Es geht los mit Jana Hensel, die noch einmal erzählen darf, was sie schon oft zum Besten gab und was sie 2013 in Finsterwalde mit Angela Merkel erlebte, als sich die Wut der Leute auf die Kanzlerin entlud: „Das Licht fiel sehr schön auf diesen gepflegten und wunderbar sanierten Marktplatz, Angela Merkel kam wie eine Spaziergängerin um die Ecke und dann hob ein ohrenbetäubender Lärm an und sie wurde niedergebrüllt.“
„Töpfchentraining“ als Ursache für Demokratie
Hensel ist sich sicher, dass Merkels Flüchtlingspolitik „ein Auslöser, aber nicht der Grund für diesen Verdruss ist“. Und dann kommt er, der Satz, den sich jede Medienredaktion groß ausdrucken und an die Wand heften sollte, zumal die meisten eh fast in Gänze mit Westsozialisierten bestückt sind: „Was wir nicht gemacht haben in den letzten zehn Jahren“, meint Hensel, „das ist, hinter diese verstörenden Affekte zu schauen, und zu fragen: Welche Probleme liegen eigentlich dahinter?“
Nein, stattdessen wurde in feinster Einhelligkeit der Osten (gern im Ganzen) als rechtsradikal und die Menschen dort als rückschrittlich und demokratiefern gezeichnet. Bei der Ursachenforschung klammerte man sich lächerlicherweise ein bisschen sehr an das „Töpfchentraining“ in DDR-Kinderkrippen. Auch ohne dieses Ritual ist belegt, dass Angepasstheit und unterdrückte Aggression durchaus Erziehungserbe des totalitären Staates sind. Ein Erbe, das sich bestimmt auch in der Demokratiefähigkeit und der Parteienaffinität der DDR-Bürger manifestierte. Aber wäre es nicht besser gewesen, Empathie für diese Prägung aufzubringen, statt sie dem Ostler immer nur als Charakternachteil auszulegen?









