Für Rodrigo Diehl, 51, hat die Fußball-Weltmeisterschaft ein schlechtes Ende genommen, zumindest in sportlicher Hinsicht. Denn Diehls Leidenschaft gehört Argentinien. Schon vor Beginn der WM setzte er auf die Südamerikaner, die das Finale gegen Spanien verloren. Fußballfan Diehl wurde 1975 in Argentinien geboren, er stammt aus einer Familie mit deutschen Wurzeln, später kam er nach Deutschland. Diehl ist seit 2025 Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom, der Deutsch-Argentinier ist für das Deutschlandgeschäft und damit auch für das Streamingangebot Magenta TV verantwortlich.Für Magenta TV war die WM dagegen durchaus ein Erfolg. Diehl spricht von „einer Fußball-Weltmeisterschaft der Rekorde“. Man habe „deutlich mehr Kunden gewinnen können als erwartet“. Zahlen werden aber nicht genannt. Magenta TV, der kostenpflichtige Streamingdienst der Telekom, hatte Ende 2025 rund fünf Millionen zahlende Kunden, das Ziel sei langfristig eine Verdoppelung. Die WM sollte dafür einen wichtigen Impuls geben.Doch die Frage ist nun, wie viele der Neukunden überhaupt langfristig bleiben werden. Wie viele kündigen sofort wieder? Wie nachhaltig also ist der – nicht bezifferte – Zuwachs? Fest steht, dass die Kündigungsrate bei Streamingabos generell hoch ist, die Kundinnen und Kunden gelten nicht als besonders loyal, insbesondere wenn sie nicht mehr das passende Programm finden. Sehr viele Magenta-Zuschauerinnen und -Zuschauer dürften zudem für die WM monatlich kündbare günstige Flex-Abonnements abgeschlossen haben. Wer also etwa mit dem WM-Eröffnungsspiel am 11. Juni Kunde wurde, könnte nun zum 11. August sofort wieder aussteigen.Die Frage ist, ob die teure Wette der Telekom aufgegangen ist. „Die WM ist eine große Investition für uns“, räumte Diehl bereits Anfang Juni ein. Fußball könne aber „Emotionen in die Marke“ bringen. Und das ist wohl gelungen. Magenta TV war mit einem großen Team präsent und hatte zumindest medial und in den sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit. Dazu beigetragen hat auch Jürgen Klopp, der als Experte bei Magenta TV unter Vertrag war und nicht nur mit meinungsstarken Analysen auffiel. Im Verlauf der WM wurde er nach dem Ausscheiden des deutschen Teams auch zum Nachfolger von Julian Nagelsmann als deutscher Bundestrainer nominiert. Die Werbeeinnahmen seien doppelt so hoch gewesen wie bei der Heim-EM vor zwei Jahren, sagte ein Sprecher.Rodrigo Diehl (links) ist Vorstand der Deutschen Telekom und für Deutschland zuständig, Arnim Butzen ist der Chef von Magenta TV. Felix Hörhager/dpaMagenta TV hatte alle 104 WM-Partien gezeigt, davon 44 exklusiv, der Rest lief parallel auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF. Nach Angaben der Telekom waren insgesamt mehr als 200 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer dabei, nicht berücksichtigt dabei sind Kneipen und Public Viewing. Das meistgesehene Spiel war die Partie zwischen England gegen Norwegen (acht Millionen), das Finale kam noch auf 5,5 Millionen. Das ZDF, das das Spiel parallel zeigte, erreichte durchschnittlich 17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Die Magenta-Zahlen sind allerdings nicht offiziell bestätigt wie die Einschaltquoten bei linearen Sendern.Der Konzern hat sich nun auch die Rechte an der WM 2030 gesichertNun meldete die Telekom aber einen neuen Coup. Kurzfristig hat sich der Konzern auch die Medienrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 gesichert. Zu welchem Preis, ist offen. Offenbar hatte die Fifa keine Auktion für den Verkauf der Rechte gestartet, sondern der Telekom direkt den Zuschlag gegeben. Die WM soll im Juni und Juli 2030 zum 100-Jahr-Jubiläum erstmals über drei Kontinente stattfinden, in Uruguay, Paraguay, Argentinien, Spanien, Portugal und Marokko. Es sollen nach jetzigem Stand erneut 48 Nationalteams teilnehmen, mit erneut 104 Partien, die wieder alle bei Magenta TV zu sehen sein sollen. Aber auch eine Ausweitung der WM wird diskutiert.Fußball-WM im Fernsehen:Die große Wette der Deutschen Telekom48 Mannschaften, ein Turnier in drei Ländern, mehr als fünf Wochen Fußball: Der Bonner Konzern investiert immens viel Geld und Aufwand in die Fußball-Weltmeisterschaft. Aber rechnet sich das? Und wer soll all die 104 Spiele bei Magenta TV überhaupt gucken?Erwartet wird in jedem Fall, dass die Telekom auch dann wieder einen Teil der Rechte sublizenzieren wird, an wen auch immer. Die Gespräche haben offenbar noch nicht angefangen. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF dürften wieder Interesse haben. Alle Partien mit deutscher Beteiligung sowie das Halbfinale und das Finale müssen laut Rundfunkstaatsvertrag ohnehin im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden. Das könnte aber auch bei Privatsendern wie RTL oder Pro Sieben Sat 1 oder gar in einem offenen Youtube-Kanal sein. Spekulationen zufolge sollen ARD und ZDF für die 60 Spiele der WM 2026 rund 150 Millionen Euro gezahlt haben.Die Telekom refinanziert die Rechtekosten über Sublizenzen und Werbung. Bei der kommenden Fußball-Europameisterschaft 2028 war es übrigens anders. Hier haben ARD und ZDF Sublizenzen an Magenta TV vergeben. Die Telekom mit 200 000 Mitarbeitenden und 119 Milliarden Euro Jahresumsatz ist eigentlich ein Infrastrukturkonzern, das Kerngeschäft sind Festnetz-, Internet- und Mobilfunkanschlüsse. Das Streaminggeschäft wächst zwar und soll zur Kundenbindung beitragen. Es macht aber nur einen kleinen Teil des Gesamtgeschäfts aus.