PfadnavigationHomePanoramaZehntausende evakuiertSpanien ruft Notstand wegen Waldbränden aus – Frankreich bittet EU um HilfeStand: 07:09 UhrLesedauer: 4 MinutenFeuerwehrleute in Spanien kämpfen gegen die FlammenQuelle: AFP/HANDOUTWaldbrände halten die Feuerwehren quer durch Europa in Atem. In Spanien wird ein „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Frankreich bittet andere EU-Länder um Hilfe. Auch im Saarland sind Einsatzkräfte beschäftigt.Sowohl in Deutschland als auch in Südwesteuropa kämpfen die Feuerwehren an mehreren Orten gegen Waldbrände. In Spanien hat die Regierung für zwei Regionen den „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Dieser gelte ab sofort für die Hauptstadtregion Madrid sowie in der nahegelegenen Provinz Ávila, teilte das Innenministerium in der Nacht zum Freitag mit.Durch die Ausrufung des Notstands kann der Staat mehr Mittel und Gelder im Kampf gegen die Flammen mobilisieren. Unter anderem wird die Leitung der Einsätze automatisch in die Hände einer militärischen Kriseneinheit gelegt.In den vergangenen Tagen sind in Spanien zahlreiche Brände ausgebrochen. Vor allem ein außer Kontrolle geratener Waldbrand westlich von Madrid besorgt Einsatzkräfte und Anwohner. Am Donnerstag wurde deshalb für 3500 Menschen eine Evakuierung angeordnet. Bereits am Vortag hatten die Behörden in Gemeinden südwestlich der spanischen Hauptstadt wegen eines weiteren Brandes Evakuierungen verfügt. Insgesamt mussten rings um Madrid bereits 10.000 Menschen ihre Häuser verlassen.Im Südwesten Frankreichs sind am Donnerstag mehr als 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Das Feuer wütete in der Nähe des bei Touristen beliebten Küstenorts Lège-Cap-Ferret an der Atlantikküste. In Bordeaux wurde auch eine Messehalle zur Einquartierung evakuierter Touristen geöffnet. Die Gendarmerie koordinierte die Evakuierungen und bewacht die verwaisten Campingplätze und Ferienzentren, wo viele Menschen Wohnwagen und Zelte zurücklassen mussten.Wie die Präfektur in Bordeaux am Abend mitteilte, hat der Brand sich inzwischen auf 4800 Hektar ausgedehnt. Die Lage bleibe weiterhin ungünstig, da das Feuer im gesamten betroffenen Gebiet nach wie vor sehr aktiv sei. Auch am heutigen Freitag wurden erneut Temperaturen von bis zu 39 Grad in der Region erwartet. Ein Feuerwehrmann wurde bislang verletzt, ansonsten kam niemand ernsthaft zu Schaden. Die Feuerwehr war mit 800 Kräften, 260 Fahrzeugen, fünf Löschflugzeugen und einem Löschhubschrauber im Einsatz. Der Waldbrand sei nach Angaben der Behörden noch nicht unter Kontrolle gebracht worden.Frankreich bittet EU um HilfeFrankreich hat wegen der schweren Waldbrände – die auch südlich von Bordeaux im Bereich des Ortes Biscarrosse sowie im bergigen Hinterland nordöstlich von Marseille rund um den Ort Pontevès wüteten – EU-Staaten um Hilfe gebeten. Es sei die Auslösung des Zivilschutzmechanismus der Europäischen Union beantragt worden, teilte Präsident Emmanuel Macron in der Nacht zum Freitag mit. Frankreich werde damit „schnell“ Hilfe aus anderen Ländern für die Brandbekämpfung aus der Luft bekommen. „Wir werden bald auf Verstärkung zählen können“, erklärte Macron im Onlinedienst X. Unter anderem sollten Löschflugzeuge und Schwerlast-Hubschrauber aus Kroatien, Portugal, Tschechien und der Slowakei die französischen Einsatzkräfte unterstützen.Unterdessen rüstet Frankreich kurzfristig ein großes Militärtransportflugzeug des Typs Airbus A400M für Löscheinsätze um. Die entsprechend ausgerüstete Maschine, die 20 Tonnen Wasser auf einen Schlag abwerfen kann, werde binnen zehn Tagen einsatzklar sein, kündigte das Verteidigungsministerium in Paris an. Die technischen Vorbereitungen, die Ausbildung des Militärpersonals und Testflüge hätten am Montag begonnen. Der Transportflieger fasst doppelt so viel Wasser wie ein herkömmliches Löschflugzeug.Lesen Sie auchWaldbrände wüteten am Donnerstag auch auf Sizilien. Dort war einen Tag zuvor ein Mitglied der Feuerwehr bei Löscharbeiten in Caltanissetta ums Leben gekommen. Der italienische Präsident Sergio Mattarella sprach der Familie und den Kollegen des Feuerwehrmanns sein Beileid aus.Im Saarland hat ein Waldbrand zwischen Primstal und Kastel (Kreis St. Wendel) die ganze Nacht lang Einsatzkräfte beschäftigt. Auch am frühen Morgen waren noch etwa 50 Helfer vor Ort. Zuvor waren es zwischenzeitlich mehr als 300 gewesen. Das Feuer breite sich aktuell nicht weiter aus, sagte ein Sprecher der Polizei am Morgen.Der Brand war am Donnerstagabend rasch größer geworden: Das Feuer breitete sich von einer Fläche von etwa zwei Fußballfeldern auf rund fünf Hektar aus. Die Lage sei inzwischen statisch, so der Sprecher weiter. Auch der Polizeihubschrauber aus Rheinland-Pfalz war zwischenzeitlich im Einsatz.Trotz des Ausmaßes des Brandes waren keine Evakuierungen erforderlich, da sich die Flammen ausschließlich in dem Waldgebiet ausbreiteten. Die nahe Landstraße 147 sei aber vorsorglich gesperrt worden. Rauch habe sich auch auf der nahegelegenen Autobahn 1 bemerkbar gemacht.Mit einer Warnmeldung am Abend wurden die Menschen in der Umgebung zeitweise aufgefordert, Fenster und Türen zu schließen sowie Lüftungen und Klimaanlagen abzuschalten. Die Warnung wurde später wieder aufgehoben.Der Brandherd befand sich in der Nähe einer Kläranlage an einem Steilhang, hieß es. Das Feuer dort war zu Beginn schwer unter Kontrolle zu bekommen. Landesbrandinspekteur Timo Meyer und Saar-Innenminister Reinhold Jost (SPD) machten sich am Donnerstagabend vor Ort ein Bild von der Lage und den Einsatzmaßnahmen.dpa/AP/AFP/luwi