Im Strafprozess um die Milliardenpleite des Zahlungsabwicklers Wirecard steuert das Landgericht München nach mehr als dreieinhalb Jahren auf ein Urteil zu. Der Vorsitzende Richter Markus Födisch schlug den Prozessbeteiligten während des 273. Verhandlungstermins am Donnerstag vor, die Beweisaufnahme bis Anfang Oktober zu beenden und in der Woche ab ⁠19. Oktober die Plädoyers zu halten. Eine endgültige Zusage der mehr als ein Dutzend Rechtsanwälte der Angeklagten und weiterer Beteiligter stand zunächst aus.Plädieren könnten dem Richter zufolge nacheinander an getrennten Tagen ‌die Staatsanwaltschaft, die Verteidigerinnen des früheren Wirecard-Chefs ‌Markus Braun und die Anwaltsteams der beiden Ex-Konzernmanager Oliver Bellenhaus und Stephan von Erffa. Eine Woche später könnten sich die Angeklagten noch einmal äußern. „Ich plane ein letztes Wort“, sagte Braun am Donnerstag. Dafür werde er voraussichtlich einen Tag benötigen. An welchem Termin danach das Urteil gefällt werden könnte, ließ Richter Födisch offen.Wirecard war im Juni 2020 ‌als erster Dax-Konzern zusammengebrochen, als aufflog, dass dem Zahlungsabwickler auf Treuhandkonten in Asien 1,9 Milliarden Euro ‌fehlten. Es ist einer der ‌größten Finanzskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Geschädigt wurden unzählige Anleger und mehrere Banken. Darüber wird noch immer in etlichen Gerichtsverfahren gestritten. Eine zentrale Rolle spielt hier der Münchner Strafprozess, der im Dezember 2022 begann. ‌Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Managern Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Untreue vor. Das Gericht fasst für Braun nach früheren Angaben bis zu 15 Jahre Gefängnisstrafe ins Auge. Er sitzt seit rund sechs Jahren in Untersuchungshaft und sieht sich ⁠zu Unrecht angeklagt. Erffa hat einige Vorwürfe ebenfalls ‌bestritten. Bellenhaus hat ‌als Kronzeuge ein Geständnis abgelegt.