In rund sechs Wochen steht Sachsen-Anhalt vor einer Richtungsentscheidung. Am 6. September wird der neue Landtagin Magdeburg gewählt. Derzeit regiert dort eine Koalition aus CDU, SPD und FDP unter Ministerpräsident Sven Schulze. Ob der CDU-Politiker im Amt bleibt, ist völlig unklar.Denn die AfD ist in dem ostdeutschen Bundesland auch in einer neuen Umfrage klar stärkste politische Kraft. Die Ultrarechten streben eine Alleinregierung an und wollen erstmals in Deutschland mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund einen Ministerpräsidenten stellen.Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei kommt in der am Donnerstagabend veröffentlichten Erhebung des Instituts Insa für den „Focus“ auf 41 Prozent und liegt damit weit vor der CDU, die 24 Prozent erreicht. Beide Parteien landen damit etwa im Bereich früherer Erhebungen.Für Mehrheiten sind über 42 Prozent notwendig. Falls die SPD auch noch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, hat die AfD eine realistische Chance.Hermann Binkert, Insa-ChefAuch bei den anderen Parteien hat sich nur wenig verändert. Die Linke kommt auf 14 Prozent. Unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen derzeit Grüne, FDP und BSW, die in der Umfrage jeweils auf vier Prozent kommen. Sie würden damit den Wiedereinzug verpassen. Und auch die SPD muss zittern: Für die Sozialdemokraten werden fünf Prozent prognostiziert. Sonstige Parteien kommen zusammen auf vier Prozent. Befragt wurden vom 14. Juli bis 21. Juli in Sachsen-Anhalt 1000 Wahlberechtigte.Die Koalition aus CDU, SPD und FDP hätte nach diesen Zahlen keine Mehrheit mehr. Insa-Chef Hermann Binkert sagte dem Blatt: „Für parlamentarische Mehrheiten sind über 42 Prozent notwendig. Falls die SPD auch noch an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert, hat die AfD eine realistische Chance auf eine parlamentarische Mehrheit im Landtag von Sachsen-Anhalt.“Aber: „Zieht neben der SPD auch eine der drei derzeitigen Vier-Prozent-Parteien (Grüne, FDP, BSW) in den Landtag ein, wird es für die AfD kaum möglich sein, alleine auf eine parlamentarische Mehrheit zu kommen.“ Mehrheit traut AfD-Siegmund Problemlösungen nicht zu Zuletzt hatten die unklaren Mehrheitsverhältnisse die Diskussion über die sogenannte Brandmauer zu den Ultrarechten angeheizt. Die CDU schließt Koalitionen sowohl mit der AfD als auch mit der Linken aus. Sollte die AfD die parlamentarische Mehrheit verfehlen, wäre lediglich eine von den Christdemokraten geführte Minderheitsregierung denkbar, die dann auf eine Zusammenarbeit unter anderem mit der Linkspartei angewiesen wäre.In den vergangenen Wochen machte die AfD in Sachsen-Anhalt mehrfach Schlagzeilen, zuletzt gab es Vorwürfe gegen Landtagskandidaten wegen mutmaßlicher Verbindungen zur Neonazi-Szene.Gefragt, wie groß das Vertrauen in den AfD-Kandidaten Siegmund ist, die Probleme in dem Bundesland mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern gut zu lösen, sagten 53 Prozent, sie trauten ihm das nicht zu. 38 Prozent zeigten sich zuversichtlich. Beim derzeitigen Ministerpräsidenten Schulze antworteten 63 Prozent, sie hätten kein Vertrauen. Ein Viertel äußerte sich positiv.Zuletzt hatten sich wiederholt auch Wirtschaftsvertreter besorgt über eine mögliche Regierungsverantwortung der AfD in dem Bundesland geäußert. Würden die Rechtspopulisten ihr Wahlprogramm umsetzen, hätte das verheerende wirtschaftliche Folgen, wie auch eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigte.Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.
Umfrage sieht Zitterpartie für SPD: AfD liegt in Sachsen-Anhalt mit 41 Prozent deutlich vorn
Vor der Wahl am 6. September hoffen die Ultrarechten, in Magdeburg mit ihrem Kandidaten Siegmund den Ministerpräsidenten zu stellen. Das hängt aber auch davon ab, wer letztlich in den Landtag einzieht.











