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Der Batteriehersteller Varta hat den Insolvenzantrag gestellt. Foto: imago images Krisenfall Varta: Varta AG meldet Insolvenz an Nachdem Vartas Gläubiger Kredite fälliggestellt haben, musste das Management für vier Gesellschaften des Batteriekonzerns am Freitag Insolvenz anmelden.
Das Unheil kündigte sich bereits im Herbst an: Vartas wichtigster Kunde – der Technologiekonzern Apple – hatte sich entschieden, für die neueste Serie ihrer Airpod-Ohrhörer keine Varta-Batterien mehr zu nutzen. Dabei war Varta als Lieferant jahrelang gesetzt.Varta-Gläubiger konnten Kredite sofort fällig stellenSchon im vergangenen Herbst sank das Konzernergebnis unter eine mit den Gläubigern vereinbarte Mindestschwelle. Vartas Gläubiger hätten ihre Forderungen damit sofort fällig stellen können. Man verständigte sich aber zunächst auf ein Stillhalteabkommen. Dieses Abkommen sah zuletzt vor, dass der Kredit ab dem 22. Juli täglich gekündigt werden kann. Bis zum 12. August sollte ein Sanierungsgutachten vorliegen.Vartas wichtigste Gläubiger haben aber noch bevor das Gutachten auf dem Tisch lag, die Hoffnung verloren, dass das Management noch eine Lösung findet, also irgendwo frisches Geld auftreiben kann. Vartas Eigentümer – der österreichische Geschäftsmann Michael Tojner und der Autobauer Porsche – hatten schon frühzeitig zu erkennen gegeben, kein Kapital nachschießen zu wollen.Die Gläubiger zogen daraufhin die Konsequenzen und stellten ihre Kredite fällig. Ein Sprecher der Instructing Group – die sich aus Vertretern der wichtigsten Gläubiger zusammensetzt und die Marschrichtung vorgibt – erklärte hierzu am Mittwoch: Die Gläubiger hätten „über mehrere Jahre hinweg konstruktiv mit den übrigen Stakeholdern zusammengearbeitet, um Varta zu stabilisieren und das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.“ Eine unabhängige Analyse habe aber gezeigt, dass die Varta-Gruppe einen operativen Liquiditätsbedarf im mittleren zweistelligen Millionenbereich habe, verbunden mit erheblichen Kapitalmaßnahmen, die umgesetzt werden müssten, um den Betrieb nachhaltig fortzuführen. „Trotz intensiver Gespräche mit allen Stakeholdern ist von keiner Seite eine Zusage zur Bereitstellung der erforderlichen zusätzlichen Finanzmittel eingegangen.“Entwicklungsdienstleister Erst traf die Autokrise die Zulieferer, jetzt sind die Entwickler dran Die Autokrise schlägt auf Ingenieurkonzerne wie IAV, Bertrandt, Formel D oder FEV durch: Tausende Jobs stehen im Feuer. Doch es gibt auch Gewinner. von Henryk Hielscher und Artur LebedewMan habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. „Sie stellt eine reiflich überlegte und angemessene Reaktion auf eine Situation dar, in der sich die Finanzlage des Unternehmens weiter verschlechtert hat und sich keine belastbare und umsetzbare Alternativlösung abzeichnet.“Infolgedessen hat Varta nun für einige Gesellschaften einen Insolvenzantrag gestellt. Überleben wird wohl die Consumer-Sparte, zu der die bekannten Haushaltsbatterien gehören. Es ist damit zu rechnen, dass diese Sparte im nächsten Schritt an die Gläubiger übergeht. Es soll ein Gutachten geben, wonach diese Sparte 240 Millionen Euro wert ist. Übernehmen die Gläubiger die Haushaltsbatterien auf Basis dieser Bewertung, dann bekommen nicht alle Gläubiger etwas ab, da Vartas Verbindlichkeiten insgesamt rund 300 Millionen Euro betragen und damit den aktuellen Wert der Consumer-Sparte übersteigen.Batteriehersteller Varta AG stellt Insolvenzantrag Gläubiger sind nicht gleichDie erstrangig und zweitrangig besicherten Gläubiger bekämen zwar noch für 100 Prozent ihrer Forderungen Anteile an Varta. Die Gläubiger im dritten Rang würden nur noch teilweise bedient. Die Gläubiger im vierten Rang gingen womöglich komplett leer aus. Mit anderen Worten: Für die Gläubiger in den unteren Rängen