PfadnavigationHomeSportFußballWM 2026Der Großangriff von MagentaTV auf ARD und ZDFVon Steven JörgensenStand: 11:41 UhrLesedauer: 5 MinutenVor dem letzten Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen die USA bleibt offen, ob Manuel Neuer im Tor stehen wird. Kai Havertz ist zurück im Mannschaftstraining. „Er wird sich vermutlich in der Sturmspitze streiten mit Deniz Undav“, sagt WELT-Reporter Christian Beilfuß.Magenta fährt bei der Weltmeisterschaft groß auf. Der Telekom-Sender überträgt alle Spiele und setzt dabei auf große Namen. Ein kostspieliges Unterfangen, das einer klaren Strategie folgt.Derzeit lächelt Thomas Müller überall in Deutschland von Plakaten und Anzeigen in Magenta. Der Fußball-Weltmeister von 2014 wird von der Telekom als Werbegesicht und Experte für die Marke MagentaTV genutzt. Rund um die WM, die am 11. Juni in den USA, Mexiko und Kanada startet, herrscht Hochkonjunktur für die Telekom beim Kampf um Kunden. Dabei setzt MagentaTV auf große Namen: Neben Müller sind noch Jürgen Klopp und Mats Hummels für Analysen dabei. Johannes B. Kerner reist als Gastgeber der Sendestrecken mit den Experten durch die WM-Länder. Moderatorin Laura Wontorra begrüßt die Zuschauer aus einem Rooftop-Studio im Süden des New Yorker Stadtteils Manhattan. „Wir sind stolz darauf, diese Nationalmannschaft der Sportberichterstattung zusammenzustellen“, sagt MagentaTV-Chef Arnim Butzen.Allein Produktion und Personal kosten Millionen. Ganz zu schweigen von den Übertragungsrechten, die in der Regel mit mehr als 200 Millionen Euro zu Buche schlagen. Mit diesem Riesenaufwand sollen die Zuschauer den Öffentlich-Rechtlichen abspenstig gemacht werden, deren Studios in Berlin (ZDF) und Köln (ARD) sind. Dort wird gespart, die Teams vor Ort sind klein. MagentaTV hat in Deutschland rund fünf Millionen Kunden, wächst kontinuierlich. Das soll so weitergehen, Fußball ist ein zentraler Treiber. „Sport steht für Emotionen“, sagt Rodrigo Diehl, Deutschland-Vorstand der Telekom. „Wir setzen auf den Fußball, um Kunden für MagentaTV zu begeistern, am besten auf Glasfaser. Die WM ist sicher eine sehr hohe Investition, aber sie ist gut begründet. Die bisherigen Turniere waren sehr erfolgreich für uns.“ Die Refinanzierung läuft in erster Linie über Werbeerlöse, Sublizenzen an andere Sender und Aboverkäufe.Telekoms Tauschgeschäft mit ARD und ZDFDie Fußball-Strategie der Telekom begann mit der EM 2024. 2019 überbot der Kommunikationskonzern die Öffentlich-Rechtlichen und erwarb die Übertragungsrechte an allen 51 Spielen. Geschätzter Preis: 225 bis 250 Millionen Euro. Mit diesem Faustpfand konnte die Telekom dann in Sublizenz-Verhandlungen mit ARD und ZDF gehen. Die Öffentlich-Rechtlichen bekamen 34 Spiele der EM 2024, weitere 12 Begegnungen zeigte RTL. Bei MagentaTV liefen dafür dann jeweils alle Partien der EM 2021 und der WM 2022, für diese Turniere hielten ARD und ZDF die Rechte. Lesen Sie auchDabei wächst der Exklusiv-Teil für den Pay-TV-Anbieter: 2021 waren zehn Partien nur gegen Bezahlung zu sehen. 