Im Raum stehen unzählige Pokale, Medaillen und gerahmte Zertifikate hängen an den Wänden. Mittendrin – ein riesiges Bild, das den Hausherrn in Übergröße und entschlossener Pose zeigt. Wer das Dōjō des Samurai Fight Teams in Leipzig betritt, spürt sofort, dass hier ein anderer Wind weht als in vielen anderen, modernen Freizeiteinrichtungen. Dieses Dōjō – was frei übersetzt so viel heißt wie „Ort des Weges“ – macht seinem Namen alle Ehre. Vor den großen, aufmerksamen Kinderaugen steht Grigori Winizki. Der 40-Jährige zeigt und korrigiert nicht nur Tritte und Würfe, er vermittelt Lebenslektionen. Gerade erklärt er mit ruhiger, aber unmissverständlicher Stimme, wie man den Kimono, den klassischen Kampfanzug, nach dem Training sauber zusammenlegt, damit er am nächsten Tag nicht völlig zerknittert ist. Auch körperliche Hygiene wird hier rigoros eingefordert. „Wenn du dich pflegst, auf dich achtest, begegnet dir dein Gegenüber automatisch mit mehr Respekt“, sagt der Trainer. Die Kinder glauben ihm jedes Wort. Sie respektieren ihren Sensei zutiefst – nicht wegen starrer Befehle, sondern wegen seines Könnens und seiner Präsenz.
Dass Winizki heute als selbstständiger Kampfsportlehrer auf der Matte steht, ist das Ergebnis einer mutigen Lebensentscheidung. Vor gut einem Jahr entschloss sich der erfahrene Beamte, seinem Hauptberuf bei der Polizei den Rücken zu kehren. Ein Schritt, der im privaten Umfeld durchaus für Stirnrunzeln sorgte. „Selbstständigkeit vor Sicherheit“, sagt er heute mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht. Die neu gewonnene Freiheit bereut er keine Sekunde. Doch dieses Lächeln kommt nicht nur wegen des geglückten Berufswechsels. Für den einstigen Elitesportler ist es zwar wichtig, Erwachsene und Profis zu trainieren, doch seine wahre Berufung hat er in der Arbeit mit dem Nachwuchs gefunden. „Die Weitergabe von Wissen an die nächste Generation hat in der traditionellen Kultur der Kampfkünste einen extrem hohen Stellenwert. Nur so lebt und entwickelt sich die Kampfkunst weiter“, betont Winizki. Kampfsport begleitet ihn seit frühester Kindheit in Kirgisistan.










