Die Internationale Mathematische Union (IMU) hat ihre höchsten Auszeichnungen vergeben: Yu Deng, John Pardon, Jacob Tsimerman und Hong Wang erhalten Fields-Medaillen.Die Gewinner wurden am Donnerstag auf der Mathematik-Konferenz „International Congress of Mathematicians“ in Philadelphia, USA, bekannt gegeben. Die Eröffnungszeremonie des Kongresses wurde um 9 Uhr morgens mit einer Blaskapelle eingeläutet. Neugierige konnten schon Tage zuvor wissen, wer die Preisträger sein würden. Die Liste der Namen war geleakt worden: Auf der Webseite mit dem Konferenzablauf waren vier maschinenlesbare Einträge mit dem Label „HIDDEN Fields Medal Lecture“ hinterlegt, ergänzt um die Namen der Gewinner. Die Entdeckung zehn Tage vor der offiziellen Verkündung verbreitete sich zunächst in chinesischsprachigen Medien und wurde von der IMU weder bestätigt noch dementiert. Die IMU nahm die Inhalte nach der Veröffentlichung des Leaks offline.Die Fields-Medaille ist der wichtigste Preis der Mathematik und wird auch als „Mathematik-Nobelpreis“ bezeichnet. Sie wird aus dem Nachlass des kanadischen Stifters John Charles Fields finanziert. Anders als das schwedische Nobel-Komitee vergibt die IMU ihre höchste Ehrung nur alle vier Jahre. Die Preisträger dürfen nach den Statuten der IMU frühestens im Jahr der Auszeichnung 40 Jahre alt werden, ausgezeichnet werden immer mindestens zwei und höchstens vier Mathematiker. Neben einer Goldmedaille mit dem Konterfei des Mathematikers Archimedes erhalten sie 15 000 kanadische Dollar Preisgeld.Wenn sich unendlich viele spezielle Punkte in einer Region anhäufen, was sagt das über diese Region aus?Alle vier diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger haben sich in ihrer Forschung mit drängenden aktuellen Fragen der Mathematik befasst und forschen in Nordamerika.Yu Deng. Simons FoundationYu Deng, Professor an der Universität Chicago, löste das sechste von David Hilberts 23 Problemen aus dem Jahr 1900, die die Physik fest in der Mathematik verankern sollen. Beim sechsten Problem geht es um die mathematischen Grundlagen der physikalischen Beschreibung von Flüssigkeiten. Deng hat dafür gemeinsam mit zwei Kollegen unter anderem die Boltzmann-Gleichung direkt aus der Newton’schen Mechanik hergeleitet.John Pardon. Simons FoundationJohn Pardon forscht an der Stony Brook University zu symplektischer Geometrie. Noch als Student löste er ein 30 Jahre altes Problem zur Verzerrung von Knoten. Er wurde für seine Leistungen auf verschiedenen Gebieten der Geometrie und Topologie ausgezeichnet, unter anderem in der Knotentheorie.Jacob Tsimerman. Simons FoundationJacob Tsimerman beschäftigt sich an der Universität Toronto mit Zahlentheorie und arithmetischer Geometrie. Er bewies gemeinsam mit einem Team die André-Oort-Vermutung, ohne sich wie die vorherigen Beweise auf die Riemann-Hypothese zu stützen, die selbst unbewiesen ist. In der Vermutung geht es um spezielle Punkte auf einer sogenannten Shimura-Varietät: Wenn sich unendlich viele davon in einer Region dicht ansammeln, muss diese Region selbst spezielle Eigenschaften haben. In einem Video auf der Preisverleihung sagt Tsimerman: „Mathewettbewerbe haben mich gelehrt, nicht aufzugeben.“Hong Wang, Professorin an der New York University und als Jahrgang 1991 die jüngste unter den vier, hat mit Joshua Zahl einen Beweis der dreidimensionalen Kakeya-Vermutung publiziert. Dabei geht es, bildlich gesprochen, um eine in der Luft schwebende Nadel: Wenn man sie so herumwirbelt, dass sie einmal in jede Raumrichtung zeigt, was ist das kleinstmögliche Volumen, das sie dabei überstreicht? Die Vermutung wurde 1917 vom gleichnamigen japanischen Mathematiker aufgestellt. Der bekannte Mathematiker Terence Tao, selbst Fields-Medaillenträger, nannte die Leistung einen „spektakulären Fortschritt in der geometrischen Maßtheorie“.Der Internationale Mathematiker-Kongress steht in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung, weil mehr als 2400 Mathematikerinnen und Mathematiker eine Petition unterzeichnet hatten, ihn in ein anderes Land zu verlegen. Als Gründe nannten sie ausgesetzte Visa-Verfahren, Bedenken um die freie Forschung in den USA und die destabilisierende Rolle der USA in der Welt. Die französische Mathematik-Gesellschaft sagte ihren Stand auf dem Kongress ab, ebenso die kubanische und brasilianische.Hong Wang ist die dritte Frau in der Liste der Gewinnerinnen, seit der Preis 1936 das erste Mal verliehen wurde. Als erste Frau gewann die Iranerin Maryam Mirzakhani 2014 eine Fields-Medaille, sie starb nur drei Jahre später an Krebs.
Fields-Medaillen 2026: Wofür die Gewinner ausgezeichnet werden
Die Internationale Mathematische Union vergibt die begehrten Fields-Medaillen an Yu Deng, John Pardon, Jacob Tsimerman und Hong Wang.










