Stand: 26.07.2026 • 12:52 Uhr
Zu ihrer Entstehungszeit umstritten, heute als wegweisende Architektur anerkannt: Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen werden - und erweitert nun die "Siedlungen der Berliner Moderne".
Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Das teilte das Unesco-Welterbekomitee am Sonntag im südkoreanischen Busan mit. Bereits seit Mitte Juli berät das Komitee über Neuaufnahmen aus aller Welt in die Liste des Kultur- und Naturerbes. Jetzt hat es die einzige Nominierung aus Deutschland geschafft und erweitert die seit 2008 bestehende Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne".
Früher umstritten, heute ein Vorbild
Erbaut wurde die Waldsiedlung Zehlendorf von 1926 bis 1932 unter der federführenden Planung von Architekt Bruno Taut gemeinsam mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Die Gebäude im Bauhaus-Stil lösten während ihrer Entstehung heftige Widerstände innerhalb politisch konservativer Kreise aus. Heute gilt das Konzept allerdings unbestritten als wegweisend: Unter dem Leitmotiv "Licht, Luft und Sonne" stellt die Waldsiedlung die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen während einer Zeit in den Mittelpunkt, als dies noch kaum üblich war. Bruno Tauts Vision verbindet moderne, offene Architektur in einem von Grünflächen und Bäumen geprägten Umfeld. Eine Besonderheit der Waldsiedlung ist, dass sie flächenmäßig die größte aller Siedlungen der Berliner Moderne ist. Inmitten der Waldsiedlung befindet sich auch die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte - das revolutionäre Konzept, ein Einkaufszentrum direkt an einen Bahnhof anzubinden, war damals weltweit einmalig. Hinzu kommen die bunten Wände - gelbe, blaue, grüne oder bordeauxrote Fassaden, dreifarbige Fensterrahmen, farbenfrohe Eingangstüren -, die der Waldsiedlung auch den Spitznamen Papageiensiedlung verliehen haben. Etliche Prominente haben einst in der Siedlung gewohnt, darunter der Schauspieler Theo Lingen und der SPD-Politiker und Nazi-Gegner Julius Leber.