2022 lag diese Zahl bei 16. Die EM 2024 war mit fünf eine Ausnahme, weil zwölf im Rahmen einer Kooperation an RTL weiterverkauft wurden.Bei der WM 2026 war die Telekom bei der Ausschreibung wieder angriffslustig und kaufte die WM mit 104 Spielen komplett. Es kam erneut zu einem Tausch: ARD und ZDF erhalten je 30 Spiele, 44 Partien bleiben exklusiv bei MagentaTV. Dafür bekommt die Telekom Rechte an der EM 2028, hier für alle 51 Partien, 17 davon exklusiv. Die Erkenntnis der vergangenen Jahre: Die Übertragungsrechte werden mit über 200 Millionen Euro pro Turnier so teuer, dass dies nur mehrere Sender zusammen stemmen können.„Wir freuen uns, diese Reise fortsetzen zu können“, sagt Butzen. „Mit der Europameisterschaft 2021 hat alles angefangen, jetzt fünf Jahre später freuen wir uns über diese Weltmeisterschaft, die riesengroß ist. Die aber auch eine große Herausforderung in der Produktion, in der Redaktion und den Experten mit sich bringt.“ Für die Telekom sind die Fußball-Turniere das perfekte Marketing-Werkzeug. Im Zentrum steht MagentaTV, das im Wettbewerb mit Kabel, Satellit, aber auch Streaming-Plattformen steht. Kunden sollen auf den Geschmack kommen und möglichst lange bleiben. Daher bietet man UltraHD-Bilder und Dolby-Atmos-Tonqualität. In der Regel kommen Kunden mit monatlich kündbaren Flex-Abonnement im hohen sechsstelligen Bereich hinzu. Zum Neuabschluss eines Breitbandanschlusses gibt es ein Deutschland-Trikot.Die WM als Quoten-Garant Für die Fußball-Fans wird die WM aber zum Puzzlespiel: 16 verschiedene Anstoßzeiten, drei Sender. Das Herzstück des Turniers wird stets im Free-TV bleiben, denn der Medienstaatsvertrag schreibt vor, was frei empfangbar ausgestrahlt werden muss: neben Partien mit deutscher Beteiligung das Eröffnungsspiel, die beiden Halbfinals sowie das Endspiel.Der Fußball ist ein verlässlicher Quotenbringer: Bei ARD und ZDF verfolgten die EM 2024 im Schnitt 13,26 Millionen pro Spiel. Die fünf Auftritte der deutschen Nationalmannschaft sahen im Schnitt sogar 25,6 Millionen mit dem Spitzenwert von 27,2 Millionen Fans beim EM-Viertelfinale gegen Spanien (1:2 n.V.).Lesen Sie auchMagentaTV nennt allgemeine Zuschauerzahlen zur EM 2024: Mehr als 70 Millionen sahen über die Plattform zu. Der Spitzenwert waren über 4,5 Millionen beim exklusiven Achtelfinale zwischen Österreich und der Türkei. Zweitbestes Spiel war die Vorrundenpartie der Schweiz gegen Ungarn mit rund 2,3 Millionen. Mehr als 1000 Stunden WeltmeisterschaftInsgesamt gibt es diesmal mehr als 1000 Stunden WM bei MagentaTV. „Wir haben drei WM-Sender, auf denen wir das Turnier zeigen“, sagt Butzen. „Unseren Hauptsender, unseren Taktiksender und einen, wo wir die jüngere Zielgruppe ansprechen, unseren Überraschungssender. Wir wollen diese Weltmeisterschaft aus jeder Perspektive zeigen.“ Wegen der Nachtspiele gibt es jeweils morgens ab 7 Uhr einen zweistündigen „Breakfast Club“ aus Ismaning bei München, wo auch Moderator Micky Beisenherz das Geschehen analysiert. Um auch Nicht-Fußball-Fans für sich zu gewinnen, wird Tokio-Hotel-Gitarrist Tom Kaulitz als Fan-Experte sogar ein Spiel kommentieren. Und Helene Fischer singt den WM-Song „Heute Nacht“. Passend mit Blick auf die Anstoßzeiten.
WM 2026: Telekom investiert Millionen – die Strategie hinter dem Mega-Aufgebot - WELT
Magenta fährt bei der Weltmeisterschaft groß auf. Der Telekom-Sender überträgt alle Spiele und setzt dabei auf große Namen. Ein kostspieliges Unterfangen, das einer klaren Strategie folgt.









