Freizeittipp: Schauen Sie doch mal im Amtsgericht Ihres Vertrauens vorbei. Da lernt man mal was übers Leben. Bekommt oft exzellenten Unterhaltungsstoff geboten. Und das alles, wie der Johannes B. Kerner sagen würde: live und rundum auf 360 Grad, hey!Ja doch, „öffentlich“ heißt genau das: dass sich da alle reinhocken dürfen. Nicht nur Menschen mit Theaterkritiker-Vergangenheit werden die Vorteile dieser Art von Aufführung umgehend bemerken. Nichts ist gescriptet, die Inszenierungen sind häufig formidabel und über übergriffiges Regietheater muss sich auch niemand mokieren, Textbuch gibt’s nicht.Das Beste aber: Selbst das feinste Alphawesen muss in diesem Format die Hose runterlassen. Es sei denn, es mag gleich noch eine Anzeige riskieren, wegen offenkundiger Falschaussage. Das ist das Hochamt: Staatsanwälte, die wegen verzapftem Stuss live und in Farbe noch im Saal vorübergehend festnehmen lassen. Ritualisierte Formulierung zuvor: Man möge das Gericht „doch bitte mit der Wahrheit bedienen“. Falls nicht? Siehe oben.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Apropos Hosen-Runterlassen und Alphawesen. Da bietet sich gerade eine Schalte in einen Gerichtssaal in Bayern an, die Frankenpost hat darüber berichtet (wer es nicht persönlich zu allen Aufführungen schafft, darf notbehelfsmäßig in der Regionalzeitung nachschauen). Ausgangssituation: Ein AfD-Herr hat Oberbürgermeister werden wollen, schon mal gut.Wurde er nicht. Muss sich jetzt aber, genau, mal öffentlich frei machen, am Amtsgericht. Es geht um Fahren ohne Fahrerlaubnis. Und der Herr Ex-OB-Bewerber von der Alternative für D. macht daraus, herrliche Formulierung, vor Gericht „eine AfD-Pressekonferenz unter dem Titel: ‚Ich weiß von nichts, und schuld sind immer die anderen'.“Beste These: Gerichtsbrief ist offenbar aus Briefkasten geklaut worden. Was konnte man da vom Führerscheinentzug wissen? Einleuchtend. Wer hat’s geklaut? Eine heiße Vermutung hat der Alternativ-Mann: die altböse Linke? Genau: die Antifa war’s!Zu schnelles Fahren zuvor? Der Hintermann ist es gewesen, logisch. Wär wohl sonst glatt aufgefahren, der Dödel. Musste man ja gezwungenermaßen zu schnell in den Ort fahren. Keine Alternative also (für D.), Selbstschutz. Wer es war, da hinten auf der Stoßstange? Weiß man nicht. SZ-Vermutung: Antifa.Und dann dieser Polizeibeamte. Behauptet der im Zeugenstand doch glatt, die Lage nach dem Autostopp sei so „gekippt“, dass er sicherheitshalber eine „zweite Streife“ dazugeholt habe. Frechheit. Immerhin ist das hier einer von der Alternative für D. Nur Ignoranten ignorieren: Sachwalter für Recht und Ordnung.Was der Herr Ex-OB-Bewerber zum Besten gegeben habe bei der Kontrolle? Der Polizist erinnert sich so: „Ob ich denn wisse, wie viele illegale Migranten gerade über die Grenze kommen, während ich meine Zeit mit ihm verplempere.“ Ein Lügner sei der Mann, weiß der aufrichtige Alternativ-Herr laut Frankenpost zu entgegnen. Klar: Er, genau er, muss es doch wissen. Als Alphamännlein.An das hier glaubt sich der Beamte übrigens auch zu erinnern: Der saubere Herr habe noch locker angesprochen, welche Pläne die AfD mit der Polizei habe, „wenn ‚wir‘ an die Macht kommen“. Na dann: Darf man ja gespannt sein.