheiden ihm die Ingenieure. Sofort will der Titelfavorit wissen, was von Rang sechs aus noch für ihn drin ist auf der für Mercedes problematischsten Strecke. Platz zwei, behaupten die Strategen.Das klingt nach Motivationsspritze, doch im selben Moment gewinnt er bereits einen Rang, weil Oscar Piastri mit kaputtem Getriebe ausrollt. Das Rennen wird virtuell neutralisiert, alle anderen holen frische Reifen, Ferrari holt unverständlicherweise beide Fahrer rein. Antonelli ist dadurch Dritter und knapp an Lewis Hamilton vorbei.Der drückt zwar noch einmal mächtig, doch die Rennleitung ermittelt schon wieder gegen den Briten, diesmal bekommt er fünf Strafsekunden wegen Überschreitens des Geschwindigkeitslimits in der Box. Das rundet das Desaster in Rot ab. Antonelli will nach allen Strapazen nur noch eins: „schlafen!“
Formel 1: Lando Norris' Warten endet beim Großen Preis von Ungarn
Zum ersten Mal seit November gewinnt Lando Norris wieder einen Grand Prix. Max Verstappen gelingt derweil eins der Manöver der Saison, Kimi Antonelli eine Aufholjagd. Und Ferraris Reifenpoker wird zum Desaster.












