Der politische Aufruhr, der derzeit Indien in Atem hält, wird von der Gen Z getragen. Ihr bekanntestes Gesicht ist jedoch das eines fast 60 Jahre alten Bildungsreformers und Klimaaktivisten. Sonam Wangchuk hatte sich mit einem 26 Tage währenden Hungerstreik mit der „Kakerlaken-Bewegung“ solidarisiert. Er unterstützte ihre Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan, dem ein Skandal um durchgestochene Prüfungsaufgaben zur Last gelegt wird. In der Nacht zum Freitag hat Wangchuk seinen Hungerstreik beendet.Die jungen Inder waren am Montag auf ihrem bisher größten Marsch auf das Parlament in Neu Delhi von der Polizei mit Stockschlägen und Tränengas gestoppt worden. Doch die jungen Menschen setzten ihre Kundgebung im Zentrum der Hauptstadt fort. Die Regierung hat nun Entgegenkommen signalisiert. Sie erklärte sich zu Gesprächen bereit. Ministerpräsident Narendra Modi kündigte die Einrichtung von Schnellgerichten an, die über die Leaks der Prüfungsaufgaben urteilen sollen. In einer nächtlichen Videobotschaft, die offenbar mit einem Handy aufgenommen war, versprach er zudem harte Strafen für die Verantwortlichen.Ein Grund für das Ausmaß der Proteste dürfte auch in der Verlegung Wangchuks in ein staatliches Krankenhaus vor rund einer Woche gelegen haben. Tagelang hatte der Aktivist am Protestplatz Jantar Mantar im Zentrum Neu Delhis ausgeharrt und sich nur von salzhaltigem Wasser ernährt. Sein Gesundheitszustand hatte sich verschlechtert. Sein Transport ins Krankenhaus fand ohne seine Zustimmung statt und wurde als „rechtswidrige Inhaftierung“ kritisiert. Erst auf eine Intervention des Höchsten Gerichts hin wurde er am Dienstag in ein Krankenhaus seiner Wahl verlegt.Gandhi-Vergleiche lehnt er abEs ist nicht das erste Mal, dass Wangchuk seinen Körper als Mittel des Widerstands einsetzt. Bei Protesten in seiner Heimat, der Himalaja-Region Ladakh, hatte er schon einmal die Nahrungsaufnahme verweigert. Nachdem ihn die Behörden beschuldigt hatten, die in Gewalt ausgearteten Proteste geschürt zu haben, verbrachte er dort rund sechs Monate in Haft. Den nun gezogenen Vergleich mit dem friedlichen Widerstand Mahatma Gandhis weist er aber selbst zurück. Er kämpft auch nicht gegen Kolonialherren, sondern für Bildungsgerechtigkeit, Minderheitenrechte und für Klimaschutz.Schon vor den Kakerlaken-Protesten war er so bekannt, dass sein Leben als Inspiration für eine der Hauptfiguren in dem Bollywood-Erfolgsfilm „3 Idiots“ gedient haben soll. Erzogen in der Sprache der tibetisch-buddhistischen Ladakhis, war er in jungen Jahren nach einem Umzug in der neuen Schule mit einer fremden Sprache konfrontiert. Sein Vater war der Regionalregierung von Jammu und Kaschmir in der Hauptstadt Srinagar als Minister beigetreten. Die frühe Erfahrung prägte sein Leben auch noch, nachdem er Ende der Achtzigerjahre sein Ingenieursstudium beendet hatte.Wangchuk gründete eine Nichtregierungsorganisation, die sich der Reform des Bildungssystems in Ladakh widmete, in dem die Angehörigen seiner Volksgruppe mit Nachteilen zu kämpfen haben. Mit seinem Ingenieurswissen und Innovationsdrang entwickelte er Projekte für Klimaschutz und Landwirtschaft, darunter eine „Eis-Stupa“, die als eine Art künstlicher Gletscher das Speichern von Wasser ermöglicht. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Ramon Magsaysay Award ausgezeichnet, dem „asiatischen Nobelpreis“. In der Begründung wurde er damals als „Vorbild für Minderheiten weltweit“ gepriesen.Die Studenten demonstrieren trotz Zugeständnissen weiterVor dem Ende seines Hungerstreiks hatte sich Wangchuks Zustand den Ärzten zufolge weiter verschlechtert. Mit einigen Zugeständnissen konnte die Regierung ihn dazu bringen, wieder Nahrung aufzunehmen. Sie sicherte ihm zu, dass bereits eingeleitete Verfahren gegen friedliche Demonstranten eingestellt werden. Zudem will die Regierung die Familien der Studenten, die sich nach den Prüfungsleaks das Leben genommen hatten, angemessen entschädigen. Trotz dieser Annäherung protestierte die Gen Z auch am Freitag wieder in mehreren indischen Städten. Sie kündigten an, sich erst zurückziehen zu wollen, wenn ihre Forderung nach der Entlassung des Bildungsministers erfüllt sei.
Der hungerstreikende Aktivist auf Seite der "Kakerlaken"
Er ist das deutlich ältere Gesicht der jungen Protestbewegung. Sonam Wangchuk unterstützt die Forderungen der Jungen. Mit Gandhi will er nicht verglichen werden.