könnte es schlecht sein, die Sicherheiten zu ziehen und das Unternehmen zu übernehmen. Für die Gläubiger in den oberen Rängen könnte diese Variante hingegen äußerst attraktiv sein. Dort sind viele Hedgefonds vertreten, die in der Krise anderen Varta-Gläubigern Forderungen abgekauft und dafür deutlich weniger als den Nominalwert gezahlt haben. Werden ihre Forderungen nun zum Nominalwert bedient, würden sie folglich eine traumhafte Marge erzielen.Für die Gläubiger in den unteren Rängen gilt das zwar nicht. Doch sie können nur beschränkt Einfluss nehmen. Vartas Gläubiger haben sich einst darauf verständigt, wesentliche Entscheidungen von einer „Instructing Group“ treffen zu lassen. Diesem Gremium gehören im Kern die gut besicherten Großgläubiger an, wie etwa der Hedgefonds Blantyre und die Deutsche Bank.Insolvenzen Mehr als 140 Industriepleiten pro Monat – so viele Jobs sind gefährdet Gut 800 deutsche Industrieunternehmen haben kürzlich Insolvenz angemeldet. Zehntausende Jobs sind betroffen – knapp jeder fünfte entfällt auf eine einzelne Branche. von Leonard KnollenborgSind die Gläubiger erst einmal Eigentümer geworden, werden sie das Unternehmen wohl kaum langfristig gemeinsam führen wollen. Wahrscheinlich ist vielmehr, dass sie die Consumer-Sparte verkaufen.Vartas Hoffnungen auf Allswiss wohl umsonstIm Juni gab es kurz noch mal Hoffnung, dass das Schlimmste verhindert werden kann. Die Allswiss AG aus der Schweiz und ihr Gründer Pino Sergio hatten sich bei Varta gemeldet und erklärt, sie wollten die Altgläubiger von Varta ablösen. Aktuell sei sein Angebot selbstredend unverbindlich, sagte Sergio der WirtschaftsWoche im Juni. Erst müsse er eine eingehende Unterlagenprüfung vornehmen lassen. „Kommt es dabei nicht zu unerwarteten, bösen Überraschungen, folgt eine interne Beschlussfassung der Gremien und bei positivem Beschluss kurzfristig ein verbindliches Angebot zur Übernahme der Forderungen.“Im Gläubiger-Umfeld heißt es, dass bis heute jedoch nur ein indikatives Angebot vorliege und die von Sergio präsentierten Finanzierungszusagen von Investoren an zu viele Bedingungen geknüpft seien. Mit anderen Worten: Man hält Sergios Offerte nicht für belastbar und zieht nun die Konsequenzen.Dabei soll die indikative Finanzierungszusage von der SaarLB kommen. Gläubigerkreisen zufolge hat die Landesbank ihre Bereitschaft erklärt, den Ankauf von Forderungen durch eine Gesellschaft der Allswiss AG, gemeinsam mit anderen Banken, zu finanzieren. Es soll sich zwar lediglich um eine Interessensbekundung handeln. Diese sei auch an allerlei Bedingungen geknüpft, wie zum Beispiel, dass ein Sanierungsgutachten vorliegt, heißt es in Gläubigerkreisen. Doch die SaarLB würde wahrscheinlich keine Interessensbekundung abgeben, wenn sie nicht auch tatsächlich bereit wäre, das Vorhaben zu finanzieren. Die SaarLB äußerte sich hierzu nicht.Nur scheint es im entscheidenden Gläubigerkreis zuletzt keine Mehrheit dafür gegeben zu haben, diese Option weiterzuverfolgen.Das Zukunftsmodell, das Varta-Chef Michael Ostermann entwickelt hatte, um Varta wieder an die Weltspitze zu katapultieren, wird damit wahrscheinlich nicht mehr zum Tragen kommen. Ostermanns Team hatte eine Natrium-Ionen-Zelle entwickelt. Mit vielen dieser Zellen könnten leistungsstarke Energiespeicher gebaut werden. Einer internen Präsentation zufolge gab es bei Varta bereits ein Konzept für eine mögliche Serienfertigung. Hiernach hätte eine erste Pilot-Anlage bereits Ende 2028 stehen und eine 10-Gigawatt-Serienfertigung bis Ende 2030 hochgezogen werden können. Aber dafür hätte das Unternehmen Geld gebraucht, das offenbar keiner geben will.Hinweis: Dieser Artikel ist erstmals am 22. Juli 2026 bei der WirtschaftsWoche erschienen. Wir haben ihn um die aktuellen Entwicklungen ergänzt und zeigen ihn erneut. 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