Die Regierung in Beirut konnte einen bescheidenen Akt des Triumphes begehen. Ministerpräsident Nawaf Salam pflanzte eine etwa mannshohe libanesische Flagge an den Straßenrand der Ortschaft Zawtar al-Gharbiya. Von dort hatte sich zuvor die israelische Armee zurückgezogen. Das Testprogramm, das den Boden für den vollständigen israelischen Abzug aus dem Süden Libanons bereiten soll, begann allerdings mit Schwierigkeiten. Libanesische Soldaten, die am Dienstag in zwei „Pilotzonen“ einrückten, wurden in einem Fall wieder vertrieben.In Zawtar al-Gharbiya hätten israelische Soldaten in die Nähe der einrückenden libanesischen Truppen gefeuert, teilte die libanesische Armee mit. In Israel war von „Warnschüssen“ die Rede. Diese seien abgegeben worden, nachdem libanesische Soldaten und ein Fahrzeug etwa 150 Meter auf Gebiet vorgerückt seien, das weiterhin unter israelischer Kontrolle stehe. Das habe der „Vereinbarung zwischen den Parteien“ widersprochen, teilte die israelische Armee mit.Durch amerikanische Vermittlung hatten Israel und Libanon Ende Juni ein Abkommen geschlossen, das den Konflikt im Süden Libanons beenden soll. Die maßgeblich daran beteiligte Hizbullah-Miliz ist an der Vereinbarung jedoch nicht beteiligt. Dem „Trilateralen Rahmenabkommen“ zufolge soll die libanesische Armee schrittweise nach Südlibanon einrücken, die Hizbullah soll dort entwaffnet werden. Einhergehend damit soll die israelische Armee sich zurückziehen.Nur ein Teil war von der israelischen Armee besetztDie Details dieses Mechanismus wurden jedoch nicht geregelt. Vertreter Israels kündigen seither immer wieder an, die Armee werde noch lange in der „Sicherheitszone“ bleiben, die mehrere Kilometer tief in libanesisches Gebiet reicht. Die Hizbullah wiederum weist die Idee ihrer Entwaffnung zurück und wirft der Regierung in Beirut Verrat vor.In dem Abkommen wurden zwei Pilotzonen definiert, in welche die libanesische Armee als Erstes einrücken soll. Allerdings lag nur die Hälfte von ihnen in dem von der israelischen Armee besetzten Gebiet. In arabischen Medienberichten hieß es zudem unter Berufung auf Bewohner und Gemeindevertreter, Zawtar al-Gharbiya sei gar nicht von israelischen Truppen besetzt gewesen.Der Ort hat durch die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und der Hizbullah im Frühjahr schwere Schäden davongetragen. Die libanesische Armee begann am Dienstag, dort nach nicht explodierter Munition zu suchen; sie rief die vertriebene Bevölkerung auf, vorerst nicht zurückzukehren. Die andere Pilotzone mit den Orten Froun und Srifa, in die libanesische Truppen einrückten, liegt jenseits der israelischen „Sicherheitszone“.Ungeklärte Fragen zur vorgesehenen EntwaffnungSo herrschen weiter erhebliche Zweifel, wie tragfähig die Vereinbarung ist. Schon mit Blick auf die Pilotzonen gibt es weiter offene Fragen. Die Armee könne dort kaum Türen eintreten, um Häuser nach Waffen zu durchsuchen – nicht gegen den Widerstand der Bevölkerung und schon gar nicht gegen den Willen der Hizbullah, sagt ein auf beiden Seiten gut vernetzter Beobachter in Beirut.Außerdem ist offenbar ungeklärt, wie entschieden wird, wann die Entwaffnung wirklich erfolgt sei. Die Vereinigten Staaten verhandeln einem Bericht des Nachrichtenportals Axios zufolge nach wie vor mit Israel und Libanon darüber, wer überprüfen soll, ob die libanesische Armee die Gebiete auf Waffen und militärische Infrastruktur überprüft hat, damit die nächste Phase des Abzugs stattfinden kann.Das Grundproblem dabei ist unverändert: Die libanesische Armee schreckt vor einer Konfrontation mit der Hizbullah zurück, und Israel hat seinerseits wenig Vertrauen in ihre Durchsetzungsfähigkeit. Schon nach dem Waffengang 2024 hatte die libanesische Armee das Grenzgebiet für entwaffnet erklärt – obwohl dort Waffendepots und Bunkeranlagen der Hizbullah verblieben waren. Auch unter westlichen Diplomaten herrschte Frust darüber.Israelische Militärvertreter nannten den ersten Abzug jetzt dementsprechend einen „Test“. Kommentatoren warnen vor hohen Erwartungen. Das Einrücken der libanesischen Armee in die Pilotzonen habe aus israelischer Sicht keine große Bedeutung, schrieb der Militärkorrespondent der Zeitung „Maariv“, Avi Ashkenazi.Trump würde auch direkt mit der Hizbullah sprechenEr wollte das auch als kontrastierenden Kommentar zu den Botschaften verstanden wissen, die kurz zuvor aus dem Weißen Haus gedrungen waren. Dort wurde am Dienstag Libanons Präsident Joseph Aoun empfangen. Donald Trump klang anschließend so, als habe es sich um einen Freundschaftsbesuch in Friedenszeiten gehandelt. Der amerikanische Präsident schickte dem libanesischen Gast in den sozialen Medien einen Abschiedsgruß hinterher: Er habe seine Regierung angewiesen, allen Fluggesellschaften Direktflüge nach Libanon zu erlauben, „damit Amerikaner dieses wunderschöne Land problemlos besuchen können“. Andere Länder täten es ihm hoffentlich nach.Das entsprach dem zugewandten Ton der Begegnung im Weißen Haus. Trump versprach, Libanon den Respekt zu verschaffen, „den es verdient“. Man werde dem Land und dem Militär „viel“ Hilfe bereitstellen, sagte er, führte das jedoch nicht weiter aus. Die israelische Armee sei „im Prozess“, sich aus Libanon zurückzuziehen. Im Übrigen werde er, Trump, auch direkt mit der Hizbullah sprechen, wenn Aoun das wolle. „Ich spreche mit jedem“, versicherte der amerikanische Präsident. Auch mit Leuten, von denen andere dächten, dass man das lieber nicht tun solle.Aoun wollte in Washington erreichen, dass Trump Druck auf Israel ausübt, den Truppenabzug auch wirklich umzusetzen. Zumindest auf persönlicher Ebene schien er in seinem ersten Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten einen Zugang zu diesem gefunden zu haben.In Beirut stellen sich Regierungsvertreter ebenso wie ausländische Beobachter allerdings die Frage, wie dauerhaft das Interesse des amerikanischen Präsidenten an Libanon ist. Zumal die Konfrontation mit Iran, dem Hauptsponsor der Hizbullah, wieder eskaliert. Aber in Trumps Orbit gibt es libanesische Einflüsterer, die womöglich Sympathien für das Land erzeugen.Der Berater des Präsidenten für afrikanische und arabische Angelegenheiten, Massad Boulos, ist nicht nur ein Schwiegersohn Trumps, sondern stammt auch aus Libanon. Michel Issa, der amerikanische Botschafter in Libanon, hat ebenfalls libanesische Wurzeln. Er soll außerdem einen guten Draht zum amerikanischen Spitzendiplomaten und Trump-Vertrauten Tom Barrack haben.
Der erste Test für Trumps Südlibanon-Abkommen
Die libanesische Armee rückt in die „Pilotzonen“ im Süden des Landes ein. Die großen Hürden auf dem Weg zur Lösung des Konflikts stehen aber noch bevor.












