Mitte Juni hat das Berliner Start-up LAP – die Abkürzung steht für „Life Among People“, auf Deutsch Leben unter Menschen – ihre erste Frankfurt-Filiale an der Berger Straße eröffnet. Nicht dass es hier an Cafés, Imbissen und Bäckereien mit Kaffeeausschank mangelte. Da es im Einzelhandel nicht mehr so gut läuft und viele Geschäfte schließen, sind es oft Gastrokonzepte, die nachfolgen. Auch in dem Laden in der Nähe des Merianplatzes, in dem LAP Coffee zu finden ist, war vorher ein Modegeschäft.Der neue Mitspieler lässt die Branche aufhorchen. Die junge Kaffeekette aus Berlin, die inzwischen 34 Filialen betreibt, die meisten davon, rund 20, in der Hauptstadt, ist bekannt für ihre günstigen Preise. Ein Espresso kostet hier nur 1,50 Euro, ein Cappuccino 2,50 Euro, das ist deutlich günstiger als bei den meisten anderen Anbietern. Das Konzept von LAP ist vor allem auf das To-go-Geschäft ausgerichtet. Die gemieteten Flächen sind klein, es gibt nur wenige Plätze, auf denen Kunden sitzen und sich unterhalten können.Der Cappuccino und anderer Kaffee kommen bei LAP aus Siebträgermaschinen, bei denen das, was sonst ein Barista aufwendig von Hand erledigt, automatisiert abläuft, sagt der Pressesprecher des Unternehmens. Die Bohnen liefert eine Berliner Rösterei. Die automatisierten Standardabläufe machen nach Angaben des Start-ups die Preise möglich.Shitstorm in den sozialen Medien und FarbschmierereienDas schmeckt allerdings nicht jedem. Mit der Expansion des Start-ups im vergangenen Jahr rollte eine Welle der Kritik über das Unternehmen. Die Vorwürfe reichten von Verdrängungskampf und Gentrifizierung bis hin zur Finanzierung des Start-ups durch Investoren, erst dadurch seien Kaffee-Dumpingpreise möglich, argumentierten linke Gruppen und auch der ein oder andere alteingesessene Cafébesitzer. In Berlin ging der Protest sogar so weit, dass Filialen mit Farbe beschmiert und mit Steinen beworfen wurden.In der Filiale an der Berger Straße merkt man bei einem Besuch von alledem nichts. Der „iced cappuccino“ schmeckt, wie ein Cappuccino auf Eis an einem heißen Sommertag eben schmeckt. Vor der Filiale stehen vier blaue Liegestühle mit Firmen-Logo. Innen gibt es ein paar, ebenfalls blau gestrichene Holzbänke und einige Stahlhocker. Ein Schild hinter der Edelstahltheke weist neben klassischen Kaffeespezialitäten auch auf Exotisches hin, wie einen „Strawberry Cloud Matcha“ für 4,50 Euro. Die meisten Kunden sind in ihren Zwanzigern und Dreißigern. Draußen sitzt eine junge Frau in weißer Jeanshose und blau-weiß gestreifter Bluse und unterhält sich mit einer Freundin auf Englisch. Ein junger Mann in Jogginghose kommt mit einem großen Koffer vorbei, um einen Kaffee zu kaufen.Auf einer Bank vor der Filiale sitzen Jana und Leon, beide tragen Schwarz. Leon ist 20 Jahre alt und berichtet, dass er zum ersten Mal hier sei und auch sonst nicht oft Kaffee trinken gehe. Der Kaffee sei „gut“. Jana ist 19 Jahre alt und sagt, dass sie schon zum dritten Mal hier ist: „Die Preise sind echt gut dafür, dass es so gut schmeckt.“ Sie gehe aber auch noch in andere Cafés, „es kommt drauf an, was gerade in der Nähe ist“.Konkurrenz gibt sich gelassen: „Alles ganz normal“Kaffeetrinker müssen an der Berger Straße nicht lange suchen. Die Konkurrenz ist groß – und gibt sich angesichts des günstigen Mitbewerbers gelassen. „Alles ganz normal“, sagt die Mitarbeiterin eines Cafés aus der Nachbarschaft, das nicht genannt werden will. Zurzeit komme zwar weniger Kundschaft, das liege jedoch an den Sommerferien, vermutet sie.Thomas Huck, Mitbetreiber des Café Kante, das etwa 100 Meter um die Ecke vom LAP liegt, sieht keinen Einfluss auf sein Geschäft. Das Café Kante habe viele ältere Stammgäste und ein klassisches Bedienkonzept.Auch Samson Habtom, Inhaber von Bunca Coffee, mit bisher drei Filialen in Frankfurt, eine davon zwei Häuser neben dem neuen LAP Coffee an der Berger Straße, äußert sich entspannt. „Grundsätzlich können wir nicht sagen, dass wir weniger Kunden haben“, sagt Habtom. LAP definiere sich über den Preis, Bunca über die Qualität. Der Inhaber verweist auf die eigene Rösterei und „Barista Academy“, an der seine Mitarbeiter geschult werden. Er sagt aber auch: „Wenn wir das To-go-Geschäft nicht hätten, könnten wir die Läden zumachen.“ Habtom will weiter wachsen. Im August soll in Offenbach eine vierte Filiale eröffnet werden, im September die fünfte im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.Auch LAP will weiter wachsen in Frankfurt. Die Marke werde gut angenommen, sagt Gründer Ralph Hage im Gespräch mit der F.A.Z. Dass es in Frankfurt auch gemütlich zugeht, hat den ehemaligen Banker, der in New York gelebt hat, überrascht. Erwartet hatte er eilige Büromenschen, die auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen Kaffee trinken, wie er sagt, und weniger Mütter mit Kinderwagen. Hage wehrt sich gegen den Vorwurf, LAP verdränge andere Cafés, um später die Preise anzuheben. „Es gibt diese Vorstellung, dass, wenn eine Marke Erfolg hat, andere scheitern“, sagt er. Das sei Blödsinn, gerade beim Kaffeemarkt, weil der so groß sei.LAP Coffee ist nicht das einzige Unternehmen, das an der Berger Straße in Frankfurt günstigen Kaffee verkauft. In einem Laden für Açaí-Smoothies, nur wenige Minuten zu Fuß von der Kaffeekette entfernt, bereitet ein Roboter in einem Glaskasten Kaffee zu. Kunden bestellen ihr Wunschgetränk hier an einem Bildschirm und bezahlen mit Karte. Der Cappuccino kostet 2,50 Euro, der Espresso 1,50 Euro. Dass es dieselben Preise sind wie bei LAP, sei reiner Zufall, sagt Daniel Babich, Gründer eines Start-ups für solche Kaffeeroboter. Er habe früher als LAP Coffee Kaffee an der Berger Straße ausgeschenkt.
LAP Coffee: Billigkette aus Berlin nun auch in Frankfurt
Ein Cappuccino für 2,50 Euro – mit solchen Kampfpreisen tritt die Kette LAP Coffee jetzt auch in Frankfurt an. Proteste wie in Berlin gab es hier nicht, trotzdem ist der Kaffeemarkt heiß.






