Die französische Politik macht Ernst. Erstmals verbietet ein EU-Mitgliedsstaat sozialen Netzwerken wie Facebook, TikTok und Instagram den Zugang für unter 15-Jährige. Doch tatsächlich trifft das Gesetz nicht nur Kinder. Denn wer Minderjährige aussperren will, muss künftig das Alter aller Nutzer überprüfen. Damit beginnt ein Experiment, das weit über einen vermeintlichen Jugendschutz hinausreicht. Es geht um eine neue Infrastruktur der digitalen Identitätskontrolle. Und das hat Folgen für ganz Europa, so auch womöglich für Deutschland.

Das Parlament verabschiedete das Gesetz am Dienstag endgültig. Neue Konten für unter 15-Jährige sollen bereits vom 1. September an nicht mehr angelegt werden können; bestehende Konten müssen bis zum Jahreswechsel erkannt und gesperrt werden.

Präsident Emmanuel Macron feierte den Parlamentsbeschluss demonstrativ auf X. „Ich habe es versprochen, und jetzt wurde es beschlossen: Soziale Netzwerke werden ab dem Schulbeginn für unter 15-Jährige verboten“, schrieb er. Frankreich wolle damit, wie er mehrfach betonte, Kinder schützen.

Begleitet wird das Verbot von einer zweiten Maßnahme: einem Handyverbot an weiterführenden Schulen. Smartphones sind an Grundschulen und Collèges bereits seit 2018 untersagt; künftig gilt das Verbot auch für die höheren Klassenstufen. Ein Paukenschlag für viele französische Jugendliche, die gerade in ihren Sommerferien an der Côte d’Azur oder in der Bretagne sind.