Das braune Papier, in dem die pinkfarbenen Rosen eingewickelt sind, knistert, als Feja Harvey die Blumen an einen Baumstamm im Tiergarten ablegt. Ihre Hände zittern, über ihre blasse Wange läuft eine Träne. Die 18-Jährige ist für das CSD-Wochenende mit ihrer Freundin Vigga Kirchhoff aus dem dänischen Kopenhagen angereist.

Dass sie die deutsche Hauptstadt unter Schock verlassen, habe sie bis gestern Abend nicht für möglich gehalten, sagt Harvey. Nur wenige Meter von ihnen entfernt erinnert ein gegen den Baum gefahrener weißer Pkw daran, wie abrupt das Fest der Vielfalt am Samstagabend endete.

Dort, wo wenige Stunden zuvor noch gefeiert worden war

Noch am Nachmittag waren Hunderttausende unter dem Motto „Haltung ist hot“ durch Berlin gezogen, hatten getanzt, Fahnen geschwenkt und für die Rechte von Minderheiten demonstriert. Gegen 22 Uhr fuhr dann der weiße Kleintransporter in den Großen Tiergarten und über den Ahornsteig. Dabei wurden mehrere Menschen erfasst. Eine Frau starb, 16 weitere Personen wurden nach Angaben der Polizei verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Der Wagen prallte schließlich gegen einen Baum.

Polizei und Generalstaatsanwaltschaft sprechen inzwischen von einem Anschlag. Sie fahnden nach dem 21-jährigen Abdul Ballout, der noch immer flüchtig ist. Ob er den Transporter selbst steuerte, ob weitere Täter beteiligt waren und wie genau sich die Tat abspielte, war am Sonntagmittag noch Gegenstand der Ermittlungen.