„Lebst du noch?“ schreibt meine Schwester mir am Morgen nach dem Berliner Christopher Street Day. Andere wollten wissen, ob ich beim CSD gewesen sei und wie es mir gehe. Ich war dort, am Abend aber längst zu Hause. Trotzdem hielten es Menschen, die mich kennen, nach dem Blick auf die Nachrichten für möglich, dass ich bei einem Anschlag gestorben sein könnte. Das ist ein beklemmendes Gefühl und eines, an das wir uns nicht gewöhnen dürfen.
Am Samstagabend steuerte ein bislang nicht identifizierter Fahrer einen weißen Transporter im Tiergarten in eine Menschengruppe am Rande des CSD. Eine Frau stirbt, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Eine oder mehrere Personen verließen anschließend das Fahrzeug. Die Polizei fahndet nach dem 21-jährigen Abdul Ballout, der ihr bereits bekannt war und der islamistischen Szene zugerechnet wird. Nach Medienberichten befand er sich bis Mai 2026 wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat in Untersuchungshaft. Ob er selbst am Steuer saß, ist noch nicht abschließend geklärt.
Relativierungen aus der linken Ecke
In zahlreichen ersten Meldungen „fuhr ein Auto in eine Menschenmenge“. Das ist nicht nur sprachlich falsch. Es nimmt den Täter aus der Tat. Autos fahren nicht in Menschenmengen. Menschen fahren in Menschenmengen. Auch selbstfahrende Autos begehen keine Anschläge. Am Steuer sitzt ein Mensch, der eine Entscheidung trifft, einen Wagen beschleunigt und ihn auf andere Menschen zusteuert. Diese Person ist der Täter. Und wer Täter schützt, macht sich selbst zum Mittäter. Verantwortung darf nicht verschleiert werden. Wer aus Tätern Fahrzeuge macht, verwischt die Verantwortung.










