Zu sehen sind die pinken Plakate überall in Deutschland. Die Telekom wirbt mit Sonderangeboten anlässlich der Fußballweltmeisterschaft, mit denen neue Kunden günstig den Erfolg oder Misserfolg der deutschen Kicker mitverfolgen können. Für elf Euro beispielsweise können Kunden einen monatlich kündbaren Tarif buchen, um alle 104 Spiele live zu sehen. Eine Mindestlaufzeit gibt es nicht. Ein wahrer Schnapper? Da lohnt es sich, genauer hinzusehen.Was heute mit elf Euro günstig wirkt, hat vor wenigen Wochen noch zehn Euro gekostet. Denn die Telekom hat die Preise mehrerer Tarife angepasst, wie auch so mancher Bestandskunde ärgerlich feststellen musste. Zwei Euro mehr bezahlt ein Kunde nun beispielsweise für den Tarif Magenta Zuhause L, wie ihm per Mail kürzlich mitgeteilt wurde. Das Schreiben liegt der F.A.S. vor.

Der Zeitpunkt könnte kaum schlechter gewählt sein. Denn angesichts der pinken Plakate mit günstigen Werbeversprechen fühlt sich der Kunde in seiner jahrelangen Treue dem Anbieter gegenüber betrogen. Der Neukunde wird umgarnt, der Bestandskunde zahlt drauf, so der Eindruck. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass dessen Grundpreis sogar niedriger ist als jener, den die Neukunden nach Ablauf aller Anfangsrabatte entrichten müssen.Telekom nutzt Verwirrung als TrickDie Beispiele verdeutlichen: Zu beurteilen, welcher Kunde bei der Telekom vorteilhaft dasteht und wer zu viel bezahlt, ist nahezu unmöglich geworden. Geschickt ändert der Mobilfunkanbieter in regelmäßigen Abständen seine Angebote. Mal gibt es noch einen zusätzlichen Geräterabatt, mal sind die ersten sechs Monate gratis, mal ist der Router kostenlos dabei. Hinzu kommt eine Vielzahl an verschiedenen Tarifen, über die sich der Kunde erst mal einen Überblick verschaffen muss.Dieser Trick hat in der Marketingbranche einen englischsprachigen Namen: „Confusiopoly“. Der Begriff leitet sich ab von den Worten „Confusion“, also Verwirrung, und Oligopol. Besonders in Märkten, wo nur wenige Firmen sehr ähnliche Produkte anbieten, setzen die Anbieter auf Unübersichtlichkeit. Die Hoffnung dahinter: Je schwerer die Tarife zu durchblicken sind, desto weniger vergleichen die Kunden. Der Telekommunikationssektor ist ein Paradebeispiel dafür, häufig tritt das Phänomen auch bei Strom- und Gasanbietern auf. Durch diese Komplexität lassen sich manchmal sogar Preiserhöhungen als Sonderangebote verkaufen.Ein Wechsel lohnt sich für Kunden häufigWer die Nerven und Geduld hat, kann sich freilich durch alle Tarife auf den Websites der Anbieter wühlen und den besten für sich ermitteln. Für alle anderen gelten zwei einfache Grundregeln. Erstens gilt es, den Tarif immer über die gesamte Laufzeit zu betrachten und nicht nur den Preis der Anfangsmonate. Dabei helfen auch Vergleichsportale wie Verivox oder Check24. Dort gibt es häufig zusätzlich Cashback für den Abschluss eines Tarifs, also eine Bonuszahlung. Allerdings muss man diesen manchmal aktiv einfordern, oder er ist an Bedingungen geknüpft. Auch hier bleibt es Kunden also nicht erspart, aufmerksam zu lesen.Die zweite Regel lautet: Wechseln lohnt sich fast immer. Selbst der Bestandskunde, dessen Grundpreis niedriger ist als jener für Neukunden, dürfte durch die Einstiegsrabatte mit einem neuen Vertrag besser dastehen als mit dem alten. Er muss sich allerdings einen neuen Anbieter suchen. Nur der Abschluss eines anderen Vertrags bei seinem bisherigen Anbieter dürfte nicht reichen. Teils hilft es auch, mit der Kündigung zu drohen. Der Kundenservice hat manchmal die Möglichkeit, Rabatte zu vergeben, die nicht öffentlich beworben werden. Die Telekom selbst antwortet auf die Frage, ob auch Bestandskunden günstigere Konditionen erhalten können: „Welche Möglichkeiten im Einzelfall bestehen, hängt vom jeweiligen Vertrag und den verfügbaren Aktionen ab.“ Ob man damit die Vorzüge von Neukunden erhält, darf allerdings bezweifelt werden.