PfadnavigationHomePanoramaKritik an Christopher Nolan„Bleibt Homers Kunst treu“ – Elon Musk kündigt eigene Version der „Odyssee“ anVon Dominik LippeRedakteur Nachrichten und GesellschaftStand: 13:14 UhrLesedauer: 3 Minuten„Chris Nolan hat seine Integrität verloren“, beklagt Elon MuskQuelle: Paul Hennessy/SOPA Images via ZUMA Wire/dpaNolans „Odyssee“ feiert Erfolge, Elon Musk tobt über „verlorene Integrität“ und will Homer digital retten. Die KI soll liefern, was ihm in Hollywood fehlt: eine „historisch genaue“ Umsetzung.Christopher Nolans Film „Die Odyssee“ dominiert die Kinos. Eine Woche nach Kinostart liegen die weltweiten Einnahmen bereits bei über 300 Millionen Dollar. Mehr als eine halbe Million Menschen sahen die Verfilmung von Homers antikem griechischen Epos hierzulande bereits auf der großen Leinwand. Und auch die Zuschauer- und Kritikerbewertungen fallen überaus positiv aus.Zu den schärfsten Kritikern von Nolans Interpretation des antiken Stoffes gehört hingegen Elon Musk. Der CEO von Tesla und SpaceX zeigte sich derart verärgert über das Werk, dass er am Mittwoch eine eigene Verfilmung mithilfe Künstlicher Intelligenz angekündigt hat. „Bevor dieses Jahr endet, wird Grok Imagine einen abendfüllenden Film über die Odyssee erstellen, der historisch genau ist und Homers Kunst treu bleibt“, schrieb er auf seiner Plattform X.Einen Tag zuvor hatte der Unternehmer noch einer eher klassischen filmischen Herangehensweise zugestimmt. Der X-Nutzer John Carter hatte Musk aufgefordert, dem Regisseur und Schauspieler Mel Gibson 100 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, um eine „Adaption der Odyssee zu drehen mit akribisch historisch genauen Schiffen, Rüstungen, Waffen und Besetzung, wobei sämtlicher Dialog direkt aus dem Originalgedicht entnommen und in homerischem Griechisch vorgetragen“ werde. „Ich bin dabei“, hatte der Adressat geantwortet.Lesen Sie auchDie Hauptgründe für die anhaltende Kritik bestehen in zwei Casting-Entscheidungen. Wenige Wochen nach Veröffentlichung des ersten Trailers hatte Musk im Januar auf X beklagt, Nolan habe „seine Integrität verloren“. Als das Gerücht aufgekommen war, dass Trans-Schauspieler Elliot Page im Film Achilles spielen solle, sprach der Unternehmer von einem der „dümmsten und verdrehtesten Dinge“, die er je gehört habe. Letztlich übernahm Page die Rolle des Kundschafters Sinon.Noch hitziger fielen die Reaktionen auf die Mitwirkung der kenianischen Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong’o aus. Sie erhielt die Rolle der Helena von Troja, der laut griechischer Mythologie schönsten Frau der Welt. Der US-Aktivist und Podcaster Matt Walsh beanstandete daraufhin, „nicht ein einziger Mensch auf dem Planeten“ denke, dass die Schauspielerin die weltweit schönste Frau sei. Der Regisseur wisse, dass er „als Rassist beschimpft würde“, wenn er die Figur von einer weißen Frau spielen ließe, führte Walsh weiter aus. „Nolan ist technisch begabt, aber ein Feigling. Zu ängstlich, um irgendetwas zu tun, das auch nur leicht den Geist der Zeit herausfordert.“ Elon Musk stimmte den Ausführungen des Kolumnisten auf X zu. Zudem unterstellte er dem zweifachen Oscar-Gewinner, die literarische Vorlage „geschändet“ zu haben, um für einen weiteren Filmpreis nominiert zu werden.Nolan verteidigte seine Entscheidung gegenüber „Elle“. Er habe Nyong’o „unbedingt für die Rolle gewinnen“ wollen, unterstrich er. „Stärke und Anmut waren für die Figur der Helena so wichtig. Und Lupita lässt es mühelos aussehen. Ich bin sicher, dass es enorm viel Disziplin und Training erfordert, diese Art von Anmut auszustrahlen und die Emotionen zu spüren, die unter der Figur brodeln, all die verschiedenen Facetten ihres Charakters.“Lesen Sie auch„Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, mit dieser Rolle betraut zu werden“, erklärte Nyong’o ebenfalls in der Modezeitschrift. „Unsere Besetzung repräsentiert die Welt. Ich verschwende meine Zeit nicht mit Verteidigungsstrategien. Kritik wird es sowieso geben, ob ich mich damit auseinandersetze oder nicht.“ Angesichts der mitunter als rassistisch bewerteten Einwürfe, dass sie als Kenianerin eine griechische Figur spiele, erinnerte sie daran, dass es sich um eine „mythologische Geschichte“ handele.Lesen Sie auchDer britische Historiker und Schriftsteller Tom Holland vertrat eine ähnliche Argumentationslinie. „Das sind Mythen. Es gibt keine historisch korrekte Version von Odysseus’ Leben, weil er nicht existiert hat“, führte er gegenüber der Tageszeitung „The Times“ aus. „Ich glaube, ehrlich gesagt, dass ein impressionistischer Umgang mit der antiken Geschichte sehr viel besser ist als der mühsame Versuch, jedes historische Detail korrekt wiederzugeben, denn das ist unmöglich.“