Nach Jens Spahns Rücktritt geht es schnell: Thorsten Frei soll der Fraktionschef von CDU und CSU im deutschen Parlament werdenNur wenige Tage nach dem Rücktritt von Spahn ist klar, wer den Posten des Fraktionsvorsitzenden der Union übernehmen soll. Nun könnte der Bundeskanzler einen grösseren Umbau der Regierung vornehmen.22.07.2026, 14.39 Uhr3 LeseminutenAktualisiertDer derzeitige Kanzleramtschef Thorsten Frei soll Fraktionschef der Union werden.Amrei Schulz / ImagoDer bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei soll neuer Fraktionschef der Union im Deutschen Bundestag werden. Gemäss übereinstimmenden Medienberichten einigten sich der Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz und der Vorsitzende der Christlichsozialen Markus Söder darauf.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Am Nachmittag soll der Vorstand der Unionsfraktion zusammenkommen, um über den Vorschlag informiert zu werden. Die offizielle Wahl erfolgt erst am kommenden Mittwoch in einer Sondersitzung der Fraktion.«Hohes Mass an Kontinuität»Zwar hatte Merz zuvor davon gesprochen, «zeitnah» einen gemeinsamen Vorschlag mit Söder zu machen, jedoch einigten sich die beiden Parteichefs noch früher als erwartet. Unklar ist bislang, wer auf Freis Position als Kanzleramtschef folgen soll. Dem Vernehmen nach soll dieser Entscheid in der kommenden Woche fallen. Der Kanzleramtschef ist als Koordinator zwischen dem Kanzler und den Ministerien eine wichtige Schaltstelle von Merz’ Regierungsarbeit.Frei war bis 2025 unter dem damaligen Oppositionsführer und Unionsfraktionschef Merz im Bundestag tätig, damals als parlamentarischer Geschäftsführer. Er gilt als enger Vertrauter des Bundeskanzlers. In seiner jetzigen Rolle zog Frei wiederholt Kritik auf sich, weil es immer wieder zu Pannen in der Regierungszusammenarbeit kam, die auch ihm angelastet wurden. So hiess es, er verbringe zu viel Zeit mit der Aussendarstellung und weniger mit der internen Abstimmung.Als parlamentarischer Geschäftsführer in der Unionsfraktion galt der 52-jährige Christlichdemokrat aus Baden-Württemberg jedoch als angesehen. Er tat sich unter anderem durch einen strikten Kurs in der Migrationspolitik hervor.Der Koalitionspartner SPD reagierte positiv auf die Aufstellung des neuen Fraktionsvorsitzenden der Union. Der parlamentarische Geschäftsführer der Sozialdemokraten, Dirk Wiese, sagte, er habe mit Frei in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet. «Es wird ein hohes Mass an Kontinuität geben», so Wiese.Möglicher Umbau von CDU und RegierungSeit Spahns Rückzug von der Fraktionsspitze wurde die Möglichkeit diskutiert, Merz könnte die Gunst der Stunde nutzen, um seine Regierung neu aufzustellen. Der Bundeskanzler selbst sagte in einem Interview mit dem ZDF: «Es könnte eine Gelegenheit sein, noch einmal über die Aufstellung der Bundesregierung nachzudenken.»Im Gespräch ist etwa die derzeitige Gesundheitsministerin Nina Warken, deren Posten dann wiederum frei werden würde. Sie hat sich durch eine Reform der Krankenkassen innerhalb der Regierung Ansehen verschafft, jedoch ist ihre weitere Arbeit an einer Gesundheitsreform noch nicht beendet. Offen ist bislang, in welchem Ausmass Merz durch die Neubesetzung des Postens des Kanzleramtschefs Teile seines Kabinetts und seiner Parteispitze umbauen wird.Der SPD-Politiker Wiese sagte, er sehe keine «Eilbedürftigkeit», für eine Kabinettsumbildung eine Sondersitzung des Bundestags einzuberufen, der sich regulär gerade in der Sommerpause befindet. Minister müssen im Parlament vereidigt werden.Spahn hatte am Samstag verkündet, sich vom Fraktionsvorsitz zurückzuziehen. Zuvor hatten er und sein Ehemann bekanntgegeben, dass sie mithilfe einer amerikanischen Leihmutter Eltern geworden seien. Spahn wurde daraufhin auch von Parteifreunden Doppelmoral vorgeworfen, da die Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Die Christlichdemokraten sprechen sich besonders prominent für dieses Verbot aus, zuletzt am Parteitag der CDU im Februar. Auch Spahn persönlich hatte sich in der Vergangenheit für ein Verbot der Leihmutterschaft ausgesprochen.Passend zum Artikel