Kann man unserer Justiz überhaupt noch vertrauen? Diese Frage stellt sich ein erheblicher Teil der Menschen in diesem Land. Besonders bei uns im Osten ist das Misstrauen gegenüber Richtern, Staatsanwälten und der Rechtsprechung stark ausgeprägt.

Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob es angemessen ist, dass auch nach mehr als 35 Jahren deutscher Einheit in der ostdeutschen Justiz vorwiegend westgeborene Juristen am Richtertisch sitzen. Die eigentliche Schieflage beginnt dort, wo Macht konzentriert ist: bei Gerichtspräsidenten, Vizepräsidenten und Vorsitzenden Richtern. Eben dort, wo Karrieren beeinflusst, Verfahren geprägt und institutionelle Maßstäbe gesetzt werden.

Und wenn in den Führungspositionen ostdeutscher Gerichte mehr als 94 Prozent der Entscheider aus dem Westen stammen, ist das mehr als ein statistischer Ausreißer. Denn wer sich kennt, empfiehlt sich. Wer sich empfohlen hat, wird berufen. Wer berufen wurde, entscheidet später mit darüber, wer nachrückt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf. Man kann es auch klarer formulieren: Seit 1990 haben sich westdeutsche Karrierewege in der ostdeutschen Justiz so tief eingegraben, dass ostdeutsche Bewerber bis heute häufig vor verschlossenen Türen stehen.