Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf, der Olymp in Griechenland, die Küste in der Normandie und Porzellan aus China: Sie alle sind am Sonntag in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden, zu deren Schutz und Erhalt sich die 190 Unterzeichnerstaaten der Welterbekonvention verpflichten. Um über die Nominierungen zu beraten, trifft sich jedes Jahr das Welterbekomittee der Unesco. Dieses Mal im südkoreanischen Busan.Aus Deutschland ist unter den Nominierungen bisher nur die sogenannte Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf. Das Wohngebiet wird wegen seiner bunten Häuser im Bauhaus-Stil auch „Papageiensiedlung“ genannt. In der Villengegend im Südwesten der Hauptstadt waren die in den 1920er Jahren errichteten Häuser lange verspottet worden.Ein Mehrfamilienhaus in der Waldsiedlung Zehlendorf, die von ihren Bewohnern auch liebevoll „Papageiensiedlung“ genannt wird. Sebastian Gollnow/Sebastian Gollnow/dpaDie Waldsiedlung wurde vom Architekt Bruno Taut ursprünglich für Arbeiterhaushalte konzipiert. Doch die neuartigen Häuser zogen schnell auch Künstler, Musiker und Schriftsteller an. Sie schätzten die Verbindung von Architektur und Natur auf dem ehemaligen Forstgelände. Immer noch säumen hohe Kiefern die Straßen und Gärten der rund 800 Reihenhäuser und 1100 GeschosswohnungenBereits 2008 hatte die UNESCO sechs andere historische Berliner Wohngebiete unter dem Titel „Siedlungen der Moderne“ nominiert. Dass die Waldsiedlung nicht dazugehörte, lag vor allem am schlechten Zustand der Fassaden. Der Wohnungskonzern Vonovia, eine Tochter der Deutsche Wohnen, ließ sie sanieren. Auswirkungen auf die Höhe der Mieten solle der neue Status aber nicht haben.Deutschland hat mit der Waldsiedlung künftig 55 Welterbestätten und damit eine weniger als Frankreich. Das Welterbekomitee gab am Sonntag gleich zwei Nominierungen aus dem Nachbarland bekannt.Die mittelalterliche Stadt Carcassonne in Südfrankreich wurde gleich als Ganzes in die Liste mitaufgenommen. Mitten in der Stadt liegt eine Festungsanlage der Katharer einer frommen Sekte. In Südfrankreich gibt es mehrere solcher Katharerburgen. Sieben weitere von ihnen sind nun ebenfalls neues Weltkulturerbe.Die Katharerburg Queribus in Cucugnan, in Südwestfrankreich. STEPHANE DE SAKUTIN/AFPZudem hat die Unesco fünf Strände in der nordfranzösischen Normandie in die Liste mitaufgenommen. An den kilometerlangen Sandstränden waren am sogenannten D-Day im Jahr 1944 mehr als 150 000 britische und US-Soldaten gelandet, um die deutschen Truppen in Frankreich anzugreifen. Er gilt als entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Heute zeugen von der blutigen Schlacht die Überreste deutscher Bunkeranlagen, große Soldatenfriedhöfe und die Einschlagskrater der Schiffsgeschütze an der Küste.In Griechenland gehört seit Sonntag der Olymp zur Liste des Welterbes. Der knapp 3000 Meter hohe Gipfel ist in der griechischen Mythologie die Heimat der zwölf olympischen Götter. Zusammen mit seiner Umgebung sei er wegen seiner kulturellen Bedeutung wie ökologischen Vielfalt einzigartig, begründete das Welterbekomittee.Rund um den Berg Olymp wachsen fast 2000 Pflanzenarten. Einige davon gibt es nur hier. Kultusministerium GriechenlandDas Werk des finnischen Stararchitekten Alvar Aalto ist ebenfalls neues Welterbe. Aalto, der 1976 starb, ist für seine Bauten ohne Ecken und Kanten bekannt. 13 Gebäude und Gebäudegruppen in Finnland wurden in die Unesco-Liste mit aufgenommen. Doch auch in Deutschland lässt sich Aaltos Arbeit bestaunen, etwa in Essen, wo ein von ihm entworfenes Opernhaus steht.Welterbe für Alvar Aalto:Ein Gefühl von HeimatDas Unesco-Komitee hat entschieden, dass 13 Bauten von Alvar Aalto in Finnland Welterbe werden. Ein Besuch beim Werk des Architekten, der die Kälte der Moderne mit der Schönheit der Natur versöhnen wollte.Die meisten neuen Nominierungen stammen aber aus Asien. So zählen jetzt Grab- und Pilgerstätten im chinesischen Xiongnu, sowie im indischen Sarnath zum Welterbe. Auch das thailändische Phra-Mahathat-Kloster hat es auf die Liste geschafft.Das buddhistische Kloster Wat Phra Mahathat stammt aus dem 13. Jahrhundert. Tian Macleod Ji/AP Photo/Tian Macleod JiDas Welterbekomittee tagt noch bis einschließlich Montag. Das Auswahlverfahren für neue Stätten ist aufwendig und kann nicht selten mehrere Jahre andauern. Länder, die eine Bewerbung einreichen wollen, müssen eine vorläufige Bewertung der Erfolgsaussichten durchlaufen. Ausschlaggebend sind unter anderem Einzigartigkeit, Echtheit und Unversehrtheit der Stätte. Im weiteren Prozess muss der antragstellende Staat auch einen Plan für deren Erhalt in der Zukunft einreichen. In Deutschland entscheidet die Kultusministerkonferenz über die Bewerbungen zum Welterbe.
Unesco Welterbe in Berlin und Frankreich: Neue Stätten gelistet
Die Berliner Waldsiedlung wurde als UNESCO-Welterbe anerkannt, ebenso wie Stätten in Frankreich und Griecheland.











