Auch am Sonntag war der Unmut in den Reihen der Union noch groß und das Chaos um die neue Kabinettsaufstellung nicht final aufgelöst. Stattdessen berichteten CDU-Abgeordnete nach der am Freitag spektakulär gescheiterten Ablösung des Bundesverkehrsministers über Empörung, schimpften über die Personalpolitik des Kanzlers oder wunderten sich, warum er nicht dazugelernt habe – freilich fast ausschließlich im Schutze der Anonymität.„Ein Kanzler, der zwar ständig für sich Loyalität einfordert, seine Minister und Abgeordnetenkollegen aber so behandelt wie jüngst Patrick Schnieder, wird es in der Fraktion in den nächsten Jahren sehr, sehr schwer haben“, sagte ein erfahrenes Fraktionsmitglied der F.A.Z. Und da hatte Schnieder noch gar nicht seine Erklärung verbreitet, in der er den Kanzler am Sonntagabend um seine Entlassung bat – um „den unwürdigen Zustand (zu) beenden, der die notwendige sachliche Arbeit unmöglich macht“.Am Freitagmorgen hatte der als Nachfolger von Schnieder vorgesehene CDU-Politiker Fritz Güntzler wenige Stunden vor seiner geplanten Präsentation dem Kanzler abgesagt. So konnte Merz im Garten des Kanzleramts zwar Nina Warken als neue Kanzleramtsministerin, Carsten Linnemann als neuen Bundesgesundheitsminister und Philipp Amthor als neuen Staatsminister im Kanzleramt präsentieren. Ansonsten konnte er aber nur vage ankündigen, dass es weitere Veränderungen geben werde. Schnieder freilich hatte da bereits Parteifreunde darüber informiert, dass ihm der Kanzler seine Entlassung angekündigt habe.Franziska Hoppermann als neue Generalsekretärin erwartetAus der (einstmals) ersten Reihe zeigte am Wochenende zunächst nur Peter Altmaier offen seine Empörung: Der Umgang mit Schnieder mache ihn betroffen und wütend, so der frühere Kanzleramtsminister auf der Plattform X. Das Vorgehen werde weder Schnieders Person noch seiner Leistung gerecht. Diesen Post teilte Schnieders Bruder Gordon – der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.Güntzler soll seine Absage damit begründet haben, dass er für das Amt nicht die Expertise habe. Das wirft ein Licht auf den Wechsel von Linnemann, von dem nun ein gut ein Jahr altes Interview beim Sender Phoenix kursiert. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen“, sagte er damals. „Die Leute hätten gesagt, warum wird der Gesundheitsminister, was hat der damit zu tun.“ Gegenüber der Zeitung „Bild“ stellte Linnemann jetzt klar, dass die Ausgangslage damals eine andere gewesen sei. „Ich traue mir das zu“, sagte er nun.Ausgelöst hatte die Personalrochade der Rücktritt des bisherigen Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn, der mit seinem Ehemann über eine Leihmutterschaft in Amerika ein Baby bekommen hatte, obwohl seine Partei diesen in Deutschland verbotenen Weg ablehnt. Abgesehen von der Besetzung des Verkehrsressorts wird erwartet, dass Merz seiner Partei bei den Gremiensitzungen an diesem Montag Franziska Hoppermann als neue Generalsekretärin präsentiert. Wer ihr als Bundesschatzmeisterin der CDU nachfolgt, blieb zunächst unbekannt. Auch der Posten von Linnemann als stellvertretender Fraktionsvorsitzender muss noch besetzt werden, und Amthors Amt als Parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium.Thorsten Frei, der am Mittwoch zum Fraktionsvorsitzenden gewählt werden soll, verteidigte Merz. Man könne auch Pech haben. „So wie das jetzt gelaufen ist, das kann man ehrlicherweise nicht ausschließen. Das kann passieren“, sagte er am Freitagabend. Und der CSU-Ministerpräsident Markus Söder sagte am Sonntag im ZDF, das Vorgehen des Kanzlers sei „angemessen“ für die Situation und dessen Rolle. „Der Bundeskanzler muss Entscheidungen treffen, die gar nicht leicht sind.“
Patrick Schnieder: Chaos und Unmut in der Unionsfraktion
Bundesverkehrsminister Schnieder bittet um seine Entlassung. In der Union wächst der Unmut über die Personalpolitik des Kanzlers.











